Waldvögel im Wettstreit mit den Künstlern des Klavierfests

Kammermusik im Freien – das französische Programm am Samstag hatte es in sich. Die Künstler genossen ihren ersten öffentlichen Auftritt nach langer Konzertpause. Foto: Ulrich Häfner

Ins Freie zog es im elften Jahr das Eppsteiner Klavierfest – und die Fans scheuten nicht den steilen Aufstieg ans Ende der Mendelssohnstraße, weder drohende Regenwolken noch kühle Temperaturen hielten sie ab, die sechs Konzertabende mit hochkarätigen Künstlern zu erleben.

„Jedes Konzert hat seine Besonderheit und ist beeindruckend“, beschreibt ein Gast, der mehrere Konzerte besuchte. Mehr als 400 kamen von Dreieich bis Königstein, aus Hofheim und Niedernhausen, um die besonderen Konzerte zu erleben.

Unter einem Wolkenverhangenen Himmel, mit Beigeräuschen von Vogelgezwitscher und Waldesrauschen startete am vergangenen Donnerstag der erste Abend des Eppsteiner Klavierfestes. Die etwa 40 Zuhörer im Hof der Berufsgenossenschaftlichen Bildungsstätte hoch über der Altstadt genossen dennoch „das Geschenk eines anspruchsvollen Open-Air-Konzertes nach langer Durststrecke“, freute sich Pfarrerin Heike Schuffenhauer. Und auch die Künstler beim großen Beethoven-Abend mit Anna Victoria Tyshayeva und Professor Grigori Gruzman am Klavier und dem Geiger Michel Gershwin fanden es „einfach wunderbar, nach eineinhalb Jahren Abstinenz wieder für ,echtes Publikum’ spielen zu dürfen“, führte Gruzman aus. Dank der Förderung des Programms „Ins Freie!“ des Landes Hessen und des interationalen Konzertbüros Diehl+Ritter wurde das Pianofestival ermöglicht.

Der Yamaha C6-Konzertflügel war vor der Halle auf dem BG-Gelände platziert worden und spiegelte die Wolken auf der polierten Oberfläche. Im Zusammenspiel von Klavier und Violine bei Beethovens Sonate in D-Dur, opus 12 Nr. 1, mussten die Zuhörer die Ohren spitzen, um die zarten Geigentöne von Michel Gershwin zu hören. Da vermisste mancher die hervorragende Akustik der Talkirche, dem angestammten Spielort des Klavierfestes. Aber viele konzentrierten sich mit geschlossenen Augen auf die Musik und genossen das professionelle Zusammenspiel der Künstler und die wunderbare Musik. Bei der Sonate Pathétique, opus 13 in c-Moll, einem Meilenstein der Klavierspielkunst, schienen die Vögel am nahen Waldrand in einen Wettstreit mit dem hervorragenden Pianisten Grigori Gruzman treten zu wollen, dessen Frackschöße im Wind wehten.

Das 11. Eppsteiner Klavierfest war ein besonderes Konzertvergnügen, wegen der äußeren Umstände und der glücklichen, hochmotivierten und brillanten Künstler. Am Freitagabend beim „Mehrgenerationen-Konzert“ spielten Lehrer und Schüler des Erlanger Musikinstitutes mit Anna Tyshayeva und Michel Gershwin ein vielseitiges kammermusikalisches Programm mit Werken von Bach, Schumann, Mozart, Beethoven, Brahms und Paderewski und die Stuhlreihen füllten sich.

Am sommerlichen Samstagabend bei „Bonjour Paris“ mit Werken ausschließlich französischer Komponisten waren alle Plätze besetzt und der Beifall für die fünf Musiker ausdauernd. Die Geiger Michel Gershwin und Dimiter Ivanov, zwei Stammgäste beim Klavierfest, und Pianistin Anna Tyshayeva wurden von der Cellistin Ursula Lauer und Bratschist Mathias Bild verstärkt und begeisterten das Publikum mit Ausschnitten aus „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns, Frédéric Chopins Nocturne und Fantasie-Impromtu in cis-Moll, der Konzertrhapsodie „Tzigane“ von Maurice Ravel und dem Klavierquintett f-Moll von César Franck.

Auf Mendelssohns Spuren in Eppstein konnten die Zuhörer am Sonntagabend wandeln mit dem Pianisten-Duo Anna und Ines Walachowski, Artur Podlesniy an der Violine und Anna Tyshayeva, die einen „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführten. Der trübe Tag hellte sich passend zum Programm des Abends auf und lockte wieder zahlreiche Fans an.

Zur Serata Italiana am Montagabend gesellten sich zur unermüdlichen Organisatorin Anna Tyshayeva, die an allen Abenden selbst in die Tasten griff, das Klavierduo Chiara Nicora und Ferdinando Baroffio, die Flötistin Olga Schaflinskaja und Violinist Ferdinand Pastorek und unterhielten die Gäste mit bekannten Opernmelodien. Vielleicht trug diese Heiterkeit der Musik dazu bei, dass die Zuhörer trotz einsetzenden Regens bis zum Ende ausharrten – den Künstlern war es ein Extra-Applaus für ihr Publikum wert.

Ein Wiedersehen gab es am Dienstag, dem letzten Abend des Klavierfestivals, mit dem Klarinettisten Roman Kuperschmidt, Georg Mundrov und Michael Makarov, die gemeinsam mit Anna Tyshayeva einen Bogen von Klassik bis Klezmer schlugen und einen herzlichen Dialog zum Publikum knüpften.

Einen großen Dank richten die Organisatoren an das Team des BG-Schulungszentrums, die jeden Tag Stühle auf- und abbauten und den wertvollen Instrumenten einen sicheren Unterschlupf boten. Bis zum letzten Abend hatte sich auch herumgesprochen, dass sich die Konzertfreude auf der Terrasse der Weinstube der Einrichtung gut ausklingen ließ.jp

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