Die acht Künstler bei Zeitzeuge Holz

Finnassage nach einer Woche Arbeit auf dem Naturholzlagerplatz im Niederjosbacher Daisbachtal. Das Kunstwerk unter dem Titel „Hinauftreiben mit dem Liquiden“ von Angela Hiß aus Düsseldorf wurde 2018 für den Skulpturenweg angekauft. Foto: EZ-Archiv/Helga Mischker

Seit dem Wochenende weisen im Stadtgebiet die auffälligen Stele aus orangefarbener Plane auf einem Holzsockel und dem markanten Aufdruck „Zeitzeuge Holz“ auf das achte Holzbildhauer-Symposium hin.

Die Bildhauerinnen und Bildhauer, die am Symposium vom 12. bis 19. September auf dem Holzlagerplatz in Niederjosbach teilnehmen, wurden von den Teilnehmern des vorigen Symposiums 2018 empfohlen. Die Wahl fiel auf Markus Bäcker (Art-Lilau), Reinhard Osiander, Christel Steier, Ortrud Sturm, Johannes Bierling, Frank Leske, Tanja Röder und Gudrun Schuster. Die ersten vier Künstler haben wir in der vorigen Ausgabe vom 19. August vorgestellt. Heute stellen wir vier weitere vor.

Sie sind auf Kunst im öffentlichen Raum spezialisiert und haben Erfahrung in der Gestaltung von Skulpturenwegen. Das kommt dem Symposium zugute. Denn zum Abschluss wählt der Kulturkreis ein Kunstwerk aus, um es zu kaufen und auf dem Skulpturenweg an der Heinrich-Anton-Ickstadt-Anlage zu installieren.

Darüber hinaus waren die Künstler schon an Bildhauer-Symposien im In- und Ausland beteiligt. Sie sind mit ihrer Kunst so erfolgreich, dass sie ihre Werke regelmäßig in Ausstellungen präsentieren. Ihre Skulpturen befinden sich im Besitz von öffentlichen und privaten Sammlungen. Die Künstler haben insofern einiges gemeinsam, aber jeder ist auch ein „Unikat“: Schöpft aus seinem eigenen Ideengut und bringt sich mit seinen künstlerischen Inspirationen ein. Auf dem Holzbildhauer-Symposium, können Besucher sehen, wie die Bildhauer dem Holz Gestalt und Seele geben. Der Holzlagerplatz ist während des Symposiums an den Werktagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Die künstlerische Erweiterung des Symposiums steht in diesem Jahr unter dem Motto „Holz in Beziehung zu Papier und Pinsel“. Daher wird die japanische Malerin Keiko Kimoto die ganze Woche über in den Eppsteiner Stadtteilen an ausgewählten Plätzen mit Interessierten gemeinsam malen. Einige der Bildhauer wiederum setzen bei ihrer Arbeit das Medium Papier ganz bewusst ein.

Mit Christel Steier – nachgerückt für Beate Debus – nimmt gar eine Malerin am Symposium teil, die mit der Kettensäge so gut umzugehen weiß wie mit Pinsel und Spachtel.mi

Von der Poetik des Raums inspirierte Skulpturen

Seit 1992 betreibt Johannes Bierling sein Atelier in Freiburg. Tür an Tür mit CW. Loth, einem der Teilnehmer des vorigen Symposiums, arbeitet der Künstler in den E-Werk-Hallen an seinen Skulpturen aus Holz und Metall. Nach der Ausbildung als Holzbildhauer in Oberammergau sowie als Steinmetz in Freiburg schloss er ein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe an. Seit seiner Zeit in London an der St. Martin School of Art Mitte der 1980er Jahre ist er als freischaffender Bildhauer tätig. Längere Aufenthalte als „Artist in Residence“ in Kanada, Island und Bolivien liegen hinter ihm. Aus einem Stück Holz schafft er Skulpturen, die an Schleifen und Knoten erinnern.

Er bearbeite das Holz, erklärt der Künstler, indem er den Stamm, den er als Mantel begreift, nach innen hinein öffne. Er schafft Leerräume und Rundungen, wohl wissend, dass sich das Auge des Betrachters an Linien und Flächen orientiert und Bewegung aus Rhythmus entsteht. Seine Spezialität sind Holz-Skulpturen und Grafiken, die in seinen Arbeiten oft eine Symbiose eingehen. Er nennt die Vorgehensweise „Flächenabwicklung“: Der „Mantel“ der Skulptur wird als Flächenraum abgewickelt und in eine geometrische Form gebracht. Skulpturen und die Druckgrafiken mit den aus den Skulpturen entwickelten geometrischen Formen bilden schließlich ein auf einander abgestimmtes Ensemble.

Über die bloße Formgebung hinaus lässt sich der Künstler von der „Poetik des Raumes“ leiten: „Der Ansatz meiner Kunst kommt aus dem Handwerk, ich bilde nicht ab, die Arbeiten entstehen aus sich heraus. Voraussetzung für eine gelungene Skulptur ist eine Qualität im Raum. Wird diese Qualität erfüllt, bin ich glücklich.“mi

Die Flüchtigkeit des Moments begreifen

Gudrun Schuster lebt da, wo sie 1961 geboren wurde: in Neuss. 1993 schloss sie ihr Studium der Bildhauerei bei Ansgar Nierhoff in Mainz an der Johannes-Gutenberg-Universität mit einem Diplom ab. Das Land Rheinland-Pfalz förderte sie mit einem Reisestipendium nach Russland sowie mit einem einjährigen Stipendium. Sie lebte lange in Bad Kreuznach und prägte dort das kulturelle Leben, bevor sie an ihren Geburtsort zurückkehrte.

Ihr Atelier befindet sich auf der gegenüber liegenden Rheinseite in Düsseldorf – in der Stadt, in der auch Joseph Beuys wirkte. Dass Schuster eine Faszination für den 1986 verstorbenen Aktionskünstler hegt, bemerkte Kunstexperte Hans Wernher von Kittlitz 2014: „Bei einem Blick über die Arbeiten der Künstlerin fällt auf, wie breit angelegt, vielgestaltig und experimentierfreudig sie arbeitet, von der tradierten Steinbildhauerei, auch als Kunst am Bau, bis hin zur oft ephemeren Installation und Performance, also Kunstwerken auf Zeit und in der Zeit“.

Sie verwendet verschiedenste Materialien, zum Beispiel Holz, Stein, Gips, Plastik, Wachs, Beton, Styropor. Bei ihrer vorigen Ausstellung in der Kunstvitrine im botanischen Garten in Duisburg-Duissern zeigte sie mit Angela Hiß, einer Teilnehmerin des vorigen Symposiums, ihre Experimente mit Rohwolle, die seit einem Jahr laufen.

Sie arbeite nicht bewusst mit einem Überthema, sondern lasse sich vom Arbeitsprozess, von der Raumsituation, Gegenständen und Materialien leiten, erläutert Schuster. So weist ihr Werk auch ganz unterschiedliche Holz-Skulpturen aus.

Eingeprägt haben sich die Skulpturen aus Totholz in der Form von Pilzen, der „Fruchtkörper“, der an den weiblichen Schoß erinnert, sowie das „Spitzkegelige Kahlköpfchen in der Form eines Phallus. Dennoch lässt sich die Künstlerin von einem Grundgedanken leiten: „Der Humanismus im Wechselspiel mit der Natur wirkt wie eine Klammer in meinem Schaffen. Die Naturverbundenheit, die Flüchtigkeit des Moments, das Glück, der Wandel und die Achtsamkeit sind weitere Beweggründe meiner Arbeit.“mi

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