... fand vergangene Woche in der Aula eine Podiumsdiskussion statt, bei der die hessische Ministerin für Jugend, Heike Hofmann, ins Gespräch kam mit Schülerinnen und Schülern des gymnasialen Zweigs. Als Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz machte sich die Juristin ein Bild, wie Jugendliche das Handy nutzen und wie sie eine Altersbeschränkung beim Zugang zu Social-Media-Plattformen aufnehmen würden. Denn auf der nächsten Jugendministerkonferenz Ende Mai ist der Beschluss einheitlicher Regelungen für den Umgang mit dem Smartphone deutschlandweit geplant. „Deshalb ist es für mich so wichtig zuzuhören.“, sagte sie.
Schüler und Erwachsene auf dem Podium waren sich einig, dass das Smartphone bei vielen Verrichtungen einen Nutzen erfüllt. Die Schüler zählten auf: Treffen vereinbaren, telefonieren, Kontakt mit den Eltern, Musik hören, Informationen recherchieren, beispielsweise, wann eine Bahn fährt. Der Moderator der Veranstaltung Eberhard Pausch, Leiter des Grundsatzreferats, berichtete, dass er das Handy als Navigationshilfe zum Veranstaltungsort genutzt habe.
Doch was macht die Nutzung des Smartphones so umstritten? Wenn Kinder das Handy nicht zweckorientiert nutzen, sondern regelmäßig ohne Ziel„daddeln“, so Hofmann. Sie erhalten über Social Media Zugang zu Inhalten, die sie oftmals eher belasten als fördern, während sie selbst der Meinung sind, Erfahrungen zu machen. Die von Algorithmen gesteuerte Kommunikation über die sozialen Medien verbreitet sehr oft inhaltsleeren und manipulativen „Content“. Die auf den jeweiligen Nutzer und seine Vorlieben abgestimmten Inhalte stimulieren das Glücksempfinden. Für Heranwachsende lasse sich die Wirkung ihrer Erlebnisse am Handy gar nicht ermessen, da sie ein Leben „ohne“ oft nicht kennen.
Die Schüler, so stellte sich bei der Veranstaltung heraus, sind allerdings dankbar für die Möglichkeit, über Social Media mit anderen in Kontakt zu kommen und sich zu unterhalten. Einer der Teilnehmer sagte: „Ich kann mit vielen meiner Freunde nicht über SMS kommunizieren, weil ich einfach nicht so eng mit ihnen befreundet bin. Es ist einfacher jetzt auf einen Folgen-Knopf zu drücken. Aber ich würde diesen Leuten, denen ich folge, manchmal nicht meine Telefonnummer geben, weil ich diese Leute einfach nicht gut genug kenne.“
Ein weiterer Grund, Social Media zu nutzen, ist der Zeitvertreib. „Nehmen wir an, ich komme nach Hause und gehe in einer Stunde zu meinem Hobby, dann gucke ich mir in der Zeit ein Youtube-Video an oder scrolle auf Tik Tok, Instagram und Co.“
An der Podiumsdiskussion nahm auch Maja Sommer teil, die bereits zwei Workshops mit Schülern an der Freiherr-vom-Stein-Schule zur Förderung der Medienkompetenz leitete. Sie sprach den Schülern ins Gewissen. „Es geht um eure kostbare Zeit und um Erlebnisse. Und ich bin mir sicher, auch jenseits von Social Media kann man bei einem persönlichen Treffen kommunizieren“, sagte sie.
Die Politik sieht Regelungsbedarf, weil immer mehr Kinder abhängig werden vom Smartphone. Die Symptome gleichen denen anderen Suchterkrankungen. Zunehmend werden Depressionen und Angststörungen diagnostiziert. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen überdies, dass die Nutzung im frühen Kindesalter das Gehirn beeinflusst. „Es gibt Studien, die belegen, dass die Gehirnleistungen, die immer gewachsen sind von Generation zu Generation, momentan rückläufig sind. So war die nächste Generation immer klüger als die Elterngeneration. Das dreht sich gerade“, erklärte Sommer.
„Wir müssen unsere Kinder schützen“, unterstrich die Ministerin. Sie will sich deshalb auf der Jugendministerkonferenz für eine Altersbeschränkung bis 14 Jahre für bestimmte Online-Plattformen einsetzen. Die Politik will den Zugang mit Hilfe einer App begrenzen, die derzeit EU-weit entwickelt wird.
Einige Jugendliche meldeten sich zu Wort, um sich gegen ein Verbot auszusprechen, weil sie sich ein Leben ohne die Kommunikation über Social Media nicht vorstellen können. Auch manche Eltern, die an diesem Abend mitdiskutierten, zweifelten daran, ob sie ihren Kindern Social Media verbieten können. Hofmann ermutigte sie, sich mit ihren Kindern – wenn nötig – auch hart auseinanderzusetzen.
Sommer ergänzte, dass eine Regulierung ab 14 Jahren die Eltern entlaste, weil es keine Diskussionen mehr gebe. Nicht auf Plattformen zu scrollen, würde dann ganz schnell wieder Normalität. „Wir möchten, dass ihr Stück für Stück eure Welt in eurem Tempo und altersangemessen entdeckt und das ist, finde ich, eine Verpflichtung von Eltern, Lehrkräften und auch der Politik“, so Sommer.
Dass die Handy-Nutzung unter bestimmten Voraussetzungen riskant ist, haben manche Schüler möglicherweise schon selbst erfahren. „Was kann ich tun, wenn ich in der Schleife gefangen bin“, kam die Frage aus dem Publikum.
Hofmann sprach sich dafür aus, attraktive Räume für Kinder zu schaffen: Jugendtreffs und Sportangebote, in denen sie außerhalb des virtuellen Raumes Erfahrungen machen können. Die Erkenntnis, dass das Verbot der Nutzung von Social Media-Plattformen bis zum Alter von 14 bei Schülern und Eltern Unsicherheit hervorruft, nimmt die Ministerin nach dieser Veranstaltung mit in die Sitzung der Jugendministerkonferenz.
Schulleiter Christof Krüger ist zuversichtlich, dass sich eine Altersbeschränkung realisieren lässt. Er verwies auf das schon seit Jahren bestehende Handyverbot an der Schule und führte aus: „Die Kinder spielen stattdessen Tischtennis“. Im Unterricht werden Schüler dann gezielt an die Nutzung des Smartphones herangeführt.mi


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