Bürgerstiftung mit neuer Chefin an der Spitze

Christina Cantzler und ihre Nachfolgerin Eva Waitzendorfer-Braun als Vorsitzende der Eppsteiner Bürgerstiftung.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Christina Cantzler und ihre Nachfolgerin Eva Waitzendorfer-Braun als Vorsitzende der Eppsteiner Bürgerstiftung.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Nach acht Jahren sei es Zeit für einen Generationswechsel, sagt Christina Cantzler, die den Vorsitz der Bürgerstiftung im Dezember an Eva Waitzendorfer-Braun abgegeben hat.

Die 65-jährige promovierte Kunstwissenschaftlerin Christina Cantzler kam 2010 in den Stiftungsbeirat und folgte 2017 Christian Weiser als Vorsitzende des Stiftungsvorstands. Nun sei es an der Zeit für eine neue Generation und für neue Ideen, sagt Cantzler. Sie will sich künftig auf ihre Arbeit als Leiterin der Stadtbücherei konzentrieren und bleibt als Mitglied im Stiftungsbeirat auch weiterhin in der Bürgerstiftung aktiv.

Eva Waitzendorfer-Braun lebt seit 2012 mit Ehemann Peter und den beiden inzwischen 18 und 16 Jahre alten Kindern in Eppstein. Nahezu von Anfang an engagierte sie sich in ihrer neuen Heimatstadt, zunächst in der CDU, für die sie auch im Stadtparlament sitzt. Nach der vorigen Kommunalwahl wurde sie außerdem zur Ortsvorsteherin in Alt-Eppstein gewählt. Beruflich arbeitet die 51-jährige Volljuristin bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt im Vergaberecht.

Von Frau zu Frau: Wechsel im Vorstand

Erste Berührung mit der Bürgerstiftung hatte Eva Waitzendorfer-Braun, als sie vor gut zwei Jahren die Sammlung für die Weihnachtshilfe von Martin Alberts übernahm.

Als neue Vorstandsvorsitzende will sie die Bürgerstiftung keinesfalls umkrempeln. Gemeinsam zählen die beiden Frauen wichtige Projekte der Bürgerstiftung in den vergangenen Jahren auf: Allen voran der von der Freiwilligen Feuerwehr Vockenhausen initiierte Spendenaufruf 2018 für die damals achtjährige Xhenisa aus Vockenhausen. Das Mädchen litt unter einem Tumor, der nur in einer Spezialklinik in den USA operiert werden konnte. „Der Zusammenhalt in der Stadt war unglaublich“, sagt Cantzler und erinnert sich an das enorme Spendenaufkommen.

Weit über 15 000 Euro kamen zusammen, mit denen vor allem Reise- und Unterkunftskosten finanziert wurden. Auch in anderen Notfällen habe die Bürgerstiftung schnell und unbürokratisch ihr Spendenkonto zur Verfügung gestellt, erinnert sich Cantzler, zum Beispiel nach der Brandkatastrophe 2016 in der Burgstraße oder dem Hochwasser 2014 in Niederjosbach.

Die Sammelaktion „1000 Bäume für den Stadtwald“ war ein Riesenerfolg: Bis heute kamen über 25 000 Euro zusammen für Aufforstungsprojekte nach den drei Dürre­jahren nach 2018.

Auch für die Stadtbücherei sei die Bürgerstiftung seit vielen Jahren ein wichtiger Garant dafür, dass Cantzler im Frühjahr Neuerscheinungen erwerben kann, weil die Stiftung ihr Geld dafür gibt. Denn die Stadt konnte wegen der späten Genehmigung des Haushalts ihre freiwilligen Leistungen häufig erst spät im Jahr auszahlen.

Auch bei der aktuellen Spendenaktion „1000 Bücher für die Stadtbücherei“ stellt die Bürgerstiftung ihr Konto zur Verfügung. „Die Bücherei, die nahezu ehrenamtlich geführt wird, ist ein ungeheurer Gewinn für die Stadtgesellschaft“, ist auch Waitzendorfer-Braun überzeugt und beobachtet in der Gesellschaft ganz allgemein „einen Trend zum Buch“, den die Stiftung fördern möchte. Der Jugendpreis, den die Stiftung einmal im Jahr vergibt, sei eine tolle Aktion, ebenso die Weinprobe zur Kür des Bürgerweins.

Auf der Strecke geblieben sind die jährlichen Projekte in der Seniorenresidenz, die Leitung habe laut Waitzendorfer-Braun kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit, oder der Berufsfindungstag an der Freiherr-vom-Stein-Schule.

Waitzendorfer-Braun startet mit zum Teil altbewährten Stiftern und mit einigen Neueinsteigern. „Eine tolle Mischung“, sagt sie, „zusammen sind wir ein engagiertes und harmonisches Team, das über neue Ideen heftig diskutiert, sich aber auch einigen kann und konkrete Beschlüsse fasst“, sagt sie.

Das Marketing will Waitzendorfer-Braun neu aufstellen, um die Bürgerstiftung und vor allem ihr breites Spektrum an Themen über Bildung, Integration, Soziales, Umwelt- und Naturschutz, Kultur und Sport bei den Eppsteinern bekannter zu machen. Sehnlichst erwartet wird von Vorstand und Beirat die endgültige Entscheidung des Regierungspräsidenten zu ihrem Antrag, die Höhe der Zustiftung von 1000 auf 250 Euro zu senken. „Seit drei Jahren ist die Stiftung dran“, sagt die neue Vorsitzende.

Mit der niedrigeren Summe will die Stiftung Zustifter gewinnen. Ein neues Projekt, das die Stadtgemeinschaft zusammenbringt, könnte zusätzlichen Schwung geben und die Stiftung bekannter machen. Ein konkretes Projekt gebe es jedoch noch nicht, sagt Waitzendorfer-Braun: „Das will ich auf mich zukommen lassen.“bpa

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben


X