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Weinfest heiter bis regnerisch

Vom Wetter ließen sich Robert Lange, Susanne Hartler, Yvonne Steinfurth und Wolfgang Büttner (v.li.) die Laune beim Weinfest nicht verderben.Foto: Beate Palmert-Adorff

Am Samstagnachmittag waren die Winzer und Weinhändler noch hoffnungsvoll: „Die Eppsteiner sind wetterfest, die kommen auch bei Regen“, vertraute Andreas Malchus vom Weingut Gräff-Schmidt auf die Treue seiner Stammkundschaft.

Tatsächlich füllten sich die Tischreihen im Laufe des Abends, bis gegen 20 Uhr, ausgerechnet zum Ende des gut besuchten Harfen-Konzerts in der Talkirche, ein heftiger Regenschauer einsetzte. „Der hat leider viele Konzertbesucher sofort nach Hause vertrieben“, vermutete IHH-Vize Thomas Dürrich, der von der Kombination Weinfest vor und Abendmusik hinter den Mauern der Talkirche an sich sehr angetan war: „Daraus könnten sich gute Synergie-Effekte ergeben“, meinte er mit Blick auf künftige Weinfeste.

Tatsächlich verschlug die Aussicht auf ein hervorragendes Konzert mit Harfenistin Ulla van Daelen Waldemar und Mariola Blaske sogar von Gießen nach Eppstein. „Dass wir dabei mitten in ein Weinfest geraten, ist eine tolle Zugabe“, waren sich die beiden einig. Geburtstagskind Waldemar Blaske ließ sich als Aperitif vor dem Konzert einen badischen Whisky beim Weinhaus Werner schmecken: „schön weich, mit einem Honigstich“, urteilte der Whisky-Liebhaber, bevor er sich mit seiner Frau zum Konzert verabschiedete.

Die Stimmung auf dem Platz vor der Talkirche war heiter: Viele Eppsteiner nutzten die trockenen Stunden für einen Abendschoppen. Susanne Hartler, „gebürtige Eppsteinerin“, wie sie betont, nahm ihren Bekannten Robert Lange – „Neu-Eppsteiner seit August“ – zu seinem ersten Altstadtfest mit.

Bringfriede Baier aus Vockenhausen hatte Freunde aus Hattersheim eingeladen. Sie trafen sich vor ihrem Lieblings-Weinstand des Weinguts Keller. Man kennt sich, Chefin Anja Seiler-Knodt begrüßte die Gruppe wie alte Bekannte. Sie wussten genau, welchen Wein sie trinken wollten: „Der Chardonnay und der Weißburgunder classic sind unsere derzeitigen Favoriten“, sagte Baier.

„Schwamm drüber“ bis zum Weinfest 2020

Bringfriede Baier bedauert, dass auch nach über 40 Jahren als vereinte Stadt Eppstein so wenige ihrer Nachbarn aus Vockenhausen den Weg zu Wochenmarkt oder Weinfest in Eppstein finden und umgekehrt, die Vockenhäuser bei ihren Festen gern unter sich bleiben.

Ein Stammwinzer hat diesmal abgesagt: Das Weingut Ritter war wohl unzufrieden mit seinem Platz, „kam aber nicht auf uns zu, dann hätten wir eine Lösung gefunden“, sagte Thomas Dürrich, er bedauere es, „ein Weingut, das von Anfang an dabei war und viele Stammkunden hat“, als Standbetreiber zu verlieren.

Dafür übernahm „Meine Freiheit“ aus Oestrich-Winkel den Stand. Das seit 2010 als Aktiengesellschaft geführte Weingut bereist ganz Deutschland mit seinen Ständen. Selbst auf Norderney habe man im Sommer an einem Weinfest teilgenommen und war am Wochenende auf zwei weiteren Festen vertreten, berichtete Lutz Hell, der im Ausschank stand.

Bodenständig vor der eigenen Haustür blieb Feinkosthändler Erhard Jauss mit Zwiebelkuchenverkauf: „Wir nehmen’s wie’s kommt“, sagte Ehefrau Jutta mit Blick zum regenverhangenen Himmel. Mundschenk Ramon Olivella ist auf den Umsatz in Eppstein angewiesen. Für seine Weinpresse im alten Verlagshaus ist der Verkauf beim Weinfest ein wichtiger Posten, mit dem er umsatzschwache Wochen des Jahres auffängt. „Schwamm drüber“, lautete sein Kommentar nach dem Wein-Wochenende.

Die benachbarte Vinothek „Mille Vini“ dagegen profitierte laut Inhaber Sergio Comin sogar vom Regen: „Ich hatte bis spät in der Nacht zu tun, weil viele Weinfestbesucher bei mir ein trockenes Plätzchen suchten.“ Diana Schmidt-Theis von der Boutique „Schönes und mehr“ hielt das Wochenende tapfer durch und verabschiedete sich am Montag in den Urlaub.

Thomas Dürrichs Bilanz fiel vor allem für den Sonntag deutlich schlechter als im Vorjahr aus. Einziger Trost: Selbst am Sonntag waren kontinuierlich rund 100 Besucher auf dem Platz.

Dürrich hat schon die nächsten Veranstaltungen des IHH im Blick. So müssen bis zum Weihnachtsmarkt EU-Verordnungen zur Hygiene an Verkaufsständen umgesetzt werden. Unter anderem fordert das Gesundheitsamt fließend warmes und kaltes Wasser, damit sich Personal im Stand die Hände waschen kann. Professionelle Standbetreiber wie die Weinhändler sind dafür ausgerüstet, nicht aber die vielen Vereinsfeste. Die Stadt hat bereits Abhilfe angekündigt. Laut Bürgermeister Alexander Simon will die Stadt zehn Thermo-Wasserbehälter mit Handwaschbecken zum Verleihen an die Vereine besorgen.

Kopfzerbrechen bereitet Dürrich eine weitere Forderung des Gesundheitsamts: So muss die „Verkaufseinrichtung von glatten, hellen, abwaschbaren Wänden und Decken umschlossen sein“. „Das sind Forderungen, die für einen Imbisswagen oder einen dauerhaften Verkaufsstand gerechtfertigt sein mögen“, sagt Dürrich, „aber für Vereinsfeste oder nur wenige Tage dauernde Veranstaltungen sind sie kaum umsetzbar“. Der Weihnachtsmarkt jedenfalls, so Dürrich, würde seinen Charme und seine einmalige Atmosphäre verlieren, wenn alle Versorgungsstände in einheitlich hellen, abwaschbaren Unterständen untergebracht werden müssen – das wäre das Ende der urigen Holzhütten. bpa

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Unsinnige EU-Richtlinie für Märkte

Nicht nur Kopfzerbrechen löst die Forderung des Gesundheitsamtes aus, zukünftig Verkaufsstände auf z.B. Weihnachtsmärkten mit weißen, abwaschbaren Wänden und Decken auszustatten, sowie warmes und kaltes Wasser für das Standpersonal bereit zu halten. Will man nun langsam aber sicher alles zerstören. Hygiene gut und schön, aber ein Markt ist kein Feinkostladen oder 4-Sterne-Restaurant. Hier sind überwiegend Vereine engagiert, die mit freiwilligen Helfern etwas Geld in die Vereinskasse erwirtschaften wollen. Mit solch unsinnigen Verordnungen macht man die kleinen Märkte und Veranstaltungen kaputt. Muss man eigentlich jeden Unsinn aus Brüssel in Deutschland gleich umsetzen? Sind wir sicher, dass solche Verordnungen in den anderen EU-Staaten umgesetzt werden? Ich denke nein. Da gibt es andere und wichtigere Aufgaben. Aber deutsche Behörden sind in dieser Hinsicht wohl mehr als übereifrig. Lasst uns die Märkte und Veranstaltungen so wie sie sind.

Dieter Hoffmann

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