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Familienalltag in der Corona-Zeit – die Kontakte fehlen sehr

Gut geschützt geht’s bald wieder in die Öffentlichkeit: Lena, Oliver, Hilke, Tim und Leo Schaust (v.l.).

„Turbulent hat es angefangen“, erinnert sich Hilke Schaust aus Vockenhausen. Kurz nach der Schulschließung Mitte März hatte die Mutter von drei Kindern eine ambulante OP und war krank geschrieben zu Hause.

„Es war sehr anstrengend und wir mussten uns erst einmal an die neue Situation gewöhnen.“ Während Vater Oliver normal als Elektriker weiter arbeitete, begann das Homeschooling am Küchentisch.

Der achtjährige Leo, der die zweite Klasse der Burg-Schule besucht, bekam „einen Stapel an Lernmaterial von der Schule, die beiden Größeren, Lena (11) und Tim (14), erhielten Mails mit einer Menge Aufgaben zum Ausdrucken, auch für die kleinsten Fächer“, erzählte Hilke Schaust.

Manchmal stellte sie sich die Frage, wie Lehrer es den Kindern beibringen. Vor allem, wenn es in der achten Klasse um Chemie und Physik gehe. Da war sie froh, dass ihr Mann zum Beispiel den Stromkreislauf erklären konnte. „Am schlimmsten waren die ersten zwei Wochen“, in denen sie das Gefühl hatte, sich zerteilen zu müssen. Denn bis es sich eingespielt hatte, hieß es oft „Mama, kannst du mal gucken? Ich kann nicht weitermachen.“ Verständnis habe sie für Eltern, die zusätzlich noch Homeoffice machten.

„Der normale Alltag hat sich komplett verändert“, erzählt Hilke Schaust, doch mittlerweile habe es sich gut eingependelt, auch mit Homeoffice ihrerseits. Sie ist Erzieherin der katholischen Kindertagesstätte St. Jakobus und hat auch genug zu tun, kümmert sich um Entwicklungsberichte, hat Briefe an die Vorschulkinder geschrieben und verteilt. „Momentan nähe ich für 35 Vorschulkinder etwas zum Abschied“, erzählt sie weiter. Es soll doch etwas Besonderes geben, wenn schon das Vorschuljahr durch die Coronakrise viel zu kurz gekommen sei und die besonderen Momente, beispielsweise die einer Vorschulübernachtung, fehlten. „Da gibt es so viel, das nicht gemacht werden kann“, überlegt sie weiter, „Feste, der nächste Sommerurlaub, Turniere, das Fußballcamp der Eintracht, zu dem Leo angemeldet ist. Wer weiß, wann das stattfinden kann.“

Ohne Vereinssport wie Fußball, Geräteturnen oder Tanzen sind die drei Kinder der Schausts bei diesem tollen Wetter im Garten. „Wir haben das Trampolin aufgestellt, noch zusätzlich eine Reckstange besorgt“, und auf der Spielstraße könne Fußball gespielt werden. „Das Tennistraining hat auch wieder angefangen.“

Die drei Geschwister können viel gemeinsam machen und seit Vater Oliver nach einem Kreuzbandriss vor drei Wochen zu Hause ist, „verbringen wir als Familie viel Zeit miteinander.“ Ohne Hobbies und sonstigen Verabredungen „sind wir jetzt auch alle beim Abendessen zusammen, machen Spiele- und Videoabende.“ Es sei schön, dass man eine intensive Zeit mit der Familie erlebe, fernab von der Hektik des normalen Alltags.

Ihre persönlichen Kontakte zu Freunden und Mitschülern vermissen sie trotzdem. „Leo hat sich so gefreut, als er mit seinem Freund telefoniert hat. Er hat ihm gleich gezeigt, wie sein Zimmer aussieht, auch wenn der Freund natürlich das Zimmer kennt“, schmunzelt Mutter Hilke.

Gedanken macht sie sich, wie lange die schwierige Situation andauern könnte und die Kinder ihre Großeltern nicht sehen. „Im normalen Alltag haben wir einen intensiven Kontakt, der fehlt uns sehr.“ Klar ist trotzdem: „Gesundheit geht vor und wir halten uns an die Regeln.“ Ihren 40. Geburtstag vor einigen Wochen verbrachte sie daher im engsten Kreis ihrer Familie, freute sich aber, dass Fotograf Ulrich Häfner genau an diesem Tag vorbeikam und von ihnen Fotos im Rahmen seiner Aktion „Porträt an der Haustür“ machte, „ein Highlight und eine schöne Erinnerung aus dieser außergewöhnlichen Zeit.“

Die allmählichen Lockerungen empfindet Hilke Schaust als schwierig und passt trotzdem immer noch auf. Ihre Kinder haben es gut aufgenommen, dass sie noch nicht auf den Rathausspielplatz gehen sollen. „Sie können auf den kleinen Spielplatz zwei Häuser weiter gehen. Der ist nicht so gut besucht. Gerade kleine Kinder vergessen es dann, Abstand zu halten“, weiß die erfahrene Mutter. Gespannt sind sie daher auch auf die Schule, die für alle drei Kinder in den nächsten Wochen schrittweise wieder startet. „Im Moment haben sie noch Respekt davor, wieder in die Schule zu gehen.“ Gut ausgerüstet sind sie auf jeden Fall, denn Hilke Schaust hat für die ganze Familie und Freunde Masken genäht. pw

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