SG fährt zu den Fans, Kerbeburschen dürfen nicht

Guido Ernst hat zusammen mit SG-Spielern und -Frauen den Planwagen für die Rundfahrt des Vereins geschmückt. Foto: Ulrich Häfner

„Wenn die Fans nicht zu uns kommen dürfen, dann fahren wir zu den Fans“, sagte sich der Vorstand der SG Bremthal und engagierte Ortsvorsteher Guido Ernst samt Traktor und Planwagenanhänger für eine Rundfahrt durch das Dorf.

Kreuz und quer durch nahezu jede Straße kutschierte Ernst SG-Spieler und Funktionäre. Die hielten sich bei diesem Spaß vorbildlich an die Corona-Regeln, dass sich bis zu zehn Personen versammeln dürfen, und trugen Handschuhe und Mundschutz. Denn Anlass der Rundfahrt war ein mobiler Bierausschank.

Eva Etmans, bei der SG verantwortlich für Veranstaltungen und das Vereinsheim, wollte die restlichen Bierfässer aus dem Bestand des Vereinsheims leeren und hatte zusammen mit ihrem Mann Robert, dem Vorsitzenden der SG, die ungewöhnliche Idee, den Inhalt bei einer Rundfahrt zu verteilen.

Ein halbes Dutzend Spieler der ersten und zweiten Mannschaft waren schnell motiviert und übernahmen die Absicherung des Verkehrs und die Verteilung des ausgeschenkten Biers. Für die Kinder am Straßenrand gab es Wassereis. „Nach der Rundfahrt waren wir unseren gesamten Bestand los“, freute sich Etmans. Und die Spendenbox, die einer der Spieler trug, war ebenfalls gut gefüllt.

Weniger erfolgreich mit einem ähnlichen Anliegen waren die Bremthaler Kerbeburschen. Sie wollten als kleinen Ersatz für die Kerb am kommenden Samstag, dem eigentlichen Kerbesamstag, mit dem gleichen Wagen und einem Bollerwagen durch Bremthal fahren und währenddessen und später auf dem Dorfplatz ihren Apfelwein in fest verschlossenen Fünf- und Zehn-Liter-Boxen verkaufen.

Auch einen Freiluftgottesdienst auf dem Dorfplatz hatten sie angeregt und wollten sogar einen Kerbebaum aufstellen. Doch das Ordnungsamt entdeckte zu viele Abweichungen von den geltenden Corona-Regeln und genehmigte weder Rundfahrt noch Treffen auf dem Dorfplatz. „Wir mussten davon ausgehen, dass die Kerb sich zu einer Großveranstaltung mit mehr als 100 Menschen entwickelt mit Ausschank und fehlendem Mindestabstand“, begründete Ordnungsamtschef Stephan Euler das Verbot. Er räumte aber auch ein, dass es von Seiten der Stadt kein Gesprächsangebot für eine kleinere, coronakonforme Lösung gab. Denn laut Kerbeburschen habe man gar kein Volksfest feiern wollen.

Die SG Bremthal ließ sich offensichtlich nicht so schnell abwimmeln und handelte mit dem Ordnungsamt einen Kompromiss aus.

Auch die Bremthaler Kerbegesellschaft Amor hat inzwischen einen Weg gefunden, damit der laut Alt-Kerbebursch Guido Ernst „wieder hervorragend gelungene“ Apfelwein nicht in den Kanistern vermodern muss.

Kerb fällt aus – Stöffche kommt nach Haus’

„Das wunderbare Stöffche’“, so der Vorsitzende der Kerbeburschen, Christian Simon, wird am kommenden Sonntag, 19. Juli, zwischen 16 und 18 Uhr im Hof der Bornstraße 6 in Bremthal verkauft. Abgegeben wird der Apfelwein in Bag und Box. Die Fünf-Liter-Box kostet 13, die Zehn-Liter-Box 25 Euro.

Ortsvorsteher Guido Ernst, Mitglied im Kerbeverein, bedauert, dass es nicht möglich war, eine Veranstaltung mit Abstandsregeln und Hygienevorschriften zu organisieren. Er sei auch sehr enttäuscht über die Haltung der Eppsteiner Pfarrei, fügte Ernst hinzu: Es gebe noch nicht einmal einen regulären Gottesdienst zum Kirchweihfest in Bremthal.

Auch im Pfarrbrief werde die Absage des Kirchweihfestes nicht erwähnt oder an das Patronat der Heiligen Margareta gedacht. „Wenn das symptomatisch für die geplante Zusammenführung zur Großpfarrei mit Hofheim und Kriftel ist, dass die lokalen Feste vergessen werden, dann sind das traurige Aussichten für die Kirche“, machte Ernst seinem Ärger Luft.

Gemeindereferentin Andrea Höfling bedauert, dass da wohl einiges in der Kommunikation schief gelaufen sei: „Unsere ehrenamtlichen Helfer aus Bremthal wussten nur, dass die Kerb ausfällt.“ Möglicherweise rächt sich nun, dass kein Bremthaler im Pfarrgemeinderat ist. Seit dem Weggang von Pastoralreferent Johannes Edelmann ist auch das Pfarrbüro in Bremthal, dem größten Eppsteiner Stadtteil, verwaist. Ein Gottesdienst im Freien könne mangels Helfer während der Ferien nicht organisiert werden, betont Höfling, versichert aber: „Wir hätten trotzdem gern gemeinsam einen Kompromiss mit den Kerbeburschen gesucht.“

Vorbestellungen für den Apfelwein sind erwünscht und können per E-Mail an kg-amor[at]web[dot]de oder per Anruf/Whatsapp bei Christian Simon, Telefon 0172 6 21 09 02, oder Florian Heres, 0151 55 92 55 05, bestellt werden. Gegen 2 Euro zusätzlich liefern die Kerbeburschen das Stöffchen auch nach Hause. Ein Bestellformular finden Interessenten auf der Facebookseite der Kerbeburschen. Übrigens: Knapp ein Viertel der abgefüllten 1100 Liter Apfelwein ist bereits vorbestellt.

Einen Teil des Erlöses wollen die Kerbeburschen den Schaustellern spenden. „Sie leiden unter der aktuellen Lage besonders, daher würden wir uns freuen, wenn jeder sich ein Stück Bremthaler Kerb nach Hause holt“ führt Sprecher Maximilian Bock aus.

Die Käufer werden gebeten, Mund-Nasenbedeckung zu tragen. Die Kerbeburschen weisen auch darauf hin, dass sie den Apfelwein nicht umfüllen dürfen.bpa

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