Abwasserverband greift Hochwasserschutzpläne wieder auf

Das Deckblatt des Haushaltsplans 2022 des Abwasserverbands Main-Taunus zeigt den Einzugsbereich des Verbands..Quelle: AV MTK

Als großen Erfolg für Eppstein bezeichnet Bürgermeister Alexander Simon die neuen Pläne zum Hochwasserschutz beim Abwasserverband Main-Taunus.

Die seit Jahren ruhenden Pläne für Regenrückhaltebecken im Einzugsgebiet des Schwarzbachs werden nun wieder aufgegriffen und sogar ausgeweitet: Bislang waren drei Regenrückhaltebecken im Raum Eppstein vorgesehen, zwei auf Eppsteiner Gebiet und eines in Niedernhausen: im Amstertal bei Eppstein Richtung Bremthal, eines im Dattenbachtal nördlich von Ehlhalten und eines am Theißbach, ebenfalls ein Zufluss des Schwarzbachs, bei Niedernhausen. Neu aufgenommen wurde ein Regenrückhaltebecken am Rotheberg bei Schloßborn, das Hochwasser im Silberbach auffangen soll. Die Größe der Becken liegt zwischen 21 700 und 220 000 Kubikmeter Rückhaltevolumen. Die Gesamtinvestitionssumme für alle vier Projekte beträgt rund 13,7 Millionen Euro.

Vorrangig sollen die beiden Projekte bei Eppstein und Ehlhalten geplant werden, die nur sinnvoll seien, wenn beide gemeinsam umgesetzt werden, so der Abwasserverband. Das Rückhaltebecken bei Ehlhalten ist mit einem Fassungsvermögen von knapp 22 000 Kubikmetern das kleinste der vier geplanten Becken bei einer Dammhöhe von fünf Metern und Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Das Rückhaltebecken Richtung Bremthal soll einen sieben Meter hohen Damm erhalten, 91 000 Kubikmeter Wasser aufhalten und rund 3,6 Millionen Euro kosten. Dort müssen die Planer die Lage zwischen Bahndamm und Bundesstraße beachten und die Pläne für den Bau eines Radwegs, die gerade erstellt werden. Im nächsten Jahr soll geplant werden, Baubeginn sei für 2024 vorgesehen.

In Ehlhalten gab es vor Jahren Streit um die genaue Lage des Dammes: Der Abwasserverband schlug einen Damm unmittelbar vor Ehlhalten vor, die Eppsteiner Arbeitsgruppe Hochwasser forderte einen breiteren, aber niedrigeren Damm in den Wiesen. Der Damm in Höhe der Häuser sei inzwischen vom Tisch, berichtete Stadtrat Berthold Gruber von der Hochwasser-Arbeitsgruppe. Favorisiert werde ein Damm an der Grenze zum Naturschutzgebiet. Im nächsten Jahr müsse mit Grundstücksbesitzern verhandelt werden. Denn dort gebe es auch private Wiesengrundstücke.

Das größte Rückhaltebecken ist bei Schloßborn vorgesehen bei Kosten in Höhe von knapp 4 Millionen Euro. Mit einem 13 Meter hohen Damm sollen in den Wiesen am Rotheberg bis zu 220 000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden. Den größten Nutzen davon hätte Ehlhalten, wo sich bei Starkregen oder Hochwasser der Silberbach vor der Brücke in der Feldbergstraße anstaut und Keller und Garagen überflutet.

Noch stärker dürfte sich das Wasser stauen, wenn in Schloßborn ein neues Baugebiet im Einzugsgebiet des Baches erschlossen wird. Deshalb hatte Gruber ein Rückhaltebecken am Silberbach ins Gespräch gebracht. Den Rotheberg hält der Abwasserverband für den besten Standort. Der Bau stehe in der Priorität an zweiter Stelle, sagte Gruber.

Ein ebenfalls in die Prüfung einbezogenes Rückhaltebecken am Josbach, in den Wiesen oberhalb Niederjosbachs, fällt nicht unter die Priorisierung, da es laut Abwasserverband lediglich lokale Bedeutung habe und sich, anders als die anderen Becken, nicht auf den Wasserstand am Unterlauf auswirke. „Das bedeutet aber nicht, dass wir untätig sind“, betont Gruber. Statt eines großen Beckens werden etliche kleinere Versickerungsgruben angelegt. Außerdem sei man im Gespräch mit Oberjosbach, das als Oberlieger mit verantwortlich sei, wenn sich Hochwasser am Josbach bilde.

Alexander Simon ist zuversichtlich, dass die Hochwasserpläne diesmal realisiert werden. Die Förderbedingungen des Landes seien verändert worden. Bislang, so der Bürgermeister, wurden vor allem große „Leuchtturmprojekte“ zum Schutz vor Jahrhunderthochwassern (HQ100) vom Land gefördert. Nun sehen die Förderrichtlinien auch Zuschüsse für mehrere kleinere Maßnahmen vor, solange die Rückhaltewirkung am gesamten Bachlauf messbar sei, „auch für Hochwasser, wie sie inzwischen schon alle 20 Jahre auftreten“, sagt Simon.

Dafür stellt das Land eine Förderung von mindestens 40 Prozent in Aussicht. Dennoch warnt er vor allzu großen Erwartungen in die Technik: Der Hochwasserschutz schütze zwar vor Hochwasser, das allmählich ansteigt, aber nicht vor Starkregenereignissen, wie sie immer häufiger an nicht vorhersehbaren Stellen zu Überschwemmungen führten. Davor gebe es keinen absoluten Schutz, betont Simon. Große Hoffnungen setzen er und Gruber allerdings auf die neuen Fließpfadkarten, die für Eppstein voraussichtlich im Frühjahr vorliegen. Sie sollen bei der Suche nach kleinen, lokalen Lösungen helfen. bpa

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