Home | Gesellschaftsleben

Burgschauspieler haben den Film als Medium für sich entdeckt

Für ihr Filmprojekt setzen die Burgschauspieler gemeinsam mit den sonst unsichtbaren Helfern hinter den Kulissen ihre Begeisterung für die Freilichtbühne der Burg in Szene. Fotos (3): privat

Auch Ritter Eppo kann nicht daran rütteln: Die Burgfestspiele fallen aus. Am vergangenen Wochenende wollten die Burgschauspieler sie eigentlich mit der Premiere ihres neuen Stücks „Arsen und Spitzenhäubchen“ eröffnen.

Stattdessen ist die Truppe um die beiden Vorsitzenden Juliane Rödl und Volker Steuernagel unter die Filmemacher gegangen und nutzte den Premierensamstag für Dreharbeiten bei der Eppsteiner Zeitung. Gefilmt wurde vor und im historischen Rathausgebäude von 1902, das seit 1972 Sitz des Verlags ist. Redaktionsräume, Schneidemaschine, das ehemalige Bürgermeisterbüro und die alten Bleilettern wurden zur Kulisse für eine Liebesgeschichte, Geschäftsführerin Julia Palmert und Redakteurin Beate Palmert-Adorff als strenge Chefinnen eines verträumten Praktikanten, gespielt von Valentin Wedekind, mitten drin im Geschehen.

Im Rahmen des alternativen Kulturprogramms der Stadt produzieren die Schauspieler zurzeit drei Kurzfilme mit der Wiesbadener Produktionsfirma Kazawa Medien. Gedreht wird an den unterschiedlichsten Orten: Ein Überfall auf die Filiale der Nassauischen Sparkasse in Alt-Eppstein mit Juliane Rödl und Peter Ungeheuer als Gaunerpärchen ist schon im Kasten. Harald Koch vom Naspa-Team „hat seine Rolle super gespielt“, lobt Rödl.

Percuma-Chef Markus Rösmann verwandelte seine Eventlocation im Gewerbegebiet West Am Quarzitbruch in eine stylische Bar und servierte Phantasie-Cocktails. Am kommenden Wochenende setzt das Filmteam Christopher Zahlten und Florian Kannengießer den Kaisertempel in Szene. In einem weiteren Film wird das Musikschulhaus zum Treffpunkt einer geheimnisvollen Gesellschaft. Alle drei Filme greifen Motive oder Kostüme aus früheren Inszenierungen der Burgschauspieler für die Burgfestspiele auf. Das Gespenst eines Ritters geistert ebenfalls durch alle Produktionen und weist auf die Wurzeln der Truppe hin, deren Heimat auch weiterhin die Burg ist.

Die beiden Filmemacher kennen die Burgschauspieler von früher. Als sie 2013 ihre Produktionsfirma Kazawa gründeten, wohnten beide noch in der Burgstadt. Sie drehten Imagefilme für Vereine und arbeiteten beim Film „Peanuts“ schon mit den Burgschauspielern zusammen.

Auch nach inzwischen fünf oder sechs Drehtagen wundert Rödl sich immer noch, wie viel Aufwand nötig ist, „um einen drei bis vier Minuten langen Kurzfilm zu drehen: Mindestens zwei Drehtage an unterschiedlichen Filmorten, die Nächte, in denen das Drehbuch geschrieben wurde, nicht eingerechnet. Die Suche nach Kostümen, Requisiten und Drehorten wird durch soziale Medien erleichtert, weil mit einer Anfrage gleich ein Dutzend Menschen zum Mitdenken aufgefordert werden.

Aber dann fehlte am Morgen des Drehtags ein wichtiges Requisit: Der Lippenstift von Kristin Seemayer, der Hauptdarstellerin von „Gefundene Liebe“. Schnell war klar: Vermutlich hat sie ihn in ihrer Handtasche. Das Warten bis sie telefonisch erreicht und das dringend benötigte Utensil abgeholt wurde, überbrückte der Rest der Truppe mit Kaffee und belegten Brötchen vom Catering-Team Bianca Tatzelt und Katrin Thunig.

Drehbücher für zwei weitere Filme liegen in der Schublade. Die Ideen scheinen Burgschauspieler Benjamin Peschke, der alle fünf geschrieben hat, nicht auszugehen. In gut zwei Wochen wollen die Schauspieler die ersten drei Filme über Youtube ins Netz stellen: „Auf allen Kanälen“, versprechen sie in ihrem Teaser, der Ronny Skowronnek als Ritter zeigt, der verzweifelt am Burgtor rüttelt und es schließlich mit einem Tritt öffnet.

Von den Produktionskosten übernimmt die Stadt 7500 Euro, die Burgschauspieler geben 2500 dazu. Sie hoffen, dass die amüsanten Geschichten, die ihre Kurzfilme erzählen, dem Publikum und möglichen Sponsoren so gut gefallen, dass sie damit Geld für weitere Filme einwerben können. Denn solange keine Aufführungen möglich sind, sehen die Burgschauspieler die Dreharbeiten als willkommene Alternative. Die Sehnsucht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen sei groß, sagt Rödl. Da kam die Anfrage der Stadt nach Ideen für ein alternatives Kulturprogramm genau richtig. „Denn die Themen für unsere Filme liegen buchstäblich auf der Straße“, sagt die Wahl-Eppsteinerin. „Pittoreske Schauplätze und talentierte Schauspieler haben wie genügend.“

In den Probestunden per Video, mit denen die Burgschauspieler während des Corona-Lockdowns Kontakt hielten, haben die Schauspieler erste Erfahrungen damit gemacht, wie unterschiedlich Mimik und Gesten eingesetzt werden, je nachdem, ob sie für die Bühne gedacht sind oder für eine Nahaufnahme.

Das Spannungsfeld zwischen filmischer Arbeitsweise bei den Aufnahmen und klassischer Theaterarbeit mache die Arbeit so abwechslungsreich, sagte Rödl. Das Drehbuch gibt zwar Handlung, Orte und Dialoge vor, an den Details, Mimik, Tonfall, Blickwinkel wird während der Dreharbeiten noch intensiv gefeilt. Weitere Infos gibt es auf der Homepage www.burgschauspieler.de.          bpa

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

IHH, „Eppsteiner Macher“ und Stadt bieten Rat und …
13 Wochen 1 Tag
Wiederaufforstung ist eine Aufgabe für …
13 Wochen 5 Tage
Wiederaufforstung ist eine Aufgabe für …
14 Wochen 3 Tage
Wiederaufforstung ist eine Aufgabe für …
14 Wochen 3 Tage
IHH-Chef fordert Klarheit für Mittelstand
14 Wochen 6 Tage
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert