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Saxdays: Konzerte der Extraklasse mit anspruchsvollen Dozenten

Ralph Schmidt (mitte) und Oli Bott am Vibraphon mit der Big Band beim Eröffnungskonzert am Freitagabend. Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Energiegeladen und mit viel Inspiration starteten vergangenen Freitagabend die 14. Saxdays mit dem Konzert der Schirn Big Band mit den Saxdays-Dozenten in der Aula der Freiherr-von-Stein-Schule.

Die Schirn Big Band der Musikschule Frankfurt spielte zum letzten Mal unter der Leitung von Ralph Schmidt, denn seit Januar ist der Eppsteiner im Ruhestand.

Noch im vergangenen November war die Zukunft der Schirn Big Band ungewiss. „Wir hatten schon einen Notfallplan für den Auftritt bei den Saxdays. Doch zum Glück übernahm Gernot Dechert die Big Band“, ließ Schmidt die Zuhörer hinter die Kulissen schauen. Schmidt ist glücklich, „sein Baby“ bei Gernot Dechert in sehr guten Händen zu wissen. Trotzdem genoss er es am Freitagabend sichtlich, mal wieder selbst, den Ton anzugeben.

Ralph Schmidt hat in seiner Karriere viel bewegt, jugendliche Musiker gefördert und bei ihnen die Liebe zur Musik, speziell zum Jazz geweckt. Einer seiner Schüler ist der international bekannte Vibraphon-Virtuose Oli Bott. „Ralph hat mir Jazz beigebracht. Er öffnete mir Türen, gab mir Gelegenheit zu experimentieren, fand Bands, in denen ich spielen konnte“, würdigte der ehemalige Eppsteiner Oli Bott den scheidenden Bandleader. Sowohl der alte als auch der neue Leiter seien tolle, authentische Typen, die Musiker begeistern und mitreißen könnten.

Das hohe Niveau der Big Band habe viel mit Ralphs Offenheit zu tun, der stets Gast-Bandleader eingeladen habe. Deshalb beherrsche die Band heute unterschiedliche Stile des Jazz, über Latin, Salsa bis hin zu Filmmusik, urteilte Bott. Einige Bandmitglieder traten als Solisten auf, genau wie die Dozenten der Saxdays-Workshops David Beecroft, Kurt Klose, Christoph Spendel und Leandro Saint-Hill, Ralph Schmidt und Gernot Dechert. Zu hören waren unter anderem Stücke von Kurt Klose, von der Berliner Komponistin Maria Baptist und von Oli Bott, der kurzentschlossen die Band mit seinem Vibraphon begleitete. Dechert übernahm am Freitag für drei Stücke die Leitung der Band. Inspiriert von New York und dessen energiegeladener Musik-Szene nutzte er die vielfältigen Ressourcen einer Big Band und schraubte das Tempo gewaltig nach oben.

Eine weitere Staffelstab-Übergabe kündigt sich bei den Organisatoren der Saxdays an. Niklas Manthey und Georg Mezler übernahmen von Martha und Dieter Hielscher die Aufgaben rund um die Saxdays. „Es sind große Fußstapfen, in die wir erst noch hineinwachsen müssen“, würdigte Manthey die Arbeit des Ehepaars Hielscher. Auf ihre Erfahrung möchte er gerne noch lange zurückgreifen.

Wenn die Kulturkreis-Mitglieder Ende April zustimmen, übernimmt das Duo die Sparte Musik komplett und verjüngt damit den Verein. Die neuen Organisatoren wollen ein rund 20 Jahre jüngeres Publikum erreichen, erklärte Manthey. Derweil beendete Schmidt das Konzert am Freitag mit der James Bond-Filmmusik Skyfall. „This is the end“, sang Tina Winsi.

Doch Schmidt ist mit seinen Aktivitäten keinesfalls am Ende. Sein Ruhestand gebe ihm mehr Zeit für neue Projekte. Zunächst wolle er als Strandmusiker in Marbella auftreten, dort kleine Gicks in den Kneipen spielen und zudem seine Workshops weiterführen. Eine neue Big Band hat er mit Hilfe einer seiner Schülerinnen bereits auf die Beine gestellt. Ein weiteres Projekt ist die Gruppe Reset, bestehend aus Gitarrist Stefan Kowollik, Vibraphonist Oli Bott und Saxophonist Ralph Schmidt selbst.

Der Verein „Main-Taunus Jazzaktiv“ organisierte für Samstagabend im Rahmen der Saxdays einen Auftritt von Reset im Konzertsaal der Musikschule. Als erstes erklang Content Eins, geschrieben von Oli Bott. Dies sei ein Wortspiel, denn das englische Wort Content könne sowohl für „Inhalt“ als auch für „zufrieden“ stehen – Er sei mit dem Inhalt zufrieden, sagte der Musiker. Er habe die minimalistischen Ideen bewusst offen für Improvisation gelassen. Die drei Musiker zauberten aus diesen Ideen einen intensiven Dialog der Instrumente. Derweil tauchten die Zuhörer in ihre eigene Traumwelt ein, lauschten den hauchfeinen, im Pianissimo gespielten Passagen, um gleich darauf im Strudel des fulminanten Fortissimo mitgerissen zu werden.

Content Drei von Oli Bott war inspiriert von einer türkischen Hochzeit. Den jazzigen Walzer „Tanze Dein Leben“ hatte Bott für ein befreundetes Brautpaar geschrieben. Von der festlichen Freude wechselte es nahtlos in rumänische Deuna, vergleichbar mit dem Klagelied der Folkore, dem amerikanischen Blues oder dem Lamento der Klassik. Die Musik von Reset lud zum aktiven Zuhören ein. Wer sich darauf einließ, den riss sie mit und schenkte musikalische Glücksgefühle.

Am Sonntag gingen drei Tage Spaß am gemeinsamen Musizieren, Swingen, Grooven und Experimentieren mit dem Abschlusskonzert in der Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule zu Ende. Alle fünf Dozenten traten mit ihrer Workshopgruppe auf. Den Anfang machte Ralph Schmidt. Sein Schwerpunkt lag auf Rock und Bossa. Die Gruppe hatte er wie eine Big Band aufgestellt, besetzte aber alle Stimmen mit Saxophonen, unterstützt von der Rhythmusgruppe, Christoph Spendel am Klavier und Sängerin Amra Mothes.

Gernot Dechert legte den Schwerpunkt auf anspruchsvollen Groove und lobte die gute Vorbereitung seiner Teilnehmer, die ihre schwierigen Aufgaben hervorragend gelöst hätten. Der Kanadier David Beecroft gab jedem Teilnehmer die Gelegenheit für ein Solo. Bei ihm stand die Melodie im Vordergrund. Der Kubaner Leandros Saint-Hill versprühte mit seinem Team die geballte Lebensfreude des Salsa. In diesem Stil hatte auch Kurt Klose mit der Schirn Big Band geübt. Die Big Band hatte an diesem intensiven Wochenende mit Ralph Schmidt, Gernot Dechert und Kurt Klose gleich drei Bandleader, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Die Teilnehmer der Saxdays lobten die perfekte Organisation, die aufmerksame Betreuung durch den Kulturkreis und die anspruchsvollen Dozenten. Zur Erfolgsbilanz gehören rund 60 glückliche Workshopteilnehmer, fünf Dozenten, drei Konzerte der Extraklasse, zwei gelungene Nachfolge-Regelungen. Auf die 15. Saxdays darf man gespannt sein.ffg

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