Norbert Brandmeier hilft seit 40 Jahren beim Meilerbau mit

Torsten Rausch und Norbert Brandmeier (v.l.) sind ein eingespieltes Team und beim Meilerfest des MSC seit Jahren als Köhler im Einsatz.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die Köhlerei hat in Ehlhalten eine lange Tradition. Glaubt man der neuen Infotafel, die zum 40. Kohlemeilerfest an der Weggabelung im Silberbachtal aufgestellt wurde, stellten die Ehlhaltener bereits im 13. Jahrhundert im Silberbachtal und Richtung Oberjosbach Holzkohle her, ...

... die zur Eisenverhüttung in der Region oder in den Glasbrennereien in Glashütten benötigt wurde. Bis in die 1930er Jahre wurde die Köhlerei von den Ehlhaltener Bauern im Nebenerwerb betrieben, denn nur von der Landwirtschaft auf den kargen Böden konnten sie ihre Familien nicht ernähren. In den 1970er Jahren baute Köhler Jochen Janzeli wieder Kohlenmeiler im Nonnenwald auf und stellte hochwertige Holzkohle her.

1983 ließen die Ehlhaltener die alte Tradition zur 750-Jahr-Feier Ehlhaltens samt Kohlemeiler wieder aufleben und feierten das erste Kohlemeilerfest an der Dattenbachhalle. Der MSC holte Jochen Janzeli als Meiler-Experten hinzu. Auf einer Wiese mitten im Ort unterhielt er während des einwöchigen Festes einen Kohlemeiler.

Mit dabei und bis heute im Kohlemeiler-Team aktiv ist der Ehlhaltener Norbert Brandmeier.Stolz präsentiert er den Jubiläumsbembel, der einen Kohlenmeiler als Emblem zeigt und den der MSC eigens für das 40. Kohlemeilerfest anfertigen ließ „Beim ersten Meilerfest war ich gerade 21 Jahre alt und noch bei der Bundeswehr“, erinnert sich der heute 62-Jährige. Deshalb war er damals nur beim Aufbau und am Wochenende darauf beim Öffnen dabei. Während der Woche war er in Kemel bei Bad Schwalbach stationiert. Seit einem Jahr ist der Elektriker in Altersteilzeit. Vorher musste er bei seinem Arbeitgeber, der Syna, für eine Woche Aufbau und eine Woche Meilerwache Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. „Das funktioniert nur, wenn die Familie dahinter steht“, sagt Brandmeier, der in Ehlhalten aufgewachsen ist und bis heute im Elternhaus wohnt, das er nach seiner Hochzeit aufgestockt hat.

Schon als Kind habe ihn die Köhlerei fasziniert, sagt Brandmeier: „Wir sind oft in den Nonnenwald gelaufen, um nach Jochens Kohlemeiler zu gucken.“ Die 750-Jahr-Feier 1983 beschäftigte nahezu den ganzen Ort. „Mein Part war damals schon der Meiler“, erinnert sich Brandmeier. Seitdem war er bis auf ein Jahr bei jedem Meiler dabei, und lernte von Jochen Janzeli und später von dessen Nachfolger Ortwin Walther das Köhlerhandwerk.

Auch seine Ehefrau Uli lernte Brandmeier – wie sollte es anders sein – am Kohlemeiler kennen. Das war 1988. 1993 haben die beiden geheiratet. Von Anfang an half Uli mit und organisierte einige Jahre lang die Cocktailbar. „Ohne ihre Unterstützung wäre ich nie so lange dabei geblieben“, ist Brandmeier überzeugt.

Mitglied beim MSC wurde er mit Sohn Jan, der als Kind acht Jahre lang Kart gefahren ist. „Damals waren unsere Wochen genau getaktet: Samstags und sonntags waren Wettkämpfe, danach wurde der Schrott eingesammelt, montags Ersatzteile geholt und das Fahrzeug bis zum nächsten Training am Freitag wieder zusammengebaut“, erinnert er sich lachend.

Seit etwa 20 Jahren ist er zusammen mit Torsten Rausch für den Meiler verantwortlich. „Einer muss beim Aufbau das Sagen haben“, sind sich die beiden einig. Als der Ruhigere von beiden überlässt Norbert Brandmeier Torsten Rausch oft das Kommando. Diesmal kamen acht Helfer zum Aufbau. „Das war super“, freuen sich die beiden. Es bedeutete aber auch, dass mindestens zwei Augenpaare darauf achten müssen, dass das Holz rund um den zentralen Schacht dicht gesetzt wird. „Zwischen den einzelnen Holzscheiten darf keine Luft sein“, betonen beide. Außerdem muss der Meiler die richtige Neigung haben, darf nicht zu steil und nicht zu flach sein. Für den 40. Meiler wurden knapp 19 Festmeter Holz gesetzt, Buche vom Spitze Berg Richtung Schloßborn, das die Mitarbeiter von MB Baumdienste zum Festplatz am Silberbach transportierten.

Vor dem Anzünden wird das aufgeschichtete Holz mit Erde abgedichtet, die bis zum Öffnen des Meilers immer wieder feucht gehalten wird, damit das Holz im Inneren zu Kohle verglüht, aber niemals zu brennen beginnt. Das kann bis zu zwei Wochen dauern. Das Warten lohnt sich, „Holzkohle von solcher Qualität ist nicht mit der Billigware im Supermarkt zu vergleichen“, betonen die beiden Köhler stolz und erklären besonders den jungen Besuchern gern, dass reine Holzkohle als Filter oder auch in der Medizin verwendet wird. Dieses Jahr kamen der gesamte zweite Jahrgang der Burg-Schule und zwei Kita-Gruppen zum Meiler gewandert.

Spannend sei in jedem Jahr die Suche nach einer anderen Persönlichkeit, der die Ehre zuteil wird, den Meiler am Freitag vor Fronleichnam zu entzünden. Diesmal fragte der MSC bei Hendrik Bickel an. Der Förster im benachbarten Staatsforst, dessen Gebiet jenseits des Silberbachs beginnt, wohnt in Ehlhalten. Der Kontakt entstand im Frühjahr, als Helfer des MSC nach den Frühjahrsstürmen beim Aufräumen umgestürzter Bäume im Silberbachtal halfen.

Am meisten genießen die beiden Köhler die Ruhe, bevor die Helfer eintreffen: „Dann ist es auf dem Platz noch so leise, dass man den Bach rauschen hört“, erzählt Brandmeier und beide nutzen diese Zeit, um den Ablauf zu planen oder neue Ideen zu schmieden. So feierte der MSC im vorigen Jahr erstmals ein Adventstreffen an der Schutzhütte im Silberbachtal, die vor rund 25 Jahren errichtet wurde. Dieses Jahr wollen sie eine junge Fichte mit Lichtern schmücken, die malerisch auf der Uferböschung gewachsen ist – „Das wird ein schöner Hingucker für unser Treffen im Advent“, sind die beiden überzeugt.bpa

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