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400 Gäste kamen zur Einweihung des neuen Feuerwehrhauses

Am Sonntag parkten die Feuerwehrfahrzeuge vor der neuen Halle.Foto: bpa

Rund 20 Jahre lang wartete die Vockenhäuser Feuerwehr auf diesen Augenblick. So lange schon gibt es die Mängelliste über gesetzliche Mindestanforderungen für das alte Feuerwehrdomizil im Rathaus I in der Hauptstraße: Am vergangen Sonntag überreichte Bürgermeister Alexander Simon endlich ganz offiziell die Schlüssel für das neue Feuerwehrhaus an der Embsmühle: einen symbolischen mit goldenen Schnörkeln und langem Bart und die moderne Variante in Form eines codierten Chips.

„Es ist tatsächlich vollbracht“, meinte Simon zuvor bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste flapsig. Mit 250 Besuchern hatten die Gastgeber gerechnet, rund 400 kamen, um das neue Gebäude auch von innen zu besichtigen, darunter viele unmittelbare Nachbarn und die befreundeten Wehren aus Porta Westfalica-Holzhausen, und Viechtal in Österreich.

Auf einen, laut Simon, „geschichtsträchtigen Fußmarsch“ hatten sich am Tag zuvor schon bei strömendem Regen Feuerwehrangehörige, Kommunalpolitiker und interessierte Anwohner vom bisherigen Standort in der Hauptstraße 99 zum neuen Domizil begeben. 45 Jahre lang war die Feuerwehr im Untergeschoss des Rathauses I zu Hause.

Pünktlich zur offiziellen Einweihung des neuen Gebäudes schien am Sonntag die Sonne. In seiner Ansprache erinnerte Simon auch daran, dass der Neubau nicht unumstritten war. 2013 fiel der Grundsatzbeschluss, 2015 war Baubeginn. Von einer Investitionssumme von 2,9 Millionen Euro war damals die Rede. Nach Abschluss aller Arbeiten summieren sich die Kosten nun auf 3,7 Millionen Euro. Das Land förderte den Neubau mit gut 380 000 Euro. Mit einem Eigenanteil von 28 000 Euro finanzierte der Feuerwehrverein die Kücheneinrichtung und die IT-Ausstattung. Rund 3500 Stunden leisteten laut Stadtbrandinspektor Mario Mezga die Mitglieder der Feuerwehr bei der Inneneinrichtung.

Entstanden ist ein modernes Gebäude auf zwei Ebenen mit jeweils rund 250 Quadratmetern Platz für Schulungs- und Besprechungsräume, Kleiderkammer und Einsatzzentrale. In der rund 600 Quadratmeter großen Halle ist Platz für fünf Fahrzeugboxen, eine Waschhalle, Werkstatt und Hochregallager mit 50 Rollcontainern. Am Übungsturm auf dem großen Vorplatz werden künftig beispielsweise Einsätze mit der in Vockenhausen stationierten Drehleiter geübt. Auf dem Gelände stehen insgesamt 45 Parkplätze zur Verfügung.

Von den fünf Stadtteilwehren stellt Vockenhausen mit 64 Aktiven mit Abstand die größte Einsatzabteilung. Ausgelegt ist das Gebäude für 75 Einsatzkräfte. In der Umkleidekabine der Frauen wird’s aber jetzt schon eng: Für sie wurde eine Umkleide mit elf Spinden im Neubau eingeplant, „weil wir nicht damit gerechnet haben, dass der Frauenanteil so schnell ansteigt“, räumte Wehrführer Alexander Seiffen ein. Seit Sonntag zählt die Einsatzabteilung elf Frauen, da eine Besucherin die Gelegenheit nutzte, um der Feuerwehr beizutreten, berichtete Seiffen. In seinem Grußwort sagte Architekt Martin Hohm zuvor, er hoffe, dass das moderne Gebäude junge Menschen motiviere, der Feuerwehr beizutreten. Dass sein Wunsch so schnell in Erfüllung geht, hatte er vermutlich nicht erwartet.

Auch in der Jugendwehr stehen junge Frauen in den Startlöchern: Die beiden noch 15-jährigen Evelin Maul und Maria Riphahn haben in den vergangenen Wochen beim Einrichten des Jugendraums geholfen, der als Besonderheit ein Fenster zur Fahrzeughalle aufweist. Am Sonntag beantworteten sie dort Fragen der Besucher. Beide brennen schon darauf, mit 16 Jahren endlich ins Übergangsjahr vor dem Eintritt in die Einsatzabteilung zu kommen. Auch wenn der Frauenanteil weiter ansteigt, befürchtet Seiffen kein Raumproblem: „Wir haben jetzt so viel Platz, da finden wir schon eine Lösung.“

Auch Innenminister Peter Beuth war zur offiziellen Übergabe des Neubaus gekommen. Er sei eine Investition in die Zukunft der Wehr, sagte er und lobte insbesondere die Schulungsräume für Kinder- und Jugendliche. Der große Übungsraum im Obergeschoss bietet Platz für 120 Personen und kann mit einer mobilen Trennwand verkleinert werden. Die verschiebbaren Glastüren lassen viel Licht ein und sind Zugang zur großen Terrasse.

Im Mannschaftsraum ist dann doch ein wenig Nostalgie zu spüren: Feuerwehrmann Ingo Horn hat ein Foto von Franz Josef Webers Wandmalerei von 1979 aus dem alten Vereinsraum auf dem Computer bearbeitet und als Digitaldruck auf die Wand übertragen. „Wir konnten ja schlecht die ganze Wand mitnehmen“, meinte sein Bruder Rainer. Das Bild zeigt die Dorfkulisse von Vockenhausen mit dem ersten Feuerwehrhaus von 1934 in der Weingasse, im Hintergrund die Altstadt von Eppstein, im Zentrum einen lebensgroßen Florian, wie er gerade ein brennendes Dach löscht, und unter allem den Wahlspruch der Feuerwehr: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“

Zusammen mit dem neuen Haus nahm die Feuerwehr auch einen neuen Mannschaftstransportwagen in Betrieb. Der feuerrote Peugeot Boxer L2H2 ersetzt nach 17 Jahren das Vorgängerfahrzeug, das verkauft werden soll. Die Anschaffungskosten in Höhe von 52 000 Euro erwirtschaftete der Feuerwehrverein durch Spenden und Einnahmen bei Kerb und Vatertagsfrühschoppen. Genutzt wird das Fahrzeug für Fahrten der Kinder- und Jugendfeuerwehr, als Einsatzfahrzeug für den Zugführer, Versorgungsfahrten und für Fahrten der Alters- und Ehrenabteilung. Das 160 PS starke Fahrzeug mit einem Euro 6 Dieselmotor hat acht Sitzplätze. Mit rund 11 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr zählt der Mannschaftstransporter, so der Wehrführer, zu den am meisten genutzten Fahrzeugen der Feuerwehr. bpa

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