Spendenaufruf für Kirchturmuhr und Geläut

Sie machen sich Sorgen um die stehen gebliebene Kirchturmuhr (v.li.): Berthold Gruber, Lucia Kretschmer, Peter Mohr, Albert Kretschmer umd Martina Smolorz.Foto: B. Schuchard-Palmert

Sie machen sich Sorgen um die stehen gebliebene Kirchturmuhr (v.li.): Berthold Gruber, Lucia Kretschmer, Peter Mohr, Albert Kretschmer umd Martina Smolorz.Foto: B. Schuchard-Palmert

In Ehlhalten steht die Zeit still. Zumindest an der Turmuhr der St. Michael-Kirche. Seit fünf Wochen etwa stehen die Zeiger wie eingefroren auf 12.15 Uhr. Auch das tägliche Geläut um 8, 12 und 19 Uhr ist verstummt.

Die Steuerung der Anlage ist defekt und ließ sich auch vom Fachmann nicht mehr reparieren.

Der Ortsausschuss der katholischen Pfarrei und einige engagierte Bürgerinnen und Bürger setzen sich deshalb dafür ein, dass der Antrieb von Uhr und Geläut repariert wird und rufen zu einer Spendenaktion auf. „Jeder Beitrag hilft“, werben sie in einem Flyer, damit „die Glocken von Ehlhalten wieder erklingen“ und ein jahrhundertealtes Kulturgut erhalten bleibe. Das barocke Gebäude von 1732 prägt das Ortsbild in Ehlhalten seit Generationen. Für viele Ehlhaltener ist die Kirche ein Stück Heimat, für andere der Blick zum Zeigerstand auf der Kirchturmuhr tägliches Ritual. Die drei täglichen Glockenzeiten rufen zur Arbeit, zum Mittagessen und läuten den Feierabend ein.

„Das tägliche Glockengeläut gehört seit Jahrhunderten fest zu unserem Dorfleben“, betonen die Initiatoren des Spendenaufrufs, Albert Kretschmer, Mitglied des Verwaltungsrats der Pfarrei St. Elisabeth, seine Frau Lucia, Stadtrat Berthold Gruber, Stadtverordneter Peter Mohr und Ortsvorsteherin und langjährige Küsterin Martina Smolorz. Sie erinnert sich: „Schon für uns als Kinder war das Läuten der Kirchturmuhr am Abend das Signal, dass es höchste Zeit war, vom Spielen nach Hause zu gehen.“ Wie ihr gehe es vielen Ehlhaltenern, vor allem den alteingesessenen: „Wir schauen vergeblich auf die Kirchturmuhr und vermissen das Geläut“, sagt sie.

Ein Spendenkonto für Maßnahmen in Ehlhalten gibt es bereits unter dem Namen „Katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth Hofheim-Kriftel-Eppstein“ unter der IBAN: DE77 5019 0000 6201 8658 22. Wichtig ist der Verwendungszweck: „Erhalt der Kirche St. Michael Ehlhalten“. „Damit kommt jeder Euro ohne Abzug von Gebühren oder Verwaltungskosten bei uns an!“, betont Kretschmer.

Mindestens 2500 Euro werden allein für das neue Steuerungsgerät benötigt, für den Einbau kommen mehrere hundert Euro hinzu. „Wir rechnen am Ende mit Kosten in Höhe von knapp 3500 Euro“, sagt Kretschmer und bittet mit seinen Mitstreitern um Spenden. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

Mit der neuen Immobilienstrategie (KIS)des Bistums Limburg wurde die Verantwortung für den Erhalt der Kirche der Gemeinde übertragen. Wie berichtet werden für Eppstein nur die Kirchen St. Laurentius und St. Margareta langfristig für Gottesdienste vom Bistum unterhalten. Auch bei der Stadt gebe es kein Geld für solche Reparaturen, das habe eine Nachfrage ergeben, sagt Kretschmer. Stattdessen laufen Anfragen bei einigen größeren Sponsoren.

St. Michael in Ehlhalten lässt sich nur dank finanzieller Rücklagen vorerst erhalten. Damit diese möglichst nicht angetastet werden, startet die Gruppe aus Ehlhalten die neue Spendenaktion für die Kirchturmuhr – und hofft auf viele Unterstützer.

Gute Nachrichten gibt es für die Pfarrscheune, das Gemeindehaus der Katholiken in Ehlhalten: Sie wurde im Laufe der Woche eingerüstet, damit die Fassade erneuert werden kann. Das Fachwerk wird saniert und der Giebel verschiefert. Die Reparaturen dauern mindestens zwei Monate und kosten rund 275 000 Euro, davon trägt die Gemeinde einen Eigenanteil von 30 000 Euro. Auch künftig bleibt das Gemeindehaus als Treffpunkt unterm Dach der Pfarrei erhalten.

Für die zurzeit gesperrte Kirche St. Margareta gibt es zumindest Entwarnung: Die Schäden sind laut Gutachter nicht so gravierend, dass sie dauerhaft gesperrt bleibt. bpa

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