Acht junge Männer gründeten 1851 den Gesangverein Sängerbund

Das historische Foto zeigt den Festzug bei der 60-Jahr-Feier im Jahr 1911, vermutlich auf der heutigen Weingasse. Fotos: Vereinschronik

170 Jahre ist es her, dass acht junge Männer aus Vockenhausen um Johanni 1851, den 24. Juni, den Gesangverein Sängerbund gründeten. Sie stellten sich der Aufgabe, den Volksgesang zu fördern. Lehrer Horst übernahm die Chorleitung.

Zur damaligen Zeit wurde großen Wert auf steten Besuch der Gesangstunden und Pünktlichkeit gelegt. Das unentschuldigte Ausbleiben bei Proben und das Zuspätkommen wurde mit Geldstrafe geahndet.

Die Gesangsproben fanden in den ersten Jahrzehnten in der Schule in Vockenhausen (heute Goldbachapotheke) und später im Gasthaus „Zum Grünen Wald“ (heute Pflegedienst Lilie) statt. 1895 schloss sich der Verein dem Nassauischen Sängerbund an. Mit zunehmender Chorstärke wurde ein größerer Proberaum notwendig. Dadurch bedingt wechselten die Sänger 1903 in das Gasthaus „Nassauer Hof“ in der Hauptstraße. Zuletzt war der Gasthof „Zum Taunus“ (Mohr) das Probenlokal, das aber im vergangenen Jahr seine Pforten schloss. Der Verein hat seit August 2020 nun im Vereinsraum des Rathauses I eine neue Heimat gefunden.

Aus der Chronik des Vereins hebt der Sängerbund einige Daten und Fakten hervor. In beiden Weltkriegen kam das Vereinsleben zum Erliegen, wurde aber danach wieder aufgenommen. 1948 trafen sich 30 Sänger zur ersten Chorprobe im damaligen Vereinslokal „Nassauer Hof“ wieder. 1951 feierte der Verein zu Beginn des sich abzeichnenden Wirtschaftswunder-Jahrzehnts sein 100-jähriges Bestehen in einem großen Festzelt mit einem Festkommers.

Den Fackelzug durch die geschmückten Straßen des Ortes führten 120 Sänger befreundeter Vereine, Blas- und Spielmannszüge an. Am 26. Mai 1957 bekam der Verein die Zelterplakette verliehen, eine staatliche Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich um die Chormusik und das Volkslied verdient gemacht haben. Ein Kurier aus Köln überreichte die Auszeichnung und überbrachte die Grüße des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss.

1967 fand erstmals der Pfingstmontagfrühschoppen statt, der bis vor ein paar Jahren fester Bestandteil der Vereinsaktivitäten war. Am 14. August 1975 wurde ein Kinderchor mit 60 Kindern gegründet. Nachwuchstalente wie Jürgen Menke und Sabine Kammer entwuchsen ihm, die bis heute aktiv dabei sind. Im darauffolgenden Jahr gründete sich ein Frauenchor, der ebenfalls vom damaligen Dirigenten Peter Josef Ernst geleitet wurde. 1981 fand die erste gemeinsame Kappensitzung mit dem Turn- und Sportverein in der Turnhalle in der Jahnstraße statt, eine erfolgreiche Veranstaltung, die viele Jahre überdauern sollte. 1988 übernahm mit Manfred Krieger ein neuer Dirigent die Leitung der Chöre. Heute leitet Konstantin Tomov Karklisiyski den Männerchor und Solveig Wagner den Frauenchor.

Der langjährige Vorsitzende Roland Häuber wurde 1992, also vor fast 30 Jahren, in sein Amt gewählt. Der Verein pflegt unter seiner Leitung das deutsche Volksliedgut, in alten oder auch in moderneren Versionen. Zum Repertoire der Chöre gehören Internationale Folklore, zeitgenössische Chorliteratur, geistliche Musik und Gospels. In den 1990er Jahren unternahmen die Chöre Chorfahrten, beispielsweise nach Italien und Spanien. Im Laufe vieler Jahre gab es eine Vielzahl von Veranstaltungen, die von den Chören besucht oder ausgerichtet wurden, so auch Freundschafts- und Wertungssingen, bei denen der Verein sich viele Preise ersang. Darunter waren 40 Erste-Klasse-Preise, 30 Erste Ehrenpreise, die Prädikate „Hervorragend“ und „Sehr gut bis Hervorragend“. Bei diversen Weinpreissingen gingen insgesamt 845 Flaschen Wein ein. Mit einer Jubiläumsausstellung zum 150-jährigen Bestehen erinnerte der Chor 2001 an seine lange Geschichte.

„Gerne hätte der Sängerbund auch den 170. Geburtstag des Vereins und den 45. Geburtstag des Frauenchores mit einem Konzert begangen, was aber pandemiebedingt 2021 nicht möglich ist“, bedauert Sprecherin Erika Zickwert.

Im nächsten Frühjahr wollen die beiden Chöre den Abschluss des Chorprojekts „Ab in den Süden“ mit einem großen Konzert feiern. Übrigens proben Frauen- und Männerchor in den Sommerferien weiter: „Wir hatten ja leider lange genug Ferien“, meint Erika Zickwert. EZ

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