Hintergrund der Einladung sind Recherchen des Ministeriums zur landesweiten Aktion „Boden des Jahres 2026“. Dieses Jahr gilt die Aufmerksamkeit der bundesweiten Aktion den sogenannten „Archivböden“, also Böden, die Geschichte sichtbar machen – manchmal ganz offensichtlich an der Oberfläche, manchmal auch erst durch genauere Untersuchung tieferer Bodenschichten.
In diesen Schichten finden sich Spuren vergangener Zeiten, Zeugnisse von Natur- und Kulturgeschichte, über Klimaphasen, Landwirtschaft oder altes Handwerk, wie bei den früheren Kohlenmeiler-Standorten. Kohlenmeilerboden ist einer von vier repräsentativen Archivböden in Hessen, die das HLNUG genauer betrachtet hat: Dazu gehören außerdem die Grenzbefestigung des obergermanischen Limes, die Roterde der „Eisernen Hose“ bei Lich und Fossile Böden im Löss der Wetterau. Kohlenmeiler gab es in fast allen hessischen Mittelgebirgen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Kohle und Holzkohle die wichtigsten Energieträger, vor allem zur Erzverhüttung und zur Eisenverarbeitung und in einigen Regionen auch zur Glasherstellung. Relikte im Boden gibt es also häufig, allerdings nur noch wenige aktive Kohlenmeiler wie den des MSC. Am 29. Mai zündet der MSC seinen 42. Meiler seit 1982 an. Mit einer kleinen Ausstellung weist das HLNUG dann auf die historischen Bodenschätze Hessens hin.
Auf der Internetseite https://boden-des-jahres.de des HLNUG können Veranstaltungshinweise für weitere Veranstaltungen in ganz Hessen aufgerufen werden. Ein Schwerpunktthema ist die Grube Messel,
Auf einer Übersichtskarte von Hessen gibt das Ministerium ganz grob einen Überblick über die unterschiedlichen Archivböden: Da gibt es Archive der Naturgeschichte, wie die fossilen Lössböden, die Informationen speichern, die bis ins Eiszeitalter Pleistozän zurückreichen, Archive der Kulturgeschichte, wie den Limes mit seinen Graben-Wall-Strukturen, Fundamenten von Wachtürmen, Kastellen und Grenzverläufen aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Kohlenmeilerböden sind Stellen, an denen über Jahrhunderte Holzkohle hergestellt wurde. Deshalb erzählen sie ein Stück Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Die Ablagerungen verraten Archäologen und Historikern viel über Bodenstruktur und die Vergangenheit. So waren Ende des 18. Jahrhunderts wegen des Energiehungers der Menschen die Wälder gebietsweise verwüstet. Waldgesetze sollten deshalb die nachhaltige Nutzung und Wiederaufforstung fördern, berichtet das HLNUG in einer Broschüre über den Boden des Jahres 2026.
Kohlenmeilerböden haben einen spezifischen Aufbau mit einem holzkohlereichen Oberboden, einer darunterliegenden rötlichen „Frittungszone“. In eisenhaltigen Böden wandelten die hohen Temperaturen das Eisen im Boden in Rot färbendes Eisenoxid oder Hämatit um. Da der MSC Ehlhalten in der Region den letzten Kohlenmeiler betreibt, hat das Ministerium den Kontakt gesucht. „Und wir haben im Gegenzug dazu eingeladen, dass ein Ministeriumsmitarbeiter im Juni unseren Meiler anzündet“, erzählt Vorsitzender Jan Holst. bpa

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