Faltung und Verflechtung am Skulpturenweg

Christel Steier und Johannes Bierling beim Holzbildhauersymposium im vorigen September. Fotos: B. Schuchard-Palmert/ Ulrich Häfner

Das rege Treiben auf dem Holzlagerplatz der Firma Baumdienste im vergangenen September, der Duft frischer Sägespäne vermengt mit kompostiertem Grünschnitt sind vielen noch ebenso lebhaft in Erinnerung, wie das Konzert der Kettensägen und die vielen Gespräche: Acht Holzbildhauer aus dem ganzen Land, die am 8. Holzbildhauer-Symposium unter dem Titel „Zeitzeuge Holz“ teilnahmen, verwandelten das Holz ihrer Wahl binnen einer Woche zu eindrucksvollen Kunstwerken.

Einige schufen gleich eine ganze Serie an Skulpturen, wieder andere arbeiteten intensiv und konzentriert an einer einzigen.

Bei der Finissage am 19. September war der Veranstalter, der Kulturkreis Eppstein, am Zug, eine Skulptur für den Skulpturenweg in der Heinrich-Anton-Ickstadt-Anlage im Eppsteiner Stadtteil Bremthal auszusuchen. Die Wahl fiel auf das Werk von Johannes Bierling, das den Titel trägt „Raumfaltung in Eiche 236“. Die Holzbildhauerin Christel Steier zögerte nicht, ihre Skulptur „Verflechtung“ außerdem als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.

Im nächsten Schritt sorgte der Kulturkreis dafür, die Kunstwerke auf dem Skulpturenweg sicher zu installieren. Jetzt werden sie am kommenden Sonntag, 26. Juni, um 16 Uhr feierlich dort offiziell übergeben. Für Getränke ist gesorgt. Die Künstler, die beide aus der Schwarzwaldregion kommen, stellen ihre Werke selbst der Öffentlichkeit vor.

Johannes Bierling reist aus Freiburg an. Dort arbeitet er mit Holz und mit Metall. Nach seiner Ausbildung als Holzbildhauer in Oberammergau sowie als Steinmetz in Freiburg schloss er ein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe an. Bevor er sich als freischaffender Bildhauer niederließ, war er in London an der St. Martin School of Art tätig. Bierling bearbeitet das Holz, indem er den Stamm (Mantel) nach innen hinein öffnet. Er schafft Leerräume und Rundungen wohl wissend, dass sich das Auge des Betrachters an Linien und Flächen orientiert und Bewegung aus Rhythmus entsteht.

Über die bloße Formgebung hinaus lässt sich der Künstler von der „Poetik des Raumes“ leiten: „Der Ansatz meiner Kunst kommt aus dem Handwerk, ich bilde nicht ab, sondern die Arbeiten entstehen aus sich heraus.“

Christel Steier lebt und arbeitet im Schwarzwaldstädtchen Bernau. Die 1958 in Genkingen im Kreis Reutlingen geborene Künstlerin studierte an der Hamburger Akademie Malerei. Ihr Interesse an der Räumlichkeit ist der Grund, warum sie sich auch als Bildhauerin betätigt: „Es ist die Herausforderung, die ich mir selbst stelle, wenn ich aus einem schweren Klotz mit der Kettensäge etwas Filigran-leichtes erarbeiten möchte“, erzählte sie.

In der Malerei schaffe man durch Technik und Perspektive die Illusion der Räumlichkeit und beim Skulptieren brauche es die Fähigkeit zum räumlichen Denken.mi

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