Barock am Main: Herrlich komisch und ein bisschen tragisch

Szene: „Schluss jetzt“ – Quast als Enkelin Michaela, Großmutter (Susanne Schäfer) und Frau (Ulrike Kienbach). Fotos: Frauke Frerichs-Gundt

„Ja, wie geht mer´s dann?“ war eine der Fragen, die sich „Frau Körner“ alias Susanne Schäfer in einem der fünf Sketche von „Bleiwe losse“ bei der Aufführung des Barock am Main-Ensembles mit Michael Quast stellte.

Eine Frage, die sich auch manch schallend lachender Zuschauer auf der Burg am Ende gestellt haben mag. Denn die vordergründig skurrilen und witzigen Dialoge des 2011 verstorbenen hessischen Mundartdichters Wolfgang Deichsel verpackten ernste und stellenweise traurige Inhalte.

Es war berührend, wie Michael Quast mit seinem Team unter der Regie von Sarah Groß hingebungsvoll und überzeugend die Charaktere der einzelnen Sketche herausarbeitete und geschickt überzeichnete.

Von den sechs Szenen des Gesamtwerkes „Bleiwe losse“ hatte Quast fünf ausgewählt. Die 14 Rollen werden normalerweise von Ulrike Kienbach, Susanne Schäfer und Alexander Beck und Michael Quast gespielt. „Durch den coronabedingten Ausfall von Alexander Beck machen wir eine Hybrid-Veranstaltung aus gelesenen Rollen und gespielten Szenen“, erklärte Quast zu Beginn der Veranstaltung vor gut 210 Besuchern. Es war trotzdem ein Genuss, denn Quast und sein Team überzeugten mit freudigem Spielwitz.

Das Radio des alten Ehepaares Kress läuft nicht mehr, die Steckdose ist defekt. Der junge Elektriker Bubi Menger soll es reparieren. Schließlich kennt das Paar den Vater Menger und hat den kleinen Bubi schon als Kind erlebt. Früher hätte Kress (Michael Quast) solch eine Steckdose selbstverständlich repariert. „Man muss die Lamellen tauschen, die Lamellen sind’s“, diagnostiziert er. Doch heutzutage darf er nichts mehr selbst reparieren. Seine Frau (Susanne Schäfer) will es nicht. Sie fürchtet, er könnte sich bei einem Stromschlag verletzen.

Und tatsächlich versteht Kress die neue Technik nicht. Schwerfällig im Denken und zudem schwerhörig bringt er vieles durcheinander. Dennoch kommentiert und hinterfragt er jede Handlung des jungen Elektrikers und treibt diesen damit auf die Palme. Am Ende sind beide frustriert.

Auch wenn die Rolle des Bubi Menger wegen der Corona Erkrankung von Alexander Beck vorgelesen wurde, waren die Zuspitzung der Situation, die zugespitzten Dialoge und vor allem die Darstellung durch Quast und Schäfer eindringlich und herrlich komisch.

Gleichzeitig war das Publikum berührt vom altersbedingten Kompetenzverlust des betagten Herrn.

Auch beim Sketch „Wie geht mer’s dann?“ spürte man das Traurig-tragische der Situation hinter der komödiantischen Darbietung. Frau Körners Tochter Monika lebt in Amerika. Frau Körner (Susanne Schäfer) hat kein Telefon und wartet deshalb bei ihrem Nachbarn Herrn Sudermann (Michael Quast) auf den Gratulationsanruf von Monika zu ihrem 65. Geburtstag.

Ihre zweite Tochter Elvira (Ulrike Kienbach) wartet mit ihr auf das Telefonat und fragt die Mutter, was sie denn in den geplanten und teuren drei Minuten des Gesprächs sagen wird. Darüber hat sich die Mutter aber noch keine Gedanken gemacht. Elvira schlägt vor, sie solle sagen, wie es ihr geht. „Ja, wie geht mer’s dann?“ grübelt die alte Dame.

Als dann die Verbindung mit USA endlich zustande kommt, sind Elvira und Frau Körner emotional so aufgewühlt, dass sie am Telefon nur noch weinen können. Das ist tragisch, denn das heiß ersehnte Gespräch mit der fernen und schmerzlich vermissten Tochter endet in Sprachlosigkeit und versinkt in Tränen.

Nur der unbeteiligte Nachbar ist in der Lage, mit Monika zu reden. Er richtet am Schluss die Geburtstagsgrüße aus.ffg

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