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90 Jahre St. Michael – der lange Weg zur eigenen Kirche

Die Fenster im Chor aus dem Jahr 1928.

Foto: Norbert Ziegler

Zum 90-jährigen Bestehen der St. Michael-Kirche Niederjosbach hat der 89-jährige Heimatforscher Johann Jungels für die Eppsteiner Zeitung einen Bericht geschrieben:

Religion und Kirchenzugehörigkeit bestimmten jahrhundertelang das Leben in Niederjosbach. Im Kurfürstentum Mainz waren alle Einwohner katholisch. Die Einwohner des benachbarten Nassau und des Herzogtums Hessen waren evangelisch. Mit der Übernahme der Regierung durch den Grafen von Stolberg 1529 wechselten die Einwohner von Niederjosbach den Glauben, denn der Regent war evangelisch. 1604 wurden sie wieder katholisch, weil die Mainzer Erzbischöfe 1581 die nördliche Hälfte der Herrschaft Eppstein übernahmen und bis 1803 regierten. Als Niederjosbach 1803 im Zuge der Säkularisierung nassauisch wurde, wurden die Menschen nicht mehr gezwungen, die Konfession zu wechseln. 

Noch heute sind 669, also mehr als ein Drittel, der 1880 Niederjosbacher römisch-katholisch. Ende 2017 waren außerdem 384 evangelische Christen gemeldet, 392 Einwohner, die keine Angaben zu ihrem Glauben machten, und 435 Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften. 

Seit 1196 gingen die Niederjosbacher sonntags nach Schloßborn zum Gottesdienst. Taufe, Kommunion, Hochzeit und Beerdigungen sind dort in den Kirchenbüchern registriert. Von Niederjosbach führte der Kirchenpfad, auch Totenweg genannt, nach Oberjosbach und weiter auf dem Pfarrweg nach Schloßborn. Als 1728 Oberjosbach zur katholischen Pfarrei erhoben wurde, besuchten die katholischen Einwohner der umliegenden Orte Bremthal und Niederjosbach, aber auch aus den nassauischen Orten Engenhahn, Königshofen, Lenzhahn, Niedernhausen und Vockenhausen sowie von vier Mühlen den Sonntags-Gottesdienst in Oberjosbach. 

Die Schule in Oberjosbach, bereits seit 1633 verbürgt, stand unter der Aufsicht des Pfarrers. Der Weg zur Schule war weit für die Kinder aus den Nachbarorten. Von Niederjosbach führte der Weg über die Obergasse und das Kirchstück. 1726 stellte Niederjosbach einen eigenen Lehrer ein, musste aber bis 1817 den Oberjosbacher Lehrer mitfinanzieren. Niederjosbach gehörte bis 1976 als letzte Filialgemeinde zu Oberjosbach und danach als Pfarrvikarie zum Pfarreienverband Eppstein. 

Seit dem späten 18. Jahrhundert drängten die Niederjosbacher darauf, ein eigenes Gottes-haus zu bauen und hielten Andachten an einem Feldkreuz, um diesen Willen deutlich zu machen. Eine großzügige Spende der kinderlosen Witwe des Wendelin Rauth an die katholische Kirche gab den Ausschlag. Ihr Anwesen und ihr Vermögen wurden der Grundstock für den Bau eines Gotteshauses. 801 Gulden und 20 ½ Kreuzer brachte das Vermögen ein. 

In den Jahren 1812/13 wurde das Gehöft der Witwe Rauth abgerissen und eine kleine Kapelle auf dem gestifteten Grundstück in der Kirchgasse errichtet. Den Altar erwarben die Bürger aus dem Kloster Eberbach. Die Niederjosbacher mussten sich nach dem Bau der Kapelle vorerst mit Andachten begnügen und weiterhin zur Messe nach Oberjosbach gehen. Erst zehn Jahre nach der Einweihung, am 10. August 1823, feierten die Niederjosbacher die erste heilige Messe in ihrer Kapelle. Am 15. Januar 1826 starb die Stifterin. Mit Pfarrer Franz Knörzer, der von 1821 bis 1856 wirkte, wurde sonntäglicher Gottesdienst möglich.

1843 wohnten in Niederjosbach 364 Katholiken und 16 Protestanten, die zur evangelischen Pfarrei Eppstein gehörten. Im gleichen Jahr kauften der Schulheiß Johann Dinges und der Lehrer und Organist Karl Denzer eine gebrauchte Orgel von der evangelischen Kirche in Eppstein. Das Instrument kostete samt Reparatur 270 Gulden und tat seinen Dienst bis zum Bau der neuen Kirche 1928 und wurde dann eingelagert. Im Jahre 1887 erhielt die Kapelle zwei neue Glocken. Sie waren dem Erzengel Michael und der Gottes Mutter geweiht. Eine Sakristei wurde 1909 angebaut. Niederjosbach wuchs, insbesondere seit dem Bau des neuen Bahnhofs. 1928 hatte der Ort 550 Einwohner. Die Kirche wurde zu klein. Ein neues Gotteshaus stand zur Debatte. Pfarrer Wilhelm Hesse, der 1927 die Pfarrei Oberjosbach übernahm, förderte dieses Denken und so wurde das Kirchlein nach dem Himmelfahrtstag, 17. Mai 1928, in Selbsthilfe abgerissen. Heinrich Boullion, geboren am 17. März, war der Letzte, der in der Kapelle getauft wurde.

Nicht zuletzt wegen des stabilen, felsigen Baugrundes, wurde die neue Kirche auf dem alten Fundament errichtet. Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Fundamente fanden die Arbeiter drei Skelette – möglicherweise Soldaten aus der Zeit der Napoleonischen Kriege oder Niederjosbacher, die aus der Zeit vor dem Kirchhofbau dort beerdigt wurden.

Die Bauarbeiten für die neue Kirche gingen zügig voran. Beauftragt wurde das Architekturbüro Hans und Christoph Rommel in Frankfurt. Am 8. Juli 1928 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Am 18. November 1928 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Die Bauarbeiten übernahmen ortsansässige Firmen. Die Niederjosbacher Steinbrüche aus dem Kammwald und Richtung Eppstein lieferten den grau-weißen Schiefer, den die Bauern kostenlos transportierten. Das Holz für das Gebälk stiftete die Gemeinde aus dem Wald Eichelberger Mark. Der Bau der Kirche hat eine Länge von 26,50 Meter, eine Breite von 13,50 und eine Gesamthöhe von 31 Meter. Drei senkrechte Lanzettfenster und Bänder aus dunkelrotem Ziegelstein unterbrechen das Natursteinmauerwerk des Westgiebels über dem Portal. Der Treppengiebel zeigt das griechische Christusmonogramm. Das Innere der Kirche ist als freitragende, lichtdurchflutete Halle gestaltet mit einer spitz zulaufenden Decke, ganz im expressiven Stil der damaligen Zeit, mit einem eingezogenen Chor mit einer spitzbogigen Nische. 

Drei Glocken riefen die Gläubigen von 1928 bis 1940 zum Gottesdienst. Dann beschlagnahmte der NS-Staat die beiden größeren Glocken. So rief bis 1956 nur die kleine St. Josefsglocke zum Gottesdienst. Bombenabwürfe zerstörten im Krieg die Fenster im Kirchenschiff. Die drei Fenster im Chor und die drei Fenster über dem Kirchenportal überstanden heil den Krieg. 

Die kurz nach dem Krieg notdürftig reparierten Fenster wurden bei einer Renovierung der Kirche in den 1950er Jahren neu gestaltet und bleiverglast, der aus der Vorgänger-Kapelle stammende Kreuzweg wurde überarbeitet. Auch die seit Jahren eingelagerte Orgel wurde wieder aufgebaut und bis 1970 genutzt. Dann wurde sie durch ein neues Instrument aus der Werkstatt Foerster und Nikolaus in Lich ersetzt.

1956 kaufte die Kirchengemeinde zwei neue Glocken. Bauunternehmer Fritz Biron spendete die 450 Kilogramm schwere Marienglocke. Die 640 Kilo schwere St.-Michaels-Glocke wurde durch Spenden der Niederjosbacher bezahlt. Gegossen hat die Glocken die Glockengießerei Otto in Bremen. Der Klang der 310 Kilo schweren Josefsglocke wurde an das Geläut angepasst. Die Glocken kamen mit der Eisenbahn nach Niedernhausen. Zwei Bauern holten sie auf geschmückten Fuhrwerken ab. Zimmerleute hievten sie in den Dachreiter. An der Glockenweihe am Sonntag, 30. September 1956, nahm das ganze Dorf teil. Erstmals sangen die beiden rivalisierenden Gesangvereine Tau-nusliebe und Sängerlust gemeinsam.

1962 erhielt das Gotteshaus einen Taufstein in einer Nische im hinteren Teil des Kirchenschiffes. Das Zweite vatikanische Konzil brachte bauliche Änderungen im Chorraum. Der Altar wurde 1966 umgedreht. Jetzt zeigte der Pfarrer bei seinen Handlungen den Gläubigen sein Gesicht. Die Kanzel wurde durch einen Ambo, ein Lesepult, ersetzt, der Taufstein im Mittelgang des Kirchenschiffs aufgestellt. Die Figur des Kirchenpatrons, der Heilige Sankt Michael, hat seinen Platz an der Stirnwand des Chorraumes. Die Erneuerung des gesamten Kirchendachs einschließlich des Dachreiters in Naturschiefer war im Jahren 2000 die letzte, größere Baumaßnahme. Auf der Empore zu sehen ist der Flügelaltar der alten Kapelle.

Die St. Michael-Kirche Niederjosbach, die größte Kirche im Stadtgebiet, dient auch als Konzertsaal. Der Förderverein St.-Michael Niederjosbach trägt wesentlich zur Unterhaltung der Kirche und des Gemeindezentrums bei. 

 

Niederjosbacher feiern  90 Jahre St. Michael-Kirche

Niederjosbachs Katholiken feiern 2018 das 90-jährige Bestehen der St. Michael-Kirche mit Gottesdiensten, Musik und Gemeindefest. Als nächster Termin im Jubiläumsjahr steht die 20-Jahr-Feier der Kinder- und Jugendbücherei am Dienstag, 10. April, um 15.30 Uhr auf dem Programm. 

Die neue Reihe „Abendlied“ in der St. Michael-Kirche wird ausnahmsweise an einem Montag fortgesetzt: Am 7. Mai um 18 Uhr kommt das Trio Chrigati mit Christine Hirmer, Sopran, Gabriele Schmitthenner, Mezzosopran und Christine Riedel, Alt. 30 Minuten innehalten und zur Ruhe kommen bei Musik, Liedern und kurzen Texten gibt es dann wieder am Freitag, 24. August, um 18 Uhr mit Martin Hublow, Blockflöte und Birgit Schmickler am Cembalo und am Freitag, 16. November. 

Im Zeichen des Kirchen-Jubiläums stehen Gemeindefest und Gottesdienst am Sonntag nach Fronleichnam, 3. Juni. Das Kirchweihfest am Sonntag, 7. Oktober, wird mit einem Festgottesdienst und am Nachmittag mit einer Kirchenführung auf den Kirchenbau eingehen. 

Der Tag der Grundsteinlegung am 8. Juli fällt dieses Jahr auf einen Sonntag und soll gewürdigt werden. Das Programm steht noch nicht fest.

Der Förderverein unterstützt den Kinderchor „Instrument Stimme“ bei seinem ehrgeizigen Plan, ein Musical zu inszenieren. Die Aufführung ist für Samstag, 16. Juni, geplant. Eine Neuauflage des Neujahrskonzerts ist am 4. Januar 2019 vorgesehen. Der Förderverein will wieder den Chor Colcanto aus Frankfurt verpflichten.

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