Ohren und Augen auf! Klavierfest gestartet

Virtuoser Auftakt des Eppsteiner Klavierfestes im Landratsamt mit dem Franck Piano Quintett (v.l.) – Pianistin Anna Tyshayeva, den Geigern Michel Gershwin und Igor Mishurisman, Laurent Tardat (Bratsche) und Dmitrij Gornowskij (Cello).Foto: Julia Palmert

Unbekanntes Armenien – Ein Staat im Kaukasus, zwischen Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten, Iran im Süden und der Türkei im Westen. Am Übergang von Orient zu Okzident. Eine der frühesten christlichen Kulturen.

Immer wieder Ziel großer Eroberer: Alexander der Große, die Perser, die Römer, die Türkei, die Sowjetunion. Armenien ist aber auch ein Land der Musik. Mit für Europäer fremden Untertönen, aber auch mit eingängigen Evergreens wie dem berühmten Säbeltanz aus dem Ballett „Gayaneh“ des armenischen Komponisten Aram Khatschaturjan.

Ein Hauch von Exotik, gemixt mit Klassikern des Abendlands wie Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms oder Franz Schubert. Dazu eine Prise französischen Esprit – so geht das Eppsteiner Klavierfest in sein zwölftes Jahr. Diesmal wieder in der Talkirche mit ihrer idealen Akustik für kleinen Flügel und Kammermusik. Wobei Kammermusik hier nicht bedeutet Hausmusik für leise Instrumente.

Die Bandbreite der dargebotenen Kompositionen reicht von Georg Friedrich Händels Barock bis zu Maurice Ravels kolossalem Orchester-Tanz „La Valse“ (Der Walzer) – dargeboten von Professor Wolfgang Manz und der chinesischen Pianistin Yaxiang You am 22. Mai um 18 Uhr.

Begonnen hat das zwölfte Klavierfest bereits am Wochenende im Plenarsaal des Landratsamtes in Hofheim. Gut 80 Zuhörer genossen Musik des französischen Romantikers César Franck sowie seiner Zeitgenossen Gabriel Fauré und Camille Saint-Saëns – gespielt von der künstlerischen Leiterin Anna Tyshayeva am Klavier und dem „Franck Piano Quintett“.

Der zweite Konzert-Block des diesjährigen Festivals beginnt am 19. Mai um 18 Uhr mit einem Konzert des italienischen Pianisten Alberto Lodoletti. Auf dem Programm stehen Beethovens Sonate „Pathetique“, Robert Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ sowie Franz Liszts „Ungarische Rhapsodie Nr 2“.

Am 20. Mai (18 Uhr) stellt Anna Tyshayeva einige Schüler ihrer Klavierklasse am Erlanger Musikinstitut vor mit einem bunten Programm für Klavier solo oder in Begleitung des Cellisten Tilmann Stiehler.

Ohren und Augen auf! – dann am Samstag (21. Mai) um 18 Uhr, wenn das Neuberin-Trio mit den Armeniern Sarah (Klavier) und Artashes (Violine) Stamboltsyan mit dem Cellisten Peter Manz „Armenische Impressionen“ spielt, untermalt von Bildern aus Armenien, die auf eine Leinwand in der Kirche projiziert werden: Landschaften mit gewaltigen Bergen, grünen Tälern, Kulturdenkmälern aus Stein und berühmte Armenier. Der legendäre französische Chansonnier Charles Aznavour und die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Cher (mit bürgerlichem Namen Cherilyn Sarkisian) haben armenische Wurzeln.

Keine Angst vor neuen Tönen! Der Komponist Arno Babajanyan (gestorben 1983) war zu Lebzeiten ein begnadeter Klaviervirtuose. Sein Trio fällt zwar in eine Zeit, als er sich von den Einflüssen der Volksmusik seiner Heimat etwas löste und einer freieren Tonalität zustrebte. Doch stilistisch bleibt sein musikalisches Leitbild der berühmteste armenische Komponist, Aram Khatschaturjan (gestorben 1978). Von ihm ist das „Lied-Poem“ zu hören. Und auch Alexander Harutjunyan (gestorben 2012) zählt zum sogenannten armenischen Klassizismus. Die orientalische Ästhetik der armenischen, sowie die eher strenge Gesetzmäßigkeit der europäischen Musik machen dieses Konzert zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Der dritte Konzert-Block vom 26. bis 28. Mai widmet sich weitgehend deutscher Musik von Johann Sebastian Bach bis Johannes Brahms. Ein wenig Neugierde schadet also nicht und öffnet den Horizont.

Das Gala-Konzert am Donnerstag, 26. Mai, mit dem Franck Piano Quintett und zwei Ehrengästen bietet zwei Klavierkonzerte von Bach (f-Moll und d-Moll) mit Anna Vixtoria Tyshayeva und Eloisa Cascio als Solistinnen und Arien von Mozart, Purcell und Pergolesi, die von der seit März in Mainz lebenden ukrainischen Sopranistin Olga Shvydka zusammen mit dem Quintett dargeboten werden. 

Die polnische Pianistin Joanna Trzeciak spielt neben Variationen aus Glucks Oper „Armide“ von Johann Nepomuk Hummel (gestorben 1837) Beethovens späte Klaviersonate Nr. 30. Die drittletzte, die in ihrer Sanglichkeit an manchen Stellen scheinbar bereits Frederic Chopin vorausahnt. Der große Pole und Klavier-Revolutionär ist auch der einzige „Fremde“, der nicht zur deutschen Klassik gezählt wird. Seine vier Mazurkas Opus 68 beschließen das Freitagskonzert am 27. Mai (ab 18 Uhr).

Bevor es dann zum Abschluss des diesjährigen Klavierfests noch einmal auf einsame Gipfel geht: Klavier-Trios von Schubert und Brahms mit Michel Gershwin (Violine), Dimitrij Gornowskij (Cello) und Anna Tyshayeva am Klavier – das sollte man sich nicht entgehen lassen! Eintritt wie immer frei, um angemessene Spenden wird jedoch dringend gebeten.         rp

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