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Wolfgang Kupfer hat nicht nur eine Meise

Wolfgang Kupfer hat ’ ne Meise – aber eine echte!

Damit hatte Wolfgang Kupfer nicht gerechnet: Dass er mit 68 Jahren noch mal Nachwuchs aufpäppeln würde – und dann gleich acht Zöglinge.

Mitte Mai entdeckten er und seine Frau Reinhilde im Garten ihres Hauses im Zeilring in Niederjosbach ein Vogelnest und freuten sich, dass dort offensichtlich zwei Kohlmeisen brüteten. Dann blieben die Eltern aus. Die Jungen piepten jämmerlich.

Einen ganzen Tag lang warteten die beiden Niederjosbacher ab, ob zumindest einer der beiden Elternvögel zurückkehren würde. Als das Piepsen immer kläglicher wurde, beschlossen sie, sich der Vogelwaisen anzunehmen. Am ersten Abend gab es gekochtes Eiweiß, dann stellten Kupfers auf zartes Rindersteakfleisch und Fliegenmaden um und fütterten rund um die Uhr, viertel- bis halbstündlich.

38mal am Tag zerrupfte er Fleisch in winzige Stückchen oder zupfte Maden mit einer Pinzette aus dem Behälter und stopfte damit hungrige Vogelkehlen. Von den zehn Meisenjungen starb das kleinste und noch komplett nackte Küken schon am ersten Abend, ein weiteres am zweiten Tag. Die anderen hatten schon zarten Flaum, „weil sie früher geschlüpft und schon kräftiger waren“, vermutet Kupfer. Rat holte er sich vom NABU-Kollegen Rainer Rohr. Kupfer kennt ihn, weil er im Auftrag des Naturschutzbundes die Nistkästen im Turm der Niederjosbacher St. Michael-Kirche kontrolliert. Zu seinem Bedauern nisten dort dieses Jahr Dohlen statt Schleiereule oder Turmfalke.

Die Brut im heimischen Garten gedieh und ist inzwischen flügge. Gut vier Wochen lang mussten Kupfers intensiv füttern.

Wegen der Katzen in der Nachbarschaft wagten sie nicht, die Jungen aus den Augen zu lassen. „In dieser Zeit sind wir fast nicht aus dem Haus gegangen“, erinnert sich Ehefrau Reinhilde.

Tagsüber blieben die Jungvögel in einer mit Heu gepolsterten offenen Kiste, nachts bettete Kupfer sie in einem Vogelkäfig, den er mit einem Laken zudeckte. „Dann hatten wir bis zum nächsten Morgen Ruhe“, sagt Kupfer. Ab etwa 7 Uhr wurde wieder gefüttert, bis abends um 20 Uhr. Nach und nach wurden die Jungvögel flügge, flatterten zunächst nur im Käfig und in ihrer Kiste, dann bis zur nächsten Stuhlkante und bald im gesamten Hof. Sobald Kupfer in der Nähe war, landeten sie auf Kopf oder Schulter.

Er baute ein Gestell aus Zweigen auf der Terrasse und stellte ihnen eine flache Schüssel mit Wasser hin, in der sie gern planschten. Zunächst folgten sie noch auf Kupfers Pfiff, und flatterten sofort herbei, beispielsweise wenn es Zeit für den Käfig war. Inzwischen sind sie flügge, kehren aber hin und wieder in seinen Garten zurück. „Wenn ich pfeife, kommen sie nicht mehr, aber sie antworten mir immer noch“, sagt Kupfer und ist froh, dass die Vögel gut in der Freiheit zurechtkommen.bpa

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Kommentare

Information zur Aufzucht von Singvögeln

Als Laie sollte man sich immer die Hilfe einer erfahrenen Wildvogelstation bzw. " Päpplers " holen. Man bekommt die Kleinen zwar, wenn man Glück hat groß, aber die Gefiederschäden durch falsche Ernährung sorgen dafür, daß sie nach einiger Zeit qualvoll sterben, da sie nicht mehr flugfähig sind. Das bekommen die Menschen, die es gut gemeint haben und evtl. auf falsche Ratschläge gehört haben, natürlich nicht mit. Auch ist die Auswilderung alles andere als einfach. Meisen bekommen als empfindliche Insektenfresser auch nur solche, das sind in erster Linie Heimchen oder Grillen u.v.m. Stell ich mir bei Hack schwer vor ihnen da irgenwas vorbereitend auf das spätere Leben mit zu geben....aber, das wird gerne empfohlen, leider....

Ansprechstellen sind in unserer Umgebung (nicht nur für Vögel) die http://www.wildtierhilfe-roedermark.de/ oder die Wildtierstation Hünfelden.
Für Mauersegler die Klinik in Frankfurt: mauersegler.com

Sofortige Hilfe kommt, wenn ein Vogel gefunden wird, über die Facebook Seite Wildvogel Notfälle. Da sind alle Päppler nach PLZ geordnet und melden sich.

Ich bin seit einigen Jahren in der Vogelhilfe aktiv, allerdings kein Päppler.

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