Ludwig Löber zum 100. Geburtstag

Altverleger Ludwig Löber wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden.

Ludwig Löber, Altverleger der Eppsteiner Zeitung und Heimatdichter, wäre am 30. Juni 100 Jahre alt geworden. Nach seinem Tod am 16. Dezember 2000 schrieb der damalige Bürgermeister Richard Hofmann in seinem Nachruf: „Er hat Eppstein geliebt“

– und traf damit den Kern von Ludwig Löbers Wesen: seine unerschütterliche Liebe zu seiner Heimatstadt Eppstein, in der er sein ganzes Leben verbracht hat, abgesehen von der Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft. Diese Liebe trug ihn sein ganzes Leben.

Als Ludwig Löber in den Gassen der Altstadt aufwuchs, zählte der „Flecken“ – Eppstein erhielt erst 1950 seine historischen Stadtrechte zurück – nicht einmal 1500 Einwohner. L.L., wie ihn die Eppsteiner liebevoll nach seinem Zeitungskürzel nannten, kannte jeden Eppsteiner und dank seiner Geselligkeit bei Stammtischen und als Herausgeber der Ortszeitung eingeborene und zugezogene Familien. Er nahm die Menschen und ihr Naturell wahr, erfasste die vielfachen Beziehungsgeflechte und die zahlreichen Formen des Zusammenlebens „und sah besonders das Komische, Tragische und Bizarre“, schrieb der damalige Stadtarchivar Bertold Picard, der Löber in seinem Nachruf im Dezember 2000 als „begeisterter Liebhaber der Vergangenheit Eppsteins und mitfühlender Freund aller Eppsteiner“ würdigte. Er hob Löbers Menschenfreundlichkeit und sein Wohlwollen für jedermann als wichtigen Wesenszug hervor.

Bei aller Zuversicht, die L.L. ausstrahlte, war er kein naiver Optimist, sondern wusste um den brüchigen, dünnen Grund, der die Gesellschaft hält und setzte ihr, so Picard in seinem einfühlsamen Nachruf, „sein tapferes und frohes ,Dennoch’ entgegen“.

Gelernt hatte L.L. noch vor dem Krieg Schriftsetzer in Frankfurt. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft 1948 begann er mit dem Wiederaufbau des Verlags, den sein Vater Franz Löber 1924 gegründet hatte und gab von 1949 bis 1986 den „Heimatboten“ heraus, der mit der Eingemeindung aller Stadtteile 1977 zur Eppsteiner Zeitung wurde. Woche für Woche druckte Ludwig Löber unter dem Kürzel L.L. aktuelle Berichte, nachdenkliche Betrachtungen, besinnliche Gedichte und historische Darstellungen. Mit Spannung erwarteten die Leser seine Fortsetzungsgeschichten aus dem alten Eppstein und spekulierten etwa über die Aufklärung eines historischen Kriminalfalls.

Diese Begeisterung seiner Leser – und die eigene Begeisterungsfähigkeit bewegten Löber dazu, das Stück „Die Stadterhebung“ für das Stadtjubiläum 1968 zu verfassen und mit Frauen und Männern aus Eppstein auf die Bühne zu bringen.

Dieser schon legendären Jubiläumsaufführung verdanken die Burgschauspieler ihre Gründung. Zu ihnen hielt Löber immer Kontakt und schrieb ihnen weitere Theaterstücke mit Eppsteiner Lokalkolorit auf den Leib, wie „Der Untergang des Hauses Eppstein“ oder „So e Schand“.

Auch die Stadtwache verdankt ihre Entstehung letztlich einer Idee von L.L. Während der Vorbereitungen fürs Stadtjubiläum 1968 sprach er Heinz Oppermann und die TSG-Handballer an, die sofort begeistert die Stadtwache mit ihren prächtigen Umhängen erfanden.

Ludwig Löber prägte die Eppsteiner Zeitung im wahrsten Sinn des Wortes: Die Berichte stammten aus seiner Feder und wurden von seiner Hand Letter für Letter im Bleisatz gesetzt, Korrektur gelesen, gedruckt und anfangs sogar selbst ausgetragen. Vor der Gebietsreform erschien „der Heimat-Bote um Rossert und Staufen“ in Alt-Eppstein und hatte Abonnenten in Vockenhausen. Tatkräftig unterstützt wurde L.L. von seiner Frau Marlene, die ihm den Rücken freihielt, wenn er sich in sein schallgeschütztes Denkerstübchen im Verlagshaus zurückzog, dem früheren Bürgermeisterzimmer im Alten Rathaus unterhalb der Burg.

Sein Zeitgenosse und Freund Hans Jakob Sauer setzte ihm 2004 ein Denkmal mit der Herausgabe des Büchleins „Eppstein in Bildern und Geschichten“ mit Zeichnungen von Sauer und Geschichten und Gedichten von L.L. in unserem Verlag. Auf den Jubiläumsgeburtstag sprach uns ein anderer Jubilar an: Claus Hilles, Erfinder und Ausrichter des Eppsteiner Burg-Laufs wurde am 30. Juni 75 Jahre alt.bpa

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