Die „Burgis“ sind zurück

Zum Auftakt der Burgfestspiele nach langer Pause übten die Burgschauspieler mit dem Publikum zur Musik „You can leave your hat on“ von Joe Cocker das Applaudieren...Foto: Julia Palmert

Zum Festspielauftakt auf der Burg spielten die Burgschauspieler die rasante Komödie „Madame, es ist angerichtet“

des französischen Autors Marc Camoletti mit allen nur denkbaren Verwicklungen zwischen drei Paaren: Hausherr Bernard (Volker Steuernagel) lädt sehr zur Freude seiner Frau Jaqueline (Linda Kratz) seinen Freund Robert (Dirk Büttner) übers Wochenende ein. Jaqueline ist begeistert, denn Robert ist ihr Geliebter. Das allerdings weiß Bernard nicht, denn er plant, seine eigene Geliebte Brigitte (Katrin Thunig) ebenfalls einzuladen und sie als Roberts Freundin vorzustellen. Robert ist sauer. Die Aussprache der beiden Männer gerät hessisch, deftig und laut und versprach von Beginn an unbändige, wieder freigelassenen Spielfreude der „Burgis“. Steuernagel spielt den Hausherrn wunderbar, als etwas skrupel- und gedankenlose Natur mit genialen Ideen. Büttner kontert als in die Enge getriebener Robert, ebenfalls großartig beim Versuch, aus der Nummer herauszukommen. Denn er steht schlagartig zwischen Freundschaftsdienst für Bernard und der eigenen Geliebten Jaqueline. Sofortige Flucht in Kundentermine erscheint ihm die einzige Möglichkeit. Doch alle seine Ausreden prallen an der Freude von Jaqueline und der Beharrlichkeit von Bernard ab und so nehmen die Ereignisse Fahrt auf.

Viel Eifersucht mit einem Hauch von Schwarzer Narzisse

Jaqueline hat für das Wochenende bei einer Agentur ein Dienstmädchen namens Brigitte (Luise Berger) bestellt. Robert denkt, es sei Bernards Geliebte. Man macht sich bekannt, jeder aus seiner Sicht. Heraus kam eine wunderbar doppeldeutige Konversation hinreißend gespielt, voller Situationskomik.

Als Bernard und Jaqueline von ihren Besorgungen zurückkommen, läuft die scheinbar so brillante Idee des Hausherrn völlig aus dem Ruder. Denn Robert stellt, wie mit Bernard verabredet, diese Brigitte als seine Freundin vor. Bernard ist geschockt, denn die vorgestellte Brigitte ist nicht die seine. Jaqueline hingegen ist gekränkt über ihren vermeintlich untreuen Robert. Bravourös, wie Linda Kratz in der Rolle der eifersüchtigen Jaqueline aufgeht.

Dann kommt aus Paris die zweite Brigitte an, freut sich auf ein tolles Wochenende bei ihrem Geliebten Bernard und wird von Jaqueline als das langersehnte Dienstmädchen begrüßt. So hatte sich die Pariser Schönheit ihren Geburtstag nicht vorgestellt. Katrin Thunig verkörpert Brigitte mit viel Eleganz und Sexappeal. Rasant verwirrt sich die Situation erneut.

Spritzige Dialoge und unglaublicher Spielwitz lassen die Zuschauer kaum zu Atem kommen. Die Schauspieler ernten immer wieder spontanen Szenenapplaus. Als dann noch Fernand (Benjamin Peschke) auftaucht, Gärtner und Ehemann des Dienstmädchens, läuft das Fass über. Er glaubt das Parfum seiner Frau – Schwarze Narzisse – zu riechen und schlägt zu. Mit jeder Faser verkörpert Peschke den verletzten, frisch verheirateten und nun bitter enttäuschten Ehemann. Das Chaos ist perfekt, jeder verdächtigt jeden des Betrugs.

Die Aufführung war wieder eine echte Meisterleistung der Burgschauspieler, denen man die extrem kurze Probenzeit und zahlreichen Hindernisse nie anmerkte. Erst seit 14 Tagen probten sie im Burghof. Spritzig perlte das Stück in atemberaubendem Tempo voran, Souffleurin Bianca Tatzelt wurde kaum gebraucht. Hinter den Kulissen sorgten Tim Reinhard, Tobi Grau und Lucas Kratz für reibungslose Technik. Für die atemberaubend schönen, teils in schrillen Farben gehaltenen Kostüme, sorgten Helga Terzka und Juliane Rödl.

Reiner Hausbalk und seine Frau waren so begeistert, dass sie uns ihre „Stimme aus dem Publikum“ unmittelbar per E-Mail schickten. „Die Burgschauspieler: wie immer ein professionell spielfreudiges Ensemble, das uns jederzeit mitriss. Katrin Thunig war als Brigitte 2 ein Überraschungsmoment, Luise Berger ein echter Hingucker. Unser ganz großes Kompliment geht natürlich an Juliane Rödl, die es in diesen schwierigen Zeiten geschafft hat, einen solch mitreißenden Auftritt der Burgschauspieler zu inszenieren.“

Aber auch die Burgschauspieler bedankten sich bei ihrem geduldigen Publikum, dass diesmal ohne Pause und Bewirtung auskommen musste. Erste Stadträtin Sabine Bergold und Bürgermeister Alexander Simon freuten sich über die Wiederbelebung der Burgfestspiele. Zwar sei das Coronavirus noch nicht verschwunden, aber man habe eine gangbare Lösung gefunden. Im Burghof waren rund 100 Stühle in lockeren Abständen gestellt. Vor Corona gab es bis zu 430 Plätze auf der Burg.

Zur Premiere wagten sich 70 Besucher bei trockenem, angenehm warmem Wetter auf die Burg. Darunter auch Eleonore Seitz, die mit über 90 Jahren das älteste Mitglied der Burgschauspieler ist, sowie Gerda Bimmel als zweitältestes Mitglied. Am Samstag kamen 97 und am Sonntag 71 Gäste. „Unser Lorchen“ war immer die gute Seele der Schauspieler und Gerda ist sicherlich jedem ein Begriff“ begrüßte Juliane Rödl die beiden. Eingefleischte Fans der Schauspieltruppe kennen Gerda Bimmel, die in den vergangenen Jahren häufig mit einer Glocke, der „Bimmel“, die Pause einläutete. Sie spielte in vielen Aufführungen mit und war später hinter den Kulissen unermüdlich.

Zur Premiere war auch Simon Esser, Präsident des Bundes Deutscher Amateur-Theater aus Berlin angereist. Er sammelt auf einer Theaterrundreise Eindrücke und Erfahrungen, welche Konzepte im Zusammenhang mit Corona eingesetzt werden. Der Erzieher und Theaterpädagoge war begeistert, wie „ein Wohnzimmerstück“ mit den Gegebenheiten der Burgkulisse spielte. Es sei insgesamt eine sehr runde Sache, lobte Esser. ffg

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