Dachdeckerei Becht verlässt Ehlhalten nach 35 Jahren

An die Landstraße 3011 unterhalb der Zufahrt zum Quellenhofwollte die Dachdeckerei Becht ihren Betrieb auslagern. Foto: J. Palmert

Jahrelang bemühte sich Dachdeckermeister Torsten Becht um eine Ausnahmegenehmigung für die Auslagerung seines Betriebs auf ein Grundstück am Ortsrand Richtung Schloßborn.

Etwa 3000 Quadratmeter Wiese gehören dem Ehlhaltener dort, sie liegen unmittelbar unterhalb des Quellenhofs, dem Aussiedlerhof an der Schloßborner Straße. Ein Antrag der SPD dazu vor knapp einem Jahr im Ehlhaltener Ortsbeirat wurde abgelehnt. Allerdings sprach sich der Ortsbeirat einstimmig dafür aus, dass die Stadt die Bemühungen der Dachdeckerei zur Verlegung des Betriebes an die Schloßborner Straße unterstützen solle, insbesondere bei den Verhandlungen mit Regionalverband und Regierungspräsidium.

Allerdings wies Bürgermeister Alexander Simon schon damals darauf hin, dass solche Ausnahmegenehmigungen im Außenbereich extrem schwierig zu erlangen seien.

Jetzt hat der 41-jährige Dachdeckermeister beschlossen, den Familienbetrieb, den sein Vater Jakob Becht vor 35 Jahren aufgebaut hat, von der dicht bebauten Ehlhaltener Langstraße nach Schloßborn auszulagern.

Er stehe kurz vor Abschluss des Kaufvertrags für ein rund 1500 Quadratmeter großes Gewerbegrundstück, sagte Becht. Dort will er eine 450 Quadratmeter große Halle für Fahrzeuge und Materiallager bauen. Die Familie bleibe in Ehlhalten wohnen, allerdings werde er in Zukunft nicht mehr seinen Laster mal eben für Tannenbaum-Sammelaktion oder für den Transport von Geräten für Vereinsfeste zur Verfügung stellen können. Das gehe dann schon aus zeitlichen Gründen nicht mehr, sagt der Handwerksmeister, mit dessen Sohn jetzt schon die dritte Generation das Dachdeckerhandwerk erlernt hat. Der Betrieb mit sieben Mitarbeitern ist gut ausgelastet

Simon bedauert den Entschluss des Familienbetriebs, Eppstein zu verlassen, aber als Bürgermeister könne er eben nicht über die Gesetze hinweg entscheiden, sagt er mit Blick auf die Kritik der SPD-Fraktion im Ehlhaltener Ortsbeirat (s. S.14). „Da wurde, aus welchen Gründen auch immer, gezögert und hingehalten“, wettern Marion Kütemeyer und Christa Petrich. Weiter werfen die SPD-Frauen dem Bürgermeister vor: „Ein Betrieb, der seit 1987 in Ehlhalten ansässig ist und ein fester Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft, scheint die Anstrengung nicht wert zu sein.“

Diesen Vorwurf will Simon nicht stehen lassen: „Es gab etliche Telefonate, Planungsbüros waren eingeschaltet, wir haben das Unternehmen bei allen Schritten beraten, aber am Ende hat das Regierungspräsidium die deutliche fachliche Einschätzung abgegeben, dass ein Gewerbebetrieb an dieser Stelle nicht möglich ist.“

Schon vor einem Jahr sagte Simon, die Bebauung eines Grundstücks außerhalb der geschlossenen Ortschaft mitten im Regionalen Grünzug sei kompliziert. Um die Genehmigungsfähigkeit dennoch abzuklären, reichte die Stadt im Sommer 2021 eine Landesplanerische Anfrage beim Regierungspräsidium Darmstadt ein. Das RP schätzt die Fläche zwar als geringfügig ein, hat aber dennoch massive naturschutzrechtliche Bedenken. Es handele sich um ein unversiegeltes und hochwertiges Gebiet, mit besonderen Klimafunktionen und seltenen Vogel- und Fledermausarten, heißt es in der Stellungnahme des RP. Es gebe Hinweise auf gesetzlich geschützte Biotope und Biotopkomplexe im gesamten Gebiet. Deshalb rät das RP von dem weiteren Verfahren ab und rät, nach alternativen Standorten für die Betriebsverlagerung zu suchen. Im Oktober legte die Stadt dem Magistrat die Antwort des Regierungspräsidiums vor zur Begründung, warum sie das Bebauungsplanverfahren nicht weiter verfolgen werde.

Becht kritisiert dennoch, dass die Stadt ihn bei diesem Projekt nicht genug unterstützt habe. Denn beim Regierungspräsidium hatte Becht vor gut einem Jahr ebenfalls angefragt. Dort habe man ihm signalisiert, dass der Verband bei einer Fläche unter 10 000 Quadratmetern Ausnahmen für eine Bebauung außerhalb der Ortschaft genehmigen könne.

Laut Simon sei das jedoch ein aufwändiges Verfahren, bei dem viele Behörden gehört und viele Fragen, insbesondere zum Naturschutz, geklärt werden müssten. Die politischen Gremien würden erst im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens gefragt, nicht vorab, insofern verstehe er die Kritik der SPD nicht. In diesem Fall habe die fachliche Einschätzung des RP eindeutig gegen ein Bebauungsplanverfahren gesprochen. bpa

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