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Neufville-Turm wird vom Schutt befreit

Um 1950 erhielt der Neufville-Turm einen zweiten Eingang an seiner Rückseite anstelle einer Brücke, die abgerissen wurde.

Wer zum Neufville-Turm im steil ansteigenden Waldstück hinter dem Bahnhof hinauf gestiegen ist, weiß, dass er keine gewöhnliche Baustelle vor sich hat: Allein der Transport der Container für den Bauschutt erfordert Geschick, um das Fahrzeug vom Theodor-Fliedner-Weg in einer scharfen Kurve auf die Zufahrt zum Turm zu lenken.

Sechs bis sieben Mal hat das Unternehmen dort bereits Container getauscht und Schutt abgefahren. Der Eppsteiner Peter Arnold organisiert die Arbeit mit einigen ehrenamtlichen Helfern. Sie haben zunächst den 1941 ausgebauten Dachraum über dem sogenannten Saalbau entkernt und das Gebälk des Walmdachs freigelegt. Für die staubigen Arbeiten benötigen die ehrenamtlichen Helfer FFP3-Masken. In Baumärkten sind sie ausverkauft, die Preise im Internet astronomisch. Peter Arnold (Telefon 70 70) hofft, dass Leser der Eppsteiner Zeitung weiterhelfen.

Die Sanitärobjekte des Badezimmers stehen noch wie verloren unter einem der Dachfenster. Die Zwischenwände und die Deckenverkleidung sind bereits herausgerissen und übers Dachfenster in den Hof geworfen worden. Denn der Wohnraum ist nur über die gewendelte Treppe im Fuß des Turms zu erreichen. Von dort geht es hinauf zur Turmplattform.

„Wir brauchen noch etwa zwei Arbeitstage, dann sind auch Sanitärobjekte und der Bodenaufbau weg“, schätzt Arnold. In den Außenwänden zeichnen sich die ursprünglichen Zinnen ab, die für den Ausbau zum Wohnraum für die früheren Pächter ausgemauert wurden. Arnold vermutet, dass sie ähnlich hoch waren wie die Zinnen an der Turmplattform. Er schließt daraus, „dass diese Fläche einmal als Terrasse genutzt wurde.“

Erbaut wurde der Turm 1894 im Auftrag des Frankfurter Bankiers Alfred von Neufville. 1933 kaufte die Stadt den Neufville-Turm als Aussichtsturm. Von seiner Plattform reicht der Blick weit über den Taunus. Die Pächter erhielten als Auflage, den Turm am Wochenende für Wanderer zu öffnen. Seit dem Auszug des vorerst letzten Pächters 2016 steht der Turm leer. Rund 70 Jahre nach dem vorigen größeren Umbau – um 1950 wurde die Brücke auf der Rückseite des Bergfrieds zu einer Außenterrasse abgerissen und an dieser Stelle ein separater Eingang zum Turm errichtet – sei es Zeit für eine Bestandsaufnahme und für ein neues Nutzungskonzept.

Ende 2019 gründeten Stadt und Verschönerungsverein eine Stiftung zum Erhalt des Neufville-Turms. Als erste Maßnahme wurde der Hang unterhalb der Miniatur-Burg gerodet. Der Turm stand ursprünglich auf einer freien Fläche. Deshalb sei kein Gartenarchitekt hinzugezogen worden, sagte Bürgermeister Alexander Simon auf Anfrage. Ein Lob zollt er dem ehrenamtlichen Bautrupp, der im „Turbo-Tempo“ den Anbau entkernt habe.

Für den Turm wurde Stephan Dreier aus Niederbrechen bei Limburg als Architekt in der Baudenkmalpflege mit der Aufnahme der Bausubstanz beauftragt. Seiner Einschätzung nach, so Arnold, der bei Besprechungen dabei war, sei die Substanz des Turms erstaunlich gut. Einige Schäden in den Mauerfugen müssen beseitigt werden. Sie entstanden beispielsweise an einem Gesims am Eingang, wo eine Birke aus dem Mauerwerk wuchs und mit ihren Wurzeln den Stein gesprengt hat. Auch am Zinnenkranz des Turms hat sich eine Fichte festgekrallt und wächst Trockenheit und Sturm zum Trotz. „Ganz gleich, was wir künftig am Turm machen, die Denkmalpflege hat immer ein Wort mitzureden“, weist Arnold auf mögliche Einschränkungen hin.

Nach der Entkernung des Wohnraums will Arnold mit seinen Helfern die Entwässerungskanäle rund um den Fuß des Turms inspizieren und von Unrat befreien. Sie sorgten vermutliche einst dafür, dass der Fuß des Turms trocken blieb. Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich in die Turmmauern sind ein Problem, das die Stiftung beseitigen muss, bevor sie über die künftige Nutzung nachdenkt. bpa

Einbruch auf Turmgelände

In Eppstein haben sich Einbrecher am ersten Maiwochenende oder kurz danach auf dem Gelände des Neufville-Turmes in Eppstein herumgetrieben und sind dabei in eine Garage eingebrochen. Erkenntnissen vom Tatort zufolge kamen die Täter über den Theodor-Fliedner-Weg zu dem Gelände und machten sich dann gewaltsam am Holztor einer Garage zu schaffen. Aus dieser entwendeten sie eine elektrische Säge. Zudem wurde versucht, eine Tür und mehrere Fenster aufzuhebeln. Der Gesamtschaden beläuft sich auf mehrere Hundert Euro. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer (0 61 92) 20 79-0 zu melden.

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