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Der Traum von Job und Wohnung währt vermutlich nicht lang

Adnans Freude über den neuen Job hielt nur kurze Zeit an.  Foto: Palmert-Adorff

Wie soll ein Mensch das Leid von Millionen von Menschen nachvollziehen, wenn es schon schwierig genug ist, sich in das Leid eines einzelnen hineinzuversetzen. Noch schwieriger wird dieses Ermessen, wenn, wie bei vielen Flüchtlingen, das Leid nicht nachprüfbar ist. Für Hans K.

stand deshalb am Anfang seines Engagements für einen jungen Pakistaner nicht die Überprüfbarkeit des Asylanspruchs oder die Frage danach, welche Aussichten auf ein Bleiberecht der junge Mann aus dem fremden Land überhaupt in Deutschland hat.

Hans K., dessen richtiger Name der Eppsteiner Zeitung bekannt ist, führt ein kleines Unternehmen für Hausmeisterdienste in Eppstein und sucht schon lange Unterstützung für die körperlich anstrengende Tätigkeit. Adnan, dessen vollständiger Name der Eppsteiner Zeitung ebenfalls bekannt ist, ist einer der alleinstehenden Flüchtlinge, die der Kreis mangels fester Unterkünfte auf dem Campingplatz in Niederjosbach einquartierte. Der 27-Jährige wollte so schnell wie möglich arbeiten und selbst für seinen Unterhalt aufkommen.

Im November 2015 gelangte Adnan über den Landweg, also zu Fuß, per Bus und Zug, nach Deutschland. Im Juli 2016 stellte er seinen Asylantrag und kam nach Niederjosbach. Dort lernte er Hans K. kennen, der ihm zunächst ein Praktikum ermöglichte – „natürlich nur mit der Genehmigung der zuständigen Behörde“, betont K. Er lobt Adnans Fleiß und Geschicklichkeit. Im September stellte er den jungen Mann als Teilzeitkraft fest ein. Auch dafür waren mehrere Behördengänge und Genehmigungen notwendig. Parallel zu K.s Bemühungen bei den Behörden des Main-Taunus-Kreises, für Adnan eine Arbeitsgestattung zu erhalten, liefen Antrag und Anhörung zur Anerkennung als Flüchtling beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Gemeinsam meisterten beide sämtliche Hürden, fuhren je nach Zuständigkeit zum Landratsamt nach Hofheim oder zu Bundesämtern nach Offenbach und nach Gießen.

Während dieser Zeit absolvierte Adnan einen Deutschgrundkurs an der Volkshochschule und nahm an ehrenamtlichen Deutschkursen des Asylkreises teil. Noch fehlt es an Sprachpraxis, aber die Verständigung mit seinem Chef funktioniert gut.

Im Dezember 2016 erhielt Adnan endlich schriftlich eine bis Dezember 2017 befristete Arbeitserlaubnis. Mit Hilfe von Hans K. fand der junge Pakistaner auch eine günstige Wohnung in Bremthal und zog Mitte Februar ein. Obwohl der 27-Jährige die Miete aus eigener Tasche bezahlen muss – der Kreis zahlt nur die Flüchtlingsunterkunft, Sozialhilfe bezieht Adnan nach eigener Aussage nicht – bestand der Kreis laut Hans K. darauf, dass der Mietvertrag unbefristet sein müsse. „Wir sind den offiziellen Weg gegangen und haben bei den zuständigen Stellen Genehmigungen eingeholt und die Ämter über alle Schritte informiert“, betont Hans K.

Kaum war alles geregelt und der Umzug samt Adnans neuer Adresse beim BAMF gemeldet, erhielt der Asylbewerber den niederschmetternden Bescheid des Bundesamtes über seine Ablehnung. Adnan werde nicht als Flüchtling anerkannt und der Antrag auf Asyl abgelehnt, heißt es in dem Bescheid vom 24. Februar. Adnan, der sunnitischen Glaubens ist, wurde nach eigenen Angaben aus seinem Heimatdorf vertrieben, weil er Freunde unter den Anhängern der Ahmadi-Gemeinde gehabt habe. Da er danach noch einige Monate weitgehend unbehelligt in einem anderen Landesteil Pakistans gelebt habe, drohe ihm offensichtlich keine landesweite Verfolgung durch staatliche oder nichtstaatliche Akteure, schloss das Bundesamt aus Adnans Angaben.

Das BAMF ist überzeugt, dass der junge Pakistaner sich in einem anderen Landesteil Pakistans eine wirtschaftliche Existengrundlage aufbauen könne und sieht auch im Fall einer Abschiebung keine existenzielle Gefahr für den jungen Muslim, weder aus humanitären noch aus wirtschaftlichen Gründen.

Andnan setzt seine letzte Hoffnung, doch noch bleiben zu dürfen, auf eine Klage gegen den Ablehnungsbescheid, die er innerhalb von 14 Tagen einreichen muss. Selbst wenn die Unterlagen rechtzeitig vor Fristende eingereicht werden, ist fraglich, ob der Bescheid revidiert wird. Die Aussichten sind gering. Asylbewerber aus Pakistan hatten schon in den vergangenen Jahren wenig Chancen auf Anerkennung ihres Asylantrags. In den vergangenen Monaten wurden die Bedingungen noch verschärft und vor allem die Verfahren beschleunigt. Deshalb ist es zunehmend schwierig, einen Anwalt für Asylrecht zu finden. „Viele Kanzleien sind vom Ansturm überlastet“, beobachtet auch Hannah Fritsch, die beim Asylkreis Asylbwerbern hilft, deren Bescheid abgelehnt wurde. Mit einer zeitlich befristeten Duldung kann Adnan nicht rechnen. Seine Bemühungen, seinen Unterhalt selbst zu verdienen, zählen im Asylrecht nicht. Die Klage verschafft Adnan vermutlich allenfalls eine Frist, einen Antrag für eine finanzielle Unterstützung zu stellen und seine Rückkehr vorzubereiten.

Hans K. ist enttäuscht über das Vorgehen der staatlichen Stellen und versteht nicht, dass Bundes- und Kreisbehörden völlig unabhängig voneinander agieren. Ihn ärgert, dass Adnan zwar eine Arbeitsgestattung für ein Jahr erhielt und eine Wohnung mieten durfte, dass aber alles, was er sich erarbeitet hat, beim Verfahren selbst keine Rolle spielt.

Er habe versucht, einen Beitrag zu leisten und einen Flüchtling zu integrieren, ihm Arbeit gegeben und bei der Suche nach einer Wohnung geholfen, sagt Hans K. Das entlaste den Staat, der nun für Adnan nicht mehr aufkommen müsse. „Ausgerechnet in dem Moment“, so Hans K., „als wir dachten, jetzt können wir etwas aufatmen und endlich in Ruhe arbeiten, wurden diese Bemühungen zerstört.“  bpa

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