Wäsche von anno dazumal im Museum

Rosi Becker und Brigitte Jopp (v.li.) haben die Ausstellung der Wäsche gemeinsam organisiert. Foto: Helga Mischker

Für den letzten Sonntag im Januar ließ sich der Heimat- und Geschichtsverein Bremthal etwas Besonderes einfallen: Die Schaufensterpuppen im Heimatmuseum trugen Nachtgewänder aus der Zeit um 1900. Die weißen, mit Spitzen besetzten Leinenkleider ließen an Sommermode denken.

„Vor 35 Jahren habe ich eines der Kleider mit einem goldenen Gürtel getragen,“ erzählte Marlies Stelzer lachend, „und kam mir richtig schick vor“. Die Niederjosbacherin hatte die Idee zu dieser Ausstellung und gab zwei Nachthemden aus dem Nachlass ihrer Tante dazu. Typisch für diese Zeit ist ein eingesticktes Monogramm. „MS“ steht für Mathilde Schürmann, Stelzers Großmutter.

Brigitte Jopp, Museumsleiterin und zweite Vorsitzende des Vereins, trug gemeinsam mit Rosi Becker weitere Ausstellungsstücke zusammen. Jahrzehntelang eingemottet im Schrank, kamen die „Negligés“ jetzt wieder zur Geltung. „Geblüht im Sommer, liegt still es nun im Spinde“ – dieser Spruch am Stadtschreiberschrank im Heimatmuseum zeugt davon, dass die Wäsche früher im Sommer zum Bleichen auf den Wiesen ausgelegt wurde, erklärte Jopp. Die „Waschmaschine“ von einst, Waschbrett und Kernseife, die das Heimatmuseum bei der Eppsteiner 800-Jahr-Feier ausgestellt hatte, schlummert diesmal im Archiv.

Unter den Ausstellungsstücken war eine zierliche, nach einer Seite hin offene Leinenhose. Der Schlitz könnte früher den Gebrauch des Nachttopfs erleichtert haben, lässt aber auch Rückschlüsse auf das eheliche Leben zu, schmunzelten die beiden Organisatorinnen.

Die männliche Puppe war mit einem Totenhemd über dem schwarzen Anzug bekleidet. „Dieses Hemd – erkennbar an den schwarzen Borten – trugen Männer, so lange sie in der Totenhalle aufgebahrt waren“, wusste Jopp.

„Dies hier ist ein so genanntes Paradekissen“, erzählte sie weiter, „früher hatte man ein Kissen zum Schlafen und eines mit Spitze zum Dekorieren“. Das schöne Kissen war natürlich ebenfalls weiß.

Inmitten der vielen Gegenstände des täglichen Lebens aus vorindustrieller Zeit kamen Mitglieder und Freunde des Vereins zu einem gemütlichen, nostalgischen Kaffeeklatsch zusammen. Die mit Luftschlangen dekorierte Tafel – Fastnacht lässt grüßen – war gedeckt mit Tässchen und Tellern aus dem Vereinsfundus. „Heute trinkt man eher aus großen Bechern“, bemerkte Jopp und ließ sich mit den anderen Gästen die von Kassiererin Brigitte Sauer gebackenen Kuchen schmecken.

Beim Höfefest am 5. Mai will der Heimatverein wieder Kaffee und Kuchen anbieten. Die Ausstellung zeigt der Verein noch mindestens bis Ostern – also noch im Februar und im März. Das Museum in der Borngasse 16 ist am letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet mi

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