Finanzen sind das beherrschende Thema der Wahl

Ideenwerkstatt Freizeitgelände

Das Spitzenteam der SPD: Thomas Schäfer, Peter Keller, Franciska Wolf, Klaus Christian Stöckel und Elmar Döhler (v.li.).Foto: SPD Eppstein/Ulrich Häfner

Das Spitzenteam der SPD: Thomas Schäfer, Peter Keller, Franciska Wolf, Klaus Christian Stöckel und Elmar Döhler (v.li.).Foto: SPD Eppstein/Ulrich Häfner

Für die SPD begann der Wahlkampf schon vor einigen Monaten. Als erste der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Wählergruppierungen legte sie im September einen Zehn-Punkte-Plan vor.

Jetzt kamen ihre Spitzenkandidaten Klaus Christian Stöckel, Franciska Wolf, Elmar Döhler, Thomas Schäfer und Peter Keller zum Gespräch über ihr Wahlprogramm mit dem Slogan „Zukunft gemeinsam gestalten“ in die Redaktion der Eppsteiner Zeitung. Seit eineinhalb Jahren bereite sich die SPD auf die Kommunalwahl vor, verriet Stöckel, und habe das Gespräch mit den Menschen gesucht – „Mit Erfolg“, sagt Keller und weist auf die vielen neuen und auch jüngeren Gesichter für die Kommunalwahl hin. So gehört beispielsweise die 38-jährige Wirtschaftsingenieurin und Unternehmerin Franciska Wolf, die vor einem Jahr zur SPD kam, zum neuen Spitzenteam.

Wie zu erwarten sieht die SPD in den Finanzen der Stadt „das beherrschende Thema“ und will klare Prioritäten setzen bei Investitionen und Einsparungen. Die Stadt könne weiterhin alle Mittel vom Bürger holen, beispielsweise über Grundsteuer und Gebühren, oder andere Einnahmequellen erschließen wie jetzt über die geplanten Windräder und weitere Flächen für Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen suchen. „Wir müssen langfristige Einnahmequellen erschließen“, so die SPD.

Standortsuche und -klärung mit übergeordneten Behörden gehen der SPD nicht schnell genug voran. Allzu oft seien in der Vergangenheit ihre Vorschläge, wie die Photovoltaik über Parkplätzen, Bahnhöfen oder Freiflächenanlagen verschleppt worden. Zu oft heiße es im Rathaus: „Das geht nicht, das ist zu schwierig“, ohne dass Vorschläge ernsthaft geprüft würden. Das gelte auch für fünffach vorhandene Strukturen wie die Trauerhallen in jedem Stadtteil. Man müsse ja nicht sofort ganze Friedhöfe schließen, sagt Stöckel, wenn man gezielt einspart.

Andererseits hätten Stadt und Mehrheitsfraktionen sehr schnell reagiert, als es um die Neuwahl der Ersten Stadträtin ging: „Wir schätzen Andrea Sehr und stellen ihre Kompetenz nicht in Frage“, betonen die SPD-Vorsitzenden Peter Keller, Klaus Christian Stöckel und Fraktionschef Thomas Schäfer. Dass sie wie Bürgermeister Alexander Simon von der CDU kommt, „stört uns nicht so sehr wie der Zeitpunkt ihrer Wahl vor der Kommunalwahl.“ Das habe schon „ein Geschmäckle“, findet Schäfer. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Neubesetzung und wünschen ihr eine glückliche Hand für ihre neue Aufgabe“, sagt Stöckel, „wir wollten jedoch, dass erst nach Alternativen gesucht würde“.

Für den geplanten Windpark und weitere Energieparks fordert die SPD die Gründung einer Bürgerenergiegesellschaft. Die Vorteile lägen auf der Hand: Mit Hilfe der Bürger erhält die Stadt Geld für Investitionen, dank der Gewinnbeteiligung schwäche sich der Widerstand bei vielen Bürgern gegen Windräder oder Freiflächenphotovoltaik-Anlagen ab.

In Eppstein gebe es sehr viele wohlhabende Einwohner, die für ein gewinnbringendes Projekt große Summen aufbringen könnten, ist SPD-Schatzmeister Döhler überzeugt und weist auf die überdurchschnittlich hohe Kaufkraft der Eppsteiner hin. „Deshalb wollen wir Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien schaffen, die das Vermögen vermehren“, betont Döhler. Vorbilder, wie solche Gesellschaften funktionieren, gebe es auch in Hessen inzwischen genügend, ergänzt Wolf. Der von der SPD organisierte Vortrag der Energiegenossenschaft Starkenburg habe gezeigt, wie gut sich gemeinsame Energieprojekte von Kommunen und Bürgern realisieren lassen. Mit der Energiegenossenschaft Solar-Invest Main-Taunus will die SPD deshalb im Frühjahr eine zweite Veranstaltung über Chancen der regenerativen Energieerzeugung und Bürgerbeteiligung organisieren. Dieses Thema, so die Kandidaten, wolle man jedoch nicht im Wahlkampf verschleißen, sondern parteiübergreifend diskutieren.

Die Erweiterung der Gewerbefläche in Bremthal ist auch aus SPD-Sicht notwendig. Dies müsse bei der Fortschreibung des neuen Regionalen Flächennutzungsplans berücksichtigt werden. Die Digitalisierung im Rathaus koste Geld, sei aber dringend notwendig, zum Beispiel, damit die Verwaltung einen Online-Vorgang nicht länger am Ende als Papierausdruck abheften müsse. Aber auch für künftige interkommunale Zusammenarbeit sei es wichtig mit Hilfe sinnvoller Programme Barrieren abzubauen.

Ein Lob gab es für geplante und installierte Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dächern. Deshalb schmerze es die SPD, dass jetzt noch einmal über 30 000 Euro für die Sanierung des Kit-Daches in Ehlhalten ausgegeben werden. Die Maßnahme sei absehbar gewesen: „Da hätte die Stadt längst ein Konzept erstellen können für die Kita-Erweiterung samt Dämmung, neuem Dach und Photovoltaik-Anlage“, kritisiert Stöckel.

Klimagerechtes und energiesparendes Sanieren städtischer Gebäude, zum Beispiel der Kindergärten, steht deshalb im Programm der SPD. Ebenso die Ortsmitte Vockenhausen, die die SPD gern im Zusammenhang mit dem Areal der leer stehenden Sparkassenakademie „neu denken“ würde.

Weiterhin stehen auf der Agenda der SPD die Verkehrswege in Eppstein, zu denen sie neben den Straßen die Bahnlinie und die Radwege zählt. Für die S-Bahn werden ein Notfallplan und Ersatzzüge in Niedernhausen gefordert, um die Zuverlässigkeit zu verbessern. Statt des Fußweges in Ehlhalten möchte die SPD einen Fußweg vom Wohngebiet Hollergewann zum Niederjosbacher Bahnhof bauen. Der käme vielen Einwohnern zugute.

Der Bolzplatz unterhalb der S-Bahn in Niederjosbach könne zu einem Erlebnisraum für Familien mit Vereinshütte und Holzbänken gestaltet werden. Am kommenden Samstag, 17. Januar, lädt die SPD deshalb um 10 Uhr zu einer Begehung des Geländes ein, um Ideen für kostengünstige Lösungen zu sammeln.

Überhaupt will die SPD zu mehr Mitmachaktionen aufrufen, örtliche Firmen einbinden und Initiativen unterstützen wie die Paten für den Waldlehrpfad oder die Arbeitsgruppe, die den Platz an der Alten Eiche in Bremthal gestalten möchte. Solche Initiativen und auch Straßen- und Nachbarschaftsfeste sollten nicht durch die Administration verhindert, sondern unterstützt werden – zum Beispiel durch die Anschaffung eines Geschirr- oder Straßenfestmobils, das bei Bedarf bei der Verwaltung ausgeliehen werden könnte.bpa

Sie führen die Liste der Eppsteiner SPD an

Der aktuelle Fraktionsvorsitzende Peter Schäfer führt auch die Liste für die Kommunalwahl im März an. Der 69-jährige promovierte Arzt arbeitete viele Jahre als Internist. Er stammt aus Eppstein, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit sieben Jahren ist er im Stadtparlament, seit vier Jahren Fraktionsvorsitzender.

Die 38-jährige Wirtschaftsingenieurin und Unternehmerin Franciska Wolf bezeichnet sich selbst als „Weltenbummlerin“ und hat in Niederjosbach eine Heimat gefunden. Sie ist verheiratet, hat einen dreijährigen Sohn und einen Hund und will sich künftig noch stärker in der Kommunalpolitik engagieren.

Klaus Christian Stöckel ist Diplom-Kaufmann und als Projektleiter beim Fernverkehr der Bahn tätig. Vor sieben Jahren entdeckte er mit seiner Frau ein Grundstück am Waldrand von Niederjosbach. Dort entstand das neue Zuhause der Familie, zu der inzwischen eine dreijährige Tochter gehört. In der Kommunalpolitik ist der 43-Jährige seit fast 30 Jahren aktiv, unter anderem als Stadtverordneter und Parteivorsitzender in Bad Schwalbach.

Peter Keller ist Agrarökonom und schon seit 40 Jahren in Eppstein heimisch, anfangs mit seinen Kindern, inzwischen auch mit Enkeln. Genauso lange ist er in der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und Asien tätig. Der 77-Jährige ist seit Jahrzehnten im Eppsteiner Vereinsleben aktiv und auf Waldwegen, Sport- und Tennisplätzen unterwegs und ist seit 2021 Stadtverordneter der SPD.

Elmar Döhler ist Jurist und Bundesbankdirektor. Der 55-Jährige hat eine erwachsene Tochter und lebt seit zehn Jahren mit seiner Partnerin in Vockenhausen. Seine Promotion verfasste er über öffentliche Finanzen und ist seit einigen Jahren Schatzmeister der Eppsteiner SPD. Er kandidiert auch für den Kreistag. bpa

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