Jetzt sind Grundbesitzer gefragt

Mit einer Anzeigenkampagne macht das Land Hessen auf die Abgabe zur Erklärung für die neue Grundsteuer aufmerksam.

Mit dem Stichtag 1. Juli beginnt auch für Eppsteins Haus- und Grundstücksbesitzer die Frist für die Feststellung ihrer Grundstückswerte. Neben den Gebäuden werden auch sämtliche Land- und forstwirtschaftliche Flächen erfasst und neu berechnet.

In Eppstein sind laut Erster Stadträtin Sabine Bergold knapp 4900 Haus- und Grundbesitzer aufgefordert, die Angaben bis zum 31. Oktober beim Finanzamt einzureichen. Die Briefe mit der Aufforderung und einer Erklärung über das Verfahren hat die Stadt bereits versendet.

Die Kämmerin weist darauf hin, dass die Zahl der Immobilienbesitzer in Eppstein nur bedingt aussagekräftig ist, da etliche mehr als ein Grundstück besitzen, andere zu Eigentümergemeinschaften gehören. Bundesweit wird die Grundsteuer von 2025 an für rund 36 Millionen Gebäude und Grundstücke neu berechnet, in Hessen betrifft die Neuregelung etwa drei Millionen Immobilien.

Die Bewertung der Grundstücke nimmt das Finanzamt vor. Erst wenn dessen Berechnungen vorliegen, könne die Stadt eigene Beispielrechnungen ausführen und voraussichtlich Ende 2024 die neuen Hebesätze festlegen. In Eppstein beträgt die Grundsteuer B für Wohngebäude aktuell 630 Prozent. Das garantiert der Stadt Einnahmen von jährlich 3,25 Millionen Euro. Aus der Grundsteuer A für landwirtschaftlich genutzte Fläche fließen 13 300 Euro in die Stadtkasse.

Über die künftige Höhe gebe es nur Spekulationen, sagt Bergold und versichert: Die Stadt werde die Neuberechnung nicht für eine „versteckte Grundsteuererhöhung“ nutzen: „Für die Kommune ist wichtig, dass die Grundsteuer stabil bleibt!“ Sie geht davon aus, dass die Hebesätze sich verändern werden und die Grundsteuer künftig unterschiedlich hoch ausfällt, je nachdem, wo eine Immobilie liegt.

„Eigentümer von Häusern in bevorzugter Lage, beispielsweise am Vockenhäuser Sonnenhang, müssen wahrscheinlich künftig mehr zahlen als Besitzer weniger teurer Lagen, etwa im Tal“, sagt Bergold.

In Hessen zählen Fläche und Faktor

„Insofern“, so die Kämmerin, „dürfte das neue Berechnungssystem tatsächlich gerechter für die Bürgerinnen und Bürger sein“.

Die bislang für die Grundsteuerbemessung verwendeten Einheitswerte stammen in den westlichen Bundesländern aus dem Jahr 1964, im Osten sogar aus dem Jahr 1935. Nun werden Gebäude- und Grundstücksflächen auf der Basis aktueller Werte neu berechnet. Leicht durchschaubar ist auch das neue System nicht, denn bei der Reform gehen die Bundesländer unterschiedliche Wege und haben eigene Bemessungsgrundlagen entwickelt.

Hessen führt das sogenannte „Flächen-Faktor-Verfahren“ ein und verwendet fünf Faktoren für die Bewertung, dazu zählt die Fläche des Grundstücks, die Fläche des Gebäudes, die Nutzung der Immobilie, der Bodenrichtwert des Grundstücks und der durchschnittliche Bodenrichtwert der Gemeinde.

Alter oder Zustand des Gebäudes spielen in Hessen für die Bewertung keine Rolle, stattdessen werden wie in Bayern, Hamburg und Niedersachsen vor allem die Flächengrößen verwendet. Das heißt, dort entscheiden vor allem Grundstücks- und Gebäudeflächen über die Höhe der Grundsteuer, nicht der Grundstückswert. Ein reines Flächenmodell wie das bayerische hielt Hessen anscheinend nicht für ausreichend, sodass über weitere Faktoren auch der Wert der Immobilie mit einfließt. Dazu werden in geringem Maß die Bodenrichtwerte einbezogen, die vom Bodenrichtwertinformationssystem (Boris) jedes Jahr auf Grundlage der Immobilienverkäufe aktualisiert werden. Eine Evaluierung findet voraussichtlich alle 14 Jahre statt.

Außerdem erlaubt das neue Gesetz einen gesonderten Hebesatz für baureife Grundstücke, „um einen Anreiz zum Bauen zu schaffen“, sagt Bergold, auch darüber werde die Stadt erst entscheiden, wenn die Berechnung des Finanzamts vorliege.

Der Fragebogen des Finanzamtes ist auf einer Seite zusammengefasst, allerdings werden einige Angaben aus dem Liegenschaftskataster benötigt. Dass die Angaben online über das Elster-Programm des Finanzamtes eingereicht werden müssen, ist für manche bequem, andere, vor allem ältere Menschen und Menschen, die nicht gewohnt sind, ihre Behördengänge online zu erledigen, stellt das vor zusätzliche Probleme.

Kämmerin Bergold rät: Wer nicht mit der Online-Version zurecht komme, solle Verwandte oder gute Bekannte um Hilfe bitten. Das Finanzamt versendet die Unterlagen auf begründeten Antrag hin auch in Papierform.

Im Notfall, wenn jemand gar keine Unterstützung finde, helfe auch die Stadt weiter, sagt Bergold und bittet Immobilienbesitzer, sich dann direkt an sie zu wenden: sabine.bergold[at]eppstein[dot]de. bpa

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