Home | Meine Eppsteiner | Eppsteiner Gesichter

Helmut Czepl hört nach 30 Jahren in der Kommunalpolitik auf

Helmut Czepl hört zwar als Stadtverordneter auf, bleibt aber der Wanderabteilung und den Tafel-Freunden treu.Foto: bpa

In der Wohnung von Helmut Czepl und seiner Frau Anna Lisa stapeln sich Unterlagen, Polster und Dekostücke. „Wir sind dabei, uns zurückzuziehen“, sagt der 77-jährige und weist auf das vollgestellte Wohnzimmer.

Die beiden bereiten gerade ihren Umzug von der Mendelssohnstraße in eine der neuen barrierefreien Wohnungen In der Müllerwies vor. In der vorigen Stadtverordnetensitzung am 19. Dezember gab Czepl nach 30 Jahren als Stadtverordneter seinen Rücktritt bekannt. Nach der Kommunalwahl 2016 zählte er zu den dienstältesten Stadtverordneten. Nur Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz (CDU) ist noch länger dabei und Christa Petrich (SPD) genauso lange.

Jetzt entschloss Czepl sich nach etwa der Hälfte der Wahlperiode zum Rücktritt. Im Sommer habe ihn eine gesundheitliche Krise zum Nachdenken gebracht. Er habe den Warnschuss verstanden, sagt Czepl, und zusammen mit Ehefrau Anna Lisa seine Konsequenzen daraus gezogen. Voraussichtlich im April ziehen sie um. „Die Kinder“, sagt er, „haben eine der Wohnungen In der Müllerwies gekauft, mit der Idee, dass wir dort barrierefrei und verkehrsgünstig wohnen.“ Lebensmittelmarkt und Bushaltestelle sind unmittelbar vor der Haustür, der Bahnhof und die Altstadt zu Fuß zu erreichen.

Auch die Imkerei, seit vielen Jahren ihr gemeinsames Hobby, lassen die beiden zurück. Dafür ist in dem Neubau kein Platz. Vor über 30 Jahre begann zunächst Anna Lisa mit dem ersten Bienenvolk Honig herzustellen, später half Ehemann Helmut mit. Die Bienenvölker, die Honigschleuder und sämtliche Arbeitsgeräte haben sie schon in der vorigen Saison verkauft, „bis auf ein Volk und einen Ableger“, setzt er hinzu. „Wir sind gespannt, ob beide den Winter überleben und wollen uns dann nur noch an den Tieren erfreuen.“

Czepl, der als Kind aus seiner böhmisch-mährischen Heimat Iglau vertrieben wurde und in der Nähe von Aschaffenburg aufwuchs, zog 1968 mit seiner Frau nach Eppstein. Drei Kinder wuchsen hier auf. Er arbeitete zunächst als Diplom-Ingenieur bei der Hoechst AG in der Faserforschung, dann in der Folienforschung und nach Zerschlagung der Hoechst AG bei Mitsubishi Film Europa (MFE) bis zur Rente 2007. Schon früh engagierte Czepl sich in seiner Freizeit in etlichen Eppsteiner Vereinen: Zu den Burgschauspielern stieß er 1970, schloss sich der Sängervereinigung an und spielte in der damals neu gegründeten Tischtennisabteilung der TSG Eppstein mit. Er ist Mitglied von Verschönerungsverein, Burgverein, Miteinander-Füreinander und Feuerwehr, deren Einsatz er ganz besonders schätzt. Trotzdem habe es viele Jahre gedauert, bis die Eppsteiner ihn, „den Zugezogenen“ akzeptierten, erzählt er schmunzelnd. Außerdem ist er im Freundeskreis Hattersheimer-Hofheimer Tafel und wirbt als Fahrer für weitere Mitstreiter.

Der Wanderabteilung des TSV Vockenhausen ist er auch weiterhin treu und lässt möglichst keine der monatlichen Ausflüge ausfallen. 20 Jahre lang war er im Verwaltungsrat der katholischen Kirche, gehört bis heute dem Vorstand des Fördervereins der St. Laurentius-Kirche an und führte viele Jahre lang den St. Martinszug als heiliger Martin hoch zu Ross an.

Zur Politik kam Helmut Czepl über das Engagement seiner Frau. „Sie war Mitte der 1980er Jahre Stadtverordnete, konnte aber das lange Sitzen nicht ertragen und hörte schon nach zwei Jahren auf. „Damals“, erinnert sich Anna Lisa Czepl, „waren die Grünen gerade neu im Parlament und die Debatten dauerten ewig lang.“ Nur wenige Jahre später ließ ihr Mann sich als Kandidat aufstellen, „zunächst aber als Parteiloser“, erzählt Czepl.

1993 bat ihn die damalige CDU-Vorsitzende Christiane Nolte, das Amt des Ortsvorstehers zu übernehmen. Er sagte zu und trat gleichzeitig der CDU bei. Bis 2011 blieb er Ortsvorsteher. In diese Zeit fiel unter anderem die Sanierung des Bahnhofsgebäudes und wurde der Neubau des Tunnels begonnen, der damalige Bürgermeister Ralf Wolter diskutierte gar den Umzug des Traditionsunternehmens Eppstein Foils nach Bremthal und die komplette Neugestaltung der Altstadt. Daraus wurde bekanntermaßen nichts. Stattdessen brachten Wolters Nachfolger den Bau des Lebensmittelmarktes an der Staufenstraße und neue Wohngebiete auf den Weg.

Die Planungsphase für die neue Wohnanlage der Talkirchen-Stiftung In der Müllerwies habe er mit Interesse verfolgt und sei als künftiger Bewohner gespannt auf die moderne, energiesparende Haustechnik. Als Kommunalpolitiker hätte er sich jedoch „weniger Schnickschnack“ am Gebäude gewünscht, dafür preiswertere Wohnungen, die sich auch Menschen mit durchschnittlichen Einkommen leisten können.

An seine erste Sitzung als Stadtverordneter 1989 erinnert sich Czepl noch gut: „Damals stand gerade die Planung für einen Radweg von Bremthal nach Niederjosbach entlang der Bahnlinie auf der Tagesordnung.“ Als Politik-Neuling glaubte er, die Planung werde trotz der Einwände der Naturschutzbehörde in wenigen Monaten genehmigungsreif, „schließlich mussten lediglich 200 Meter Radweg in schützenswertem Gelände neu angelegt werden“. Er wurde schnell eines besseren belehrt: Den Radweg gibt es bis heute nicht. Die Pläne liegen seit 30 Jahren auf Eis.

Der Konflikt zwischen Verkehrsplanern und Naturschützern begleite ihn seine gesamte Zeit als Stadtverordneter. Obwohl er sich als Imker und Wanderfreund und nicht zuletzt als Kommunalpolitiker dem Naturschutz verpflichtet fühle, fordere er, dass Umweltschutz nicht nur für Tiere und Pflanzen, sondern auch für die Menschen gemacht werden müsse.

Radwege zwischen den Stadtteilen gehören aus seiner Sicht definitiv zum aktiven Umwelt- und Naturschutz, selbst wenn dafür schützenswerte Flächen für Radwege begradigt und befestigt werden müssten. Deshalb werde er die anstehende Planung für den Radweg von Eppstein nach Bremthal durchs geschützte Amstertal mit großem Interesse verfolgen. bpa

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Baustelle, Verspätung und neuer Fahrplan für Bahn …
4 Wochen 5 Tage
Eppstein blüht: Pflanzaktion am Eppsteiner Bahnhof
7 Wochen 5 Tage
Eppstein blüht: Pflanzaktion am Eppsteiner Bahnhof
8 Wochen 4 Tage
Posaunenchöre feiern mit viel Musik gemeinsam ein …
10 Wochen 2 Tage
Gimbacher Straße wird in zwei Etappen 2021 und …
16 Wochen 4 Tage
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert