Durch die Klappergasse zum Märchentag auf der Burg

Frau Holle (Helga Terzka) schüttelt die Federbetten auf, darunter warten Goldmarie (Amelia), Goldlöckchen (Kim) und Dagmar mit der Seifenblasenmaschine. Fotos: Frauke Frerichs-Gundt

„Was ist das da hinter der Tür?“ wollte ein kleines, dreijähriges Mädchen wissen, als es vergangenen Sonntag beim Märchentag auf der Burg vor dem Tor auf Einlass wartete. Unter dem Tor lugten durch einen Spalt die Gewänder von Frau Holle und Goldmarie hervor.

Die kleinen Besucher warteten ungeduldig auf Einlass. Juliane Rödl, Vorsitzende der Burgschauspieler, erzählte ihnen wilde Geschichten, um die Zeit zu vertreiben. Punkt 11 Uhr öffnete sich das Tor. Heraus traten die beiden Märchenfiguren. Frau Holle schüttelte kräftig ihre Bettdecke und statt Schnee fielen Mengen von bunten Seifenblasen herab. „Die Märchenfiguren baten uns Burgis, sie zum Leben zu erwecken“ erzählte Juliane Rödl. Janna Bergen hatte dazu sehr viele Bücher mit deutschen und internationalen Märchen gelesen. „Viele Geschichten hätten wir gar nicht umsetzen können“, verriet sie. Teils, weil die Kulisse der Burg oder die Rollen nicht zu den verfügbaren Schauspielern passten. Nach einigen Wochen intensiver Recherche, Nachdenken und Planung hatte sie die Schlüsselszenen aus passenden Märchen zusammengestellt. Dabei halfen die Schauspielkinder und viele ihrer Vorschläge wurden umgesetzt. „Friederike hatte die Idee mit der goldenen Gans, deshalb hat sie auch die Rolle des kleinen Gänsebesitzers Dümmling bekommen“, erzählte Rödl. Manche der Märchen kenne man in vielen Ländern, ihr Ursprung sei unbekannt. Sie passten damit gut zur Europawoche. Unter der Führung von Sonja von Saldern stiegen die rund 50 Besucher die „Klappergasse“ in der Burg hinauf, eine wahrhaft märchenhafte Kulisse. Von Saldern macht auch in den Ferien Märchenführungen auf der Burg.

Entlang der „Klappergasse“ standen Holunder und Rosensträucher in voller Blüte und vereinzelte bunte Blumen säumten den Weg bis zum Burghof. Am Eingang zum Zwinger verkündete ein Bote, dass die Prinzessin nicht mehr lache. Doch als der kleine Dümmling auftauchte, da war es um die Prinzessin geschehen. Er hatte seine Goldene Gans im Arm und im Schlepptau all die Menschen, die seine Gans berührt hatten und nun festklebten. Der urkomische Anblick brachte natürlich den Boten, die Königin und letztlich auch die Prinzessin zum Lachen, die im Zwinger Hof hielten.

Danach verlangte Goldlöckchen verzweifelt Einlass am Tor zum Burghof. Sie fürchtete sich vor den Bären. Im Brustton der Überzeugung verkündete ein kleiner Junge in der Besucherschar: „Das ist das echte Goldlöckchen!“. Auf der Bühne im Burghof hatten sich derweil der Esel, der Hund, die Katze und das Huhn als Bremer Stadtmusikanten versammelt. Mit Hilfe der Kinder vertrieben sie die bösen Räuber.

„Da haben wir ein bisschen Angst gehabt“, meinten Pauline und Valentina. Sie waren von den wunderschön geschminkten Tiergesichtern und dem Geschrei der Räubervertreibung irritiert. Ihre absolute Favoritin war hingegen die Goldmarie, auch die Goldene Gans und Brüderchen und Schwesterchen seien toll gewesen. Das sahen ihre Eltern Heike und Michael genauso.

Die Eltern waren zudem von der Burg als Kulisse, den detailreichen Kostümen und vor allem von der Textsicherheit der kleinen Schauspielkinder begeistert.

Im Burghof hatten die Räuber bei ihrer Flucht die Aufmerksamkeit in Richtung Burgmuseum gelenkt. Dort zeigten sich Brüderchen und Schwesterchen. Das zum Reh verwandelte Brüderchen sprang lustig um seine Schwester herum. Kaum waren die beiden verschwunden, ging die Märchenreise hinter der Burgbühne weiter mit dem dicken, fetten Pfannkuchen. Tief hinab in den Altangarten stiegen die Gäste und erlebten, wie die Zwerge Schneewittchen retteten. Zum Abschluss entführte der Rattenfänger von Hameln mit seiner Flötenmusik die Schauspielkinder und auch einige mutige Besucher.

Am Ende wurden die Zuschauer von den Burgschauspielern in ihrem Juchhe-Bau bewirtet. Insgesamt hatten sich über 160 Gäste für die drei Führungen angemeldet. Gezeigt wurden die Schlüsselszenen aus acht Märchen, aufgeführt von 17 Kindern und 14 Erwachsenen.

In der Maske arbeiteten fünf Personen, professionell koordiniert von Friseurmeister und Visagist Markus Meiners. Die Tiergesichter hatte Nicki Löffler geschminkt. Rund 20 Menschen arbeiteten als Helferteam im Hintergrund. Die Kostüme waren teilweise selbst geschneidert, andere konnten geliehen werden. „Für die Kinder mussten wir Kostüme meistens kaufen“, verriet Juliane Rödl. Ihr eigenes, sehr aufwendig mit Perlen und Stickerei verziertes Kostüm habe ihre Tante geschneidert.

Der Talisman der Burgschauspielkinder ist ein kleiner Löwe, getauft auf den Namen Larry Löwe. Janna hatte für alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen ein kleines Löwengesicht gehäkelt, das um den Hals getragen wurde.

Die kleinen und großen Schauspieler waren mit Feuereifer beim Spiel, das rund 40 Minuten dauerte. In der verbleibenden Zeit bis zum nächsten Auftritt genossen alle die besondere Atmosphäre der Burg, aßen ein Häppchen und ließen sich für den nächsten Auftritt von der Crew in der Maske wieder perfekt zurechtmachen. „Die Kinder sind unglaublich motiviert und konzentriert. Doch wenn nach der letzten Aufführung die Anspannung nachlässt, dann sind sie platt“, erzählte Janna Bergen. Und Juliane Rödl ergänzt: „das sind schon echte Profis. Als heute der kleine Ben mit Fieber im Bett bleiben musste, übernahm seine sechsjährige Schwester Anna seine Rolle. Die Einstellung der restlichen Kinder war: ,Da fehlt einer, das müssen wir jetzt alleine reißen’“.

Die Kinder waren sich einig: es hat Spaß gemacht, vor und auf der Bühne.ffg

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
5 + 2 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X