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Bäume ohne Genehmigung gefällt

Ein Privatweg führt auf das Baugrundstück am Eppenhainer Weg. Foto: Beate Palmert-Adorff

Aufmerksame Anwohner meldeten sich bei der Eppsteiner Zeitung und berichteten, auf dem Gelände östlich des Eppenhainer Wegs würden Bäume gerodet.

Als wir uns davon überzeugen wollten, ruhten die Arbeiten bereits. Die Stadt wies darauf hin, für aktuelle Bauvorhaben sei der Kreis zuständig. Dort liegt laut Pressesprecher Johannes Latsch kein Bauantrag vor. Auch für die Rodungsarbeiten hatte die Untere Jagd- und Fischereibehörde des MTK keinen Antrag. Weder Stadt, noch Kreis oder Forstamt wussten Bescheid.

Inzwischen ruhen die Rodungsarbeiten. Allerdings erst nachdem schon etwa 50 Bäume gefällt wurden. Aus Sicht des Kreises steht der Rodung des Wäldchens grundsätzlich nichts entgegen. Denn, so Pressesprecher Johannes Latsch: „Solange kein neuer Bebauungsplan in Kraft gesetzt wird, gilt der Plan aus dem Jahr 1974.“ Dieser Plan weist das Gelände als Wohnbaufläche mit sechs Grundstücken aus. Ein Grundstück ist bebaut. Auf der restlichen Fläche ist in den vergangenen 45 Jahren ein stattlicher Wald gewachsen, laut Naturschutzbehörde des MTK, ein wichtiges Refugium für geschützte Vogelarten.

Die Stadt ist gerade dabei den alten Bebauungsplan zu überarbeiten und wollte ursprünglich auch dieses Gebiet östlich des Eppenhainer Wegs neu aufteilen. Sie sah acht Baufenster vor, zum Teil für Doppelhäuser, hat aber bei der Aufstellung des neuen Bebauungsplanes im vorigen Jahr nach Einsprüchen von Forst, Kreis und Umweltschutzorganisationen, diesen Grundstücksstreifen herausgenommen – mit dem Hinweis, der Eigentümer könne bei der Stadt einen eigenen vorhabenbezogenen Antrag für eine Änderung des Bebauungsplans stellen. In diesem Fall trägt der Eigentümer, angeblich eine Fertighausfirma aus Wiesbaden, sämtliche Kosten, beispielsweise für eine Ausgleichs- oder Waldrodungsabgabe. Möglicherweise wollte der Investor mit dem Fällen der Bäume Fakten schaffen, um Kosten für Artenschutzgutachten und Ausgleichsmaßnahme zu vermeiden oder das Grundstück schnell baureif zu bekommen.

Hessenforst, der sich, wie übrigens auch die Untere Naturschutzbehörde des MTK, im laufenden Bebauungsplanverfahren klar gegen eine Rodung der Waldfläche ausgesprochen hat, weist darauf hin, dass das Gebiet rechtlich gesehen eine Waldfläche sei. Selbst, wenn der Bebauungsplan auf dem Gebiet eine Bebauung zulasse, hätte der Investor für die Rodung eine Genehmigung beantragen müssen.

Die Untere Naturschutzbehörde hat laut Latsch inzwischen eine Ortsbesichtigung durchgeführt und kam zur Auffassung, dass die Rodung keine Tiere gefährdet habe, da die Bäume noch vor Beginn der Brutzeit am 1. März gefällt wurden. Die Behörde fordert jedoch, dass ein Gutachter die Belange des Artenschutzes prüfen müsse, da eventuell Ausgleichsmaßnahmen nötig seien.

Nun prüft die Obere Jagdbehörde des Regierungspräsidiums den Vorgang. Ob ein Bußgeld fällig wird, hängt vermutlich davon ab, wie das Regierungspräsidium das Gelände einschätzt. Außerdem wird geprüft, ob eine Walderhaltungsabgabe oder Ausgleichsmaßnahme fällig ist. bpa

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Kommentare

Unfähigkeit oder absichtliche Irreführung?

Als normaler Bürger dieser Stadt ist man doch sehr verwundert. So wird einem suggeriert, dass der Bebauungsplan letztes Jahr abgeändert und das Waldstück östlich des Eppenhainer Weges aus diesem herausgenommen wird. Dies um einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Fauna und Flora zu leisten.

Was passierte dann? Am 4. und 6. März wird das Waldstück in der Brutzeit illegal abgeholzt und es scheint niemanden zu interessieren. Plötzlich heißt es, dass der alte Bebauungsplan doch noch Gültigkeit besitzt. Das Abholzungsdatum wird anders angegeben, keine der Behörden kann oder will klare Auskünfte geben, etc. Und wenn ein Bau sonst nicht verhindert werden kann, so sollte zumindest nichts anderes suggeriert werden.

Da fragt man sich, ob dies Unfähigkeit unserer Lokalpolitik oder absichtliche Irreführung ist. Und was von beidem ist schlimmer....?
Kein Wunder, dass der politikinteressierte Bürger zum POLITIKERVERDROSSENEN wird. Und das auf der kommunalen Ebene, die nah am Bürger sein sollte.

Das viele Grün von Eppstein macht doch gerade den Charme und den hiesigen Lebenswert aus. Will man dies absichtlich opfern?
Statt über eine Walderhaltungsabgabe, sollte über eine Wiederaufforstung gesprochen werden..

F. Frank

"Unsere Umwelt hat keine Lobby !"

Illegale Baumfällung = Umweltfrevel



Wer es immer noch nicht begriffen hat sollte es sich jetzt hinter die Ohren schreiben:



"Unsere Umwelt hat keine Lobby !"



Obwohl es unzählige Untere und Obere Behörden in unserem Bundesland gibt, die sich angeblich um Naturschutz kümmern,
muss sich aus meiner Sicht ein Investor/Bauträger scheinbar keinerlei Gedanken machen, wenn er ohne Genehmigung

schnell mal ein Waldstück "vernichtet".



Wie zahnlose Papiertiger sehen die Behördenleiter aus und schicken jetzt auch noch einen externen Gutachter zu einem "wichtige Refugium für geschützte Vogelarten". Über eine mögliche "Walderhaltungsabgabe" für einen 45 Jahre alten Wald wird dann wohl erst in späteren Jahren ein weiterer Gutachter befinden.......





Mit freundlichen Grüßen,

S. Bachert

Baumfällung Eppenhainer Weg

Guten Abend, die Bäume wurden nicht wie beschrieben vor dem 1.3 gefällt, sondern am 4.3! Am Rosenmontag, also somit zu Beginn der Brutzeit! . Es wurden am Wochenende vorher zwar vereinzelt schon Bäume gefällt, jedoch wurden am 4.3 von morgens bis nachmittags der Großteil der Bäume gefällt. Im Laufe des Vormittags haben wir und andere Nachbarn die Stadt darauf aufmerksam gemacht.

Viele Grüße Johanna Adam

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