Sänger in St. Michael mit stehenden Ovationen gefeiert

Die Sänger des Vereins Sängerlust Niederjosbach (mit Krawatten) und des Vokalensembles Intermezzo boten ein vielseitiges Konzert zugunsten der Ukraine-Hilfe. Foto: Uta Kindermann

Vergangenen Samstag verdunkelten Regenwolken den Innenraum der Niederjosbacher St. Michael-Kirche, während der Gesangverein Sängerlust und Vokalensemble Intermezzo sich für das Benefizkonzert einsangen.

Mit dem fünften Glockenschlag flutete Sonne die hohen Kirchenfenster und beleuchtete die gut zur Hälfte besetzten Kirchenbänke und den Blumenstrauß auf dem Altar – dort, wo im November die Gregorian Voices, acht ukrainische Sänger, ein unvergessliches Konzert gaben. Das Konzert am vergangenen Sonntag sollte ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine setzen und Spenden für das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe „ZDF Nothilfe Ukraine“ einbringen.

Der Männergesangverein„Sängerlust“ unter Dirigent Ulrich Stoll wurde verstärkt vom Vokalensemble Intermezzo, einem Ableger des bekannten ZDF-Chors mit Franz-Jürgen Dieter an der Orgel, am Keyboard und am Dirigierpult. Durch das Konzert führte mit viel Charisma der Vokalensemblesänger Erhard Köhler. Eloquent ging er auf die Stationen der Konzertreise ein, die sich von geistlicher Musik über Weltmusik, Gospel und Volkslied erstreckte.

Schon mit dem ersten Ton der Orgel agierten Sängerlust und Vokalensemble wie ein gemeinsamer Klangkörper. Die Sänger, weißhaarig und in schwarzen Anzügen, strahlten selbstbewusst, lächelten dem Publikum zu, folgten hochkonzentriert dem Takt ihres Dirigenten Ulrich Stoll, der mit seinem Wollschal in den Farben Deutschlands und der Ukraine zu keinem Zeitpunkt den Gedanken an die Hilfe für die Ukraine vergessen ließ.

Beim geistigen Hymnus zu Beginn des Konzerts überzeugten die Sänger mit einer zuverlässigen, souveränen Basslinie innerhalb des Gesamtklangs der Stimmgruppen und die Tenöre mit ihrem schönen Klang in der Höhe. Beim „Im Abendrot“ von Franz Schubert, begleitet von Franz-Jürgen Dieter am Keyboard, entfaltete das Tasteninstrument eine lyrische Komponente und schuf ein melodiöses Bett, in das sich die Männerstimmen mit plastischer Fülle ausbreiteten. Sie malten das „O, wie schön ist deine Welt, Vater“ an die weißgetünchten Kirchenwände. Die Schlusszeile „Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht“, bewegte die Menschen in den Bänken sichtlich.

Bei Schuberts „Heidenröslein“ faszinierten die unaufgeregte, klare Diktion und die schlanke Artikulation des Chores, wohlig ist sein Timbre in der Tiefe und elegant in der Höhe. Franz-Jürgen Dieter und Ulrich Stoll wechselten sich ab, loteten die Fallhöhen ihrer Dirigierkunst gekonnt aus. „Jungs, schaut zu mir“, besagten ihre Gesten, sie sind als Dirigenten Schöpfer der Klangfacetten, geben Tempi und Einsätze vor.

Tenorsolist Karl-Heinz Blößer vom Vokalensemble Intermezzo berührte mit dem „Ave Maria“ von Schubert. Seine Stimme, die fast wie warmes Silber fließt, entfaltete eine behütende Zärtlichkeit, als würde er die Melodie an der Krippe des schlafenden Kindes singen. Behutsam nahm er die Kraft zurück und erzeugte damit eine ungeheure Intensität. Gestützt wurde der Tenor dabei vom Chor, der es vermochte, gesanglich in den Hintergrund zu treten.

Eine magische Sekunde der Stille folgte, das Publikum in sich gekehrt, bis es dankbar applaudierte. Auch beim Hymnus „Panis Angelicus“ harmonisierten Tenöre und Bässe meisterhaft. So gelang auch als musikalisches Gesamtkunstwerk das Lied „Jerusalem“, mit dem Solisten Edgar Ott. Seine natürliche, souverän strahlende Stimme bewegte sich dynamisch durch die etwas schnelleren Tempi. Beim Gospel „Oh happy day“, angeführt vom Solisten Frank Rothgerber, der mit seiner flexiblen, zwischen Tenorhöhe und Baritontiefe ausgeloteten Stimme, sympathischen Charme und eine Menge Soul verbreitete, konnten sich auch seine Chorkollegen ein Lächeln nicht verkneifen. Stehende Ovationen waren die Folge. Das Publikum klatschte aufrichtig, die Botschaft der Sänger „Rock my Soul“ kam an.

Ein Sammelkorb für das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe „ZDF Nothilfe Ukraine“ wurde herumgereicht. Als eindringliche Zugabe erklangen Brahms „Guten Abend, gut’ Nacht“ und die schottische Volksweise „Ein schöner Tag zu Ende geht“, und mit deren Zeile „Wir wollen Freunde sein“, ergeht eine Botschaft: Wenn die Waffen schweigen, hört man sie, die unterschiedlichen Lieder der Welt. uki

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