… kündigte Bürgermeister Alexander Simon am vergangenen Freitagabend auf Burg Eppstein den Kabarettisten mit seinem Programm „60 ist das neue 40“ an. Der 64-Jährige Capitoni sei zum Glück nicht so bröselig wie die 65 Jahre alte, jetzt abgerissene Fußgängerbrücke. Und zum Beweis versprühte der schwäbische Deutsch-Italiener gleich ganz viel Energie, als er mit Musik und Trommelwirbel auf die Bühne kam. Bereits mit seiner ganz speziellen Vorstellungsrunde setzte er seine kabarettistischen Duftmarken. Ihm, als italienischen Schwaben, schlügen zwei gegensätzliche Seelen in der Brust, er fühle sich wie ein Veganer im Schlachthof. Sein Pass sei Deutsch, sein Denken Schwäbisch, aber vom Bauchnabel abwärts sei er 100% Italiener. In allen Facetten zog sich die untere Körperhälfte wie ein Roter Faden durch das weitere Programm, ausgelöstes Kopfkino und Pointen wurden von den meisten Gästen mit schallendem Gelächter belohnt.
„Das bisschen unter der Gürtelline muss man schon abkönnen, doch uns gefällt es insgesamt ganz großartig. Vor allem seine Mimik, die originellen Sprüche, das Schwäbische Element und sein Spiel mit den Vorstellungen, die man von einem schwäbischen Italiener haben könnte. Und manchmal erkennt man sich auch selbst wieder“, meinten Reinhard und Gabi Hess aus Bremthal. Auch Alexander Furtwängler aus Fischbach war begeistert: „Ich mag diese Art Humor, diese Spontanität und sein Spiel mit dem Publikum“.
Denn Capitoni versprühte Lebensfreude und verblüffte mit unglaublichem Mienenspiel. „Leb dein Leben jetzt, sorge für schnelle Erfolgserlebnisse, und wenn du stirbst, dann mit viel piffpaffpuff“, hatte ihm sein Onkel Luigi geraten und prompt ergatterte sich Capitoni stehende Ovationen, indem er das Publikum zum Sport animierte, um es anschließend in die Pause zu schicken. „Sucht euch Sachen, wo ihr schnell bejubelt werdet“ riet er dem Publikum und stellte seinen Beifall spendenden Papierkorb vor. Jedes Papierbällchen sorge für ein Fest für seine Seele. Ähnlich bejubele ihn sein Schrittzähler, das sei alles eine Frage des eingestellten Limits. Seinen Onkel Luigi holte Capitoni pantomimisch immer mal wieder mit auf die Bühne. Mit ihm sollte man sich gut stellen, denn im Zorn verpasst er seinem Gegenüber Betonschuhe und geht mit ihm Baden im See. Onkel Luigi ist das Alter egal, weil das Erwachsenwerden nur optional sei. Er verriet seinem Neffen, wie man weiterhin viel Spaß haben könne. Mit Lachtränen in den Augen folgte das Publikum dann den Ausflügen in den Supermarkt und anderen Tipps für Späße. Doch auch das Alter geht nicht spurlos an dem Protagonisten vorbei. Merken würde er es nicht nur vor dem Spiegel, sondern auch an der Art Spam-E-Mails. Während früher die Angebote an verlockender, käuflich williger Weiblichkeit dominierten, habe sich der Fokus mittlerweile auf Treppenlift und Inkontinenzprodukte verlagert. Auch die Hierarchie in der Familie müsse immer wieder verteidigt werden. Früher sei er die Nummer eins in der Familie gewesen, hinter seiner Frau natürlich. Den schwelenden Kampf mit seiner Tochter um die Rangordnung gewann er auf echte Capitoni Art. Väter können ja so peinlich sein! Der kleine Rundgang durch die Folgen des Älterwerdens zog sich durch noch viele Lebensbereiche und endete mit originellen Neubesetzungen bekannter Filme wie „Star Wars“ und „Titanic“. Nach den Zugaben verließen rund 200 Besucher mit breitem Grinsen die Burg, das Lachen war zurückgekommen nach Eppstein.ffg


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