Burgverein präsentiert Luise I.

Luise Victoria Genseke und Nicole Mackovic über den Dächern der Eppsteiner Altstadt.    Foto: Beate Schuchard-Palmert

Luise Victoria Genseke und Nicole Mackovic über den Dächern der Eppsteiner Altstadt.    Foto: Beate Schuchard-Palmert

Sie ist groß, blond und hat ein gewinnendes Lächeln: „Die perfekte Wahl für unser erstes Eppsteiner Burgfräulein“, freute sich der Burgvereinsvorsitzende Ramon Olivella als er am Montag das Geheimnis lüftete und die 17-jährige Luise Viktoria Genseke aus Alt-Eppstein als erste Vertreterin des neu geschaffenen Ehrenamts vorstellte.

 „Zum 50. Vereinsjubiläum wollen wir eine neue Tradition ins Leben rufen“, betonte Olivella. Seit fast einem Jahr arbeite er daran. Im Dezember habe er durch Zufall Nicole Mackovic kennengelernt und sie gefragt, ob sie ihn als Mentorin bei der Suche und Betreuung eines Burgfräuleins unterstützen wolle. Die Grundschullehrerin an der Burg-Schule war sofort begeistert. Die 30-Jährige ist, wie das neue Burgfräulein, in Eppstein aufgewachsen. Sie sprach Luise vor einigen Wochen beim Bäcker im Supermarkt an der Staufenstraße an. Dort bessert die 17-jährige Gymnasiastin ihr Taschengeld auf. „Ihr freundliches Lächeln und ihre offene Art, auf die Kunden zuzugehen, hat uns beiden sofort gefallen“, erzählten Olivella und Mackovic, wie sie die geeignete Kandidatin entdeckt haben.

Noch ist „Luise I. Burgfräulein zu Eppstein“ nicht inthronisiert. Das wird als offizieller Akt beim Burgfest gefeiert. Dann beginnt ihre einjährige Amtszeit. Voraussichtlich im Beisein des neuen Schirmherrn Philipp zu Stolberg-Wernigerode, dessen Familie nach dem Aussterben des Eppsteiner Adelsgeschlechts im 16. Jahrhundert einen Teil der Eppsteiner Burg geerbt hatte.

Burgfräulein Luise liebt Sport, Kunst und ihre Heimatstadt

Olivella hofft, dass auch aus der Schirmherrschaft eine neue Tradition entsteht.

Flyer und Autogrammkarten sollen Luises Gesicht und ihre Aufgabe bekannt machen.Eine silberne Krone sei in Arbeit und auch das Gewand muss noch angefertigt werden, verriet Mackovic. Der befreundete Burgverein Königstein hat fürs erste Jahr Unterstützung zugesagt. Noch in dieser Woche darf Luise mit ihrem Gefolge im Fundus der Roben der Königsteiner Gesellschaft nach einem geeigneten Gewand suchen. Künftige Majestäten will der Burgverein selbst einkleiden. „Aber im ersten Jahr ist so vieles vorzubereiten, da sind wir sehr dankbar für diese Unterstützung“, räumt Olivella ein. Denn mit der Samtrobe allein sei das Outfit noch nicht fertig: „Erst mit passendem Schmuck, Frisur und Kosmetik ist es perfekt.“ Ohnehin rechnet der Verein damit, dass er für Repräsentation und Veranstaltungsbesuche ein Budget von rund 5000 Euro benötigt – „für weitere Unterstützer sind wir deshalb sehr dankbar“, betont Olivella. Für Interessenten und Sponsoren gibt es einen E-Mail-Kontakt unter burgfraeulein[at]burgverein-eppstein[dot]de.

Ihre ersten Honneurs haben Burgfräulein Luise I. und ihr Hofstaat schon hinter sich. So repräsentierten sie, wenn auch noch inoffiziell, Eppstein beim Burgfest in Königstein. Zum Empfang der Hessischen Hoheiten im September bei Ministerpräsident Boris Rhein in Wiesbaden ist Luise auch schon eingeladen. Ihr zur Seite stehen Freund Daniel Albers als Junker und Maribel Bosmann als Hofdame. Maribel wohnt in der Nachbarschaft und ist Luises beste Freundin. „Für uns war es wichtig, dass sich das Trio gut versteht“, schaut Olivella großzügig darüber hinweg, dass Luises Freund Daniel aus Marxheim kommt. Wichtig ist dem Burgverein, dass die junge Frau eine begeisterte Eppsteinerin ist – überzeugend versichert sie: „Ich kenne hier jeden Winkel und viele Menschen.“ Den Blick vom Kaisertempel liebe sie ganz besonders.

Mit der Geschichte der Herren von Eppstein und der Burg will sie sich in den nächsten Wochen noch eingehend beschäftigen. Bis vor Kurzem, genauer gesagt, bis zu einer Knieverletzung, spielte sie Handball bei der TSG und ist aktuell noch in der Jugendvertretung der evangelischen Emmausgemeinde. Beim Burgverein hat sie auch schon tatkräftig mitgeholfen, als am Wochenende noch Hilfen für die Arbeit am Bewirtungsstand im Ostzwinger gesucht wurden. Sie freue sich auf ihre neue Aufgabe als Repräsentantin des Burgvereins. Olivella erhofft sich davon einen Schub für seinen Verein. „Der Burgverein versteht sich als reiner Förderverein zum Erhalt der Burg. Mit dem Burgfräulein wollen wir uns eine neue Identität stiften, den Zusammenhalt im Verein stärken und neue Zielgruppen für den Verein erschließen“, fasst Olivella zusammen, was er sich von der neuen Institution erhofft.

Bestenfalls, so Mackovic, entstehe mit den Burgfräulein eine neue Familie innerhalb des Burgvereins. In Königstein sei das so, die Burgfräulein steigen nach einem Jahr in den Rang einer Burgdame auf und integrieren meistens ihre gesamte Familie.

Luise hat gerade die elfte Klasse abgeschlossen. Ihre Lieblingsfächer seien Sport und Kunst. Sprachen, sagt sie, liegen ihr mehr als Naturwissenschaften. Als Leistungskurs habe sie Deutsch gewählt und könne sich vorstellen, nach dem Abitur zu studieren und einen sozialen Beruf zu ergreifen. bpa

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