In den Sommerferien mit Ziegen durch den Wald

Sommerferienaktionen

Katja war für einige Monate im Ausland. Deshalb ist das Foto von 2025.Foto: privat

Katja war für einige Monate im Ausland. Deshalb ist das Foto von 2025.Foto: privat

Ziegen haben ihre eigene Fan-Gemeinde, das wissen Ingo Horst und seine Töchter Katja und Ulla spätestens seitdem sie selbst eine kleine Herde bei Niederjosbach halten und auch schon Nachwuchs und vor kurzem Bock Jockel verkauft haben.

Ziegen werden im Naturschutz und im ökologischen Landbau eingesetzt – oder leben auf Bauernhöfen, die sich auf Ziegenkäserei spezialisiert haben.

Die Idee, eine eigene Ziege zu halten, hatte die inzwischen 17-jährige Katja schon als Kind. Damals forderten die Eltern von ihr, dass sie erst einmal eine Art Praktikum absolviert auf einem Ziegenhof oder ähnlichem. Während der Corona-Pandemie war das zunächst nicht möglich. Doch dann erfuhren die Horsts, dass ein Schafhalter in Oberjosbach auch einige Ziegen hält und fragten an, ob Katja beim Versorgen der Tiere helfen dürfe.

Zufällig kam am ersten Tag ihres Praktikums ein Zicklein zur Welt. „Es dauerte nicht lange und es stand fest, dass Katja das Ziegen-Lamm und ihre Mutter übernehmen würde“, erinnert sich Vater Ingo. 2022 zogen die ersten Tiere auf die Weide in Niederjosbach – eine ehemalige Rinderweide mit offenem Unterstand.

Inzwischen ist Zicklein Jimmy zu einer stattlichen Thüringer Waldziege herangewachsen und Chef der kleinen Herde, zu der außer Jimmys Mutter Rosi mit Nachwuchs Tina und Muttertier Elvira mit Freddy gehören, denn Bock Jockel musste verkauft werden, weil er zu dominant wurde und mit seinen Hörnern stieß, auch gegen seine Menschen.

Jimmy hingegen ist sehr menschenbezogen und freut sich auf Leckerbissen wie frische Haselzweige, die ihm Ulla über den Zaun reicht, während sie ins Gehege klettert. In den vergangenen Monaten war sie für die Tiere zuständig. Schwester Katja war für einige Monate zum Schüleraustausch im Ausland.

Jimmy zermalmt die Blätter sofort mit den Zähnen und stupst dann neugierig die fremde Besucherin mit der merkwürdigen Mappe, einem Stift und der Kamera an und würde vermutlich auch ein Blatt Papier mit den Notizen nicht verschmähen. Doch schnell kommen weitere Besucher hinzu, eine Mutter mit zwei Kindern, die sich für eine Wanderung angesagt haben, und Jimmy wendet sich den anderen Neulingen zu, vor allem, um seinen Platz an vorderster Stelle der kleinen Karavane zu behaupten.

Die Tiere seien nicht nur neugierig, sondern auch sehr sozial, sagt Ingo Horst: „Allerdings haben sie ein anderes Verständnis von Fairness als Menschen“. So gehe das Leittier immer vorn und fresse als erstes – „sons fangen alle an lautstark zu meckern, weil sie alles andere ungerecht finden“. Wenn alles seine Ordnung hat, meckern die Tiere selten.

Untereinander verständigen sie sich mit Körpersprache. „Das Meckern ist entweder der Ruf eines Zickleins nach seiner Mutter – oder es gilt dem Menschen, um Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Horst. Auch die anderen Tiere der Herde haben eine klare Rangfolge, die minutiös regelt, wer bei den Spaziergängen vorne geht und wer als nächstes kommt.

Beim Fressen seien die Tiere unkompliziert: Sie fressen einfach alles. Zunächst natürlich die leckeren Gräser und Kräuter, zum Herbst zu werden auch die Brombeerranken und Disteln nicht mehr verschmäht. Aufpassen muss Ziegenhalterin Katja trotzdem immer: Denn alles fressen bedeute, dass die Tiere auch vor giftigen Pflanzen nicht zurückschrecken.

Thüringer Waldziegen haben die für diese Rasse typische weiße Zeichnung an den Ohren und Schläfen, an den Unterbeinen und am Spiegel. Die eigentliche Decke ist entweder schwarz, wie bei Jimmy, oder braun, wie bei seiner Mutter Rosi. Die Thüringer Waldziege ist eine robuste alte Haustierrasse, die gut für die Landschaftspflege geeignet ist. Die Tiere leben Sommer wie Winter auf der Weide, ziehen allerdings den Winter über auf eine Weide nach Oberjosbach, wo das Kleinklima laut Horst milder sei als unmittelbar am Bach in Niederjosbach mit seinen feuchten Wiesen.

„Katja hatte schon als Kind ein besondere Intuition für Tiere und konnte schon immer gut mit Tieren umgehen“, sagt Vater Ingo. So war es auch bei den Ziegen. Diese Tiere mag die 17-Jährige, „weil sie lustig sind und ihren eigenen Kopf haben“. Sie sind unternehmungslustig und wollen beschäftigt werden. Deshalb gehen Katja und ihre 19-jährige Schwester Ulla regelmäßig mit ihnen spazieren. Dabei entstand die Idee, dass man auf solche Wanderungen auch Besucher mitnehmen könne, die Freude an den Tieren haben. „Wir gehen nie den gleichen Weg“, erzählt Ulla, das würde den Tieren zu langweilig, „außerdem würden sie auf dem Heimweg dann schnell selbst das Tempo bestimmen“.

So nahmen die beiden, begleitet von Vater Ingo vor einigen Monaten eine Konfirmandengruppe mit auf eine Ziegen-Tour. Eine Webseite taunus-ziege.de gibt es auch schon. In den Ferien arbeiten sie mit der städtischen Jugendarbeit zusammen, die eine Ziegenwanderung mit Jugendlichen unternehmen will: Als Termin steht Freitag, 10. Juli, von 15.30 bis 18.30 Uhr im Sommerferienprogramm. Die Teilnahme an der Wanderung, für die eine Anmeldung über eppstein.de/Jugendarbeit, nötig ist, kostet 5 Euro. bpa

Langeweile muss in den sechs Wochen Sommerferien nicht aufkommen: Die städtische Jugendpflege bietet ein abwechslungsreiches Programm mit zahlreichen spannenden Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Jeden Mittwoch treffen sich Jugendliche von 15 bis 20 Uhr im Jugendraum in der Alten Schule in Bremthal zu einer anderen Aktion: Mal wird gekocht und gemixt, mal gebastelt und gespielt. Außerdem bieten die Jugendarbeiter zusammen mit einigen Vereinen Ausflüge, Tischtennis-Training, Kino-Abend, Manga-Workshop und internationales Kochen an. Anmeldungen sind über die Stadtseite eppstein.de/Jugendarbeit oder die QR-Codes möglich.

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