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Anita Pieper setzt sich seit über 40 Jahren für Frauenrechte ein

Anita Pieper, eine der Gründerinnen von Frauen helfen Frauen, ist im Ruhestand.

Das Gesicht des Vereins „Frauen helfen Frauen“, so wurde Anita Pieper oft genannt. Die Bremthalerin war bei der Gründung 1985 in Lorsbach dabei und half beim Aufbau der Beratungsstelle und des ersten Frauenhauses im Main-Taunus-Kreis 1987 mit.

2016 zog der Verein in neue, barrierefreie Beratungsräume in der Seilerbahn 2-4 in Hofheim ein. Ihren Ruhestand verschob Anita Pieper um ein Jahr, weil sie den Aufbau des neuen Frauenhauses in Hofheim und den Umzug im vorigen Jahr noch mitgestalten wollte. Am 30. Januar räumte sie ihren Schreibtisch endgültig für ihre Nachfolgerin.

Für Frauenrechte setzt sich die in Schmallenberg im Sauerland geborene Betriebswirtin seit ihrem Studium ein. An der Universität in Bielefeld, so die 65-Jährige, sei sie mit der Frauenbewegung in Kontakt gekommen. 1980 zog sie aus beruflichen Gründen mit ihrem damaligen Mann nach Eppstein um – „schweren Herzens“, gesteht sie, „ich hatte einen sehr guten Job.“ Die beiden Söhne Christoph und Andreas wurden geboren, die Familie suchte ein größeres Haus und zog nach Bremthal. Ein Vollzeitjob als Betriebswirtin kam für die junge Mutter nicht in Frage, „aber die Volkshochschule suchte Lehrer für die Erwachsenenbildung, da habe ich mich beworben“, erinnert sie sich. Da sie schon beim Studium einen Schwerpunkt auf Ausbildung und Personalwesen gelegt und sich für die Frauenbewegung eingesetzt hatte, „lag nahe, dass ich Frauenthemen besetzte“, sagt sie. Ihr erster Kurs „Gewalt durch Sprache“ sei so gut angenommen worden, dass daraus eine Vortragsreihe wurde.

Gesellschaftliches Engagement habe sie schon im Elternhaus kennengelernt. Ihr Vater setzte sich beispielsweise für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter ein. Seinen Rat, „überleg die deinen Standpunkt genau, bevor du etwas sagst, und dann bleibe dabei!“, habe sie sich immer zu Herzen genommen.

Sie engagierte sich in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, erfuhr dort von der Initiative „Frauen helfen Frauen“ (FhF) und war 1985 bei der Gründungsversammlung dabei. Die ersten Jahre des jungen Vereins waren schwierig. „Keiner wollte etwas über das Thema Gewalt gegen Frauen hören“, erinnert sie sich. Anfangs sei sie vor allem von den SPD-Frauen im Kreistag unterstützt worden, aber bald setzten sich auch viele CDU-Frauen fraktionsübergreifend dafür ein. Die erste Gleichstellungsbeauftragte des Main-Taunus-Kreises, Gabriele Bittendorf, half dem Verein bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude für ein Frauenhaus. Das Land gab Zuschüsse für den Umbau. „Aber für Möbel fehlte uns das Geld“, erinnert sie sich, ebenso an die Einstellung vieler männlicher Politiker: „Gewalt gegen Frauen gibt es bei uns nicht!“. Umso mehr freuten sich die Frauen über eine erfolgreiche Sponsorentour bei den damaligen Bürgermeistern. „Alle haben Mittel für die Ausstattung des Hauses bereitgestellt und geben bis heute eine jährliche Unterstützung“, sagt sie stolz. Denn pro Jahr berät der Verein bis zu 400 Frauen aus dem gesamten Kreis und führt fast viermal so viele persönliche kostenfreie Gespräche mit Frauen. Es kommen Frauen aller Altersgruppen und aus allen sozialen Schichten.

Der MTK hat mit dem Verein einen Vertrag über die Trägerschaft der Fachberatungsstelle zu häuslicher Gewalt geschlossen und finanziert zumindest Personalkosten und Mieten. „Trotzdem war unsere Einrichtung nie voll finanziert. Wir benötigen laufend Spenden“, sagt sie. Die Eröffnung des neuen Frauenhauses war einer der Höhepunkte ihrer langen Arbeitszeit als Mitarbeiterin des Vereins FhF, „aber auch ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören“, sagt sie.

Neben der Arbeit mit Frauen in Not hat der Verein, so Pieper, mit dazu beigetragen, „das Thema Gewalt gegen Frauen“ in der Gesellschaft bewusst zu machen. So vertrat Anita Pieper die Hessischen Frauenhäuser im Arbeitskreis des Landes zur Vorbereitung des Gewaltschutzgesetzes, das 2002 in Kraft trat. „Wir sind inzwischen sehr gut vernetzt“, sagt Pieper und weist auf die gute Kooperation mit Polizei und Jugendamt hin.

Als Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt bietet der Verein Frauen eine Anlaufstelle und vermittelt Kontakte zu anderen Institutionen wie Polizei, Ärzten oder Anwälten.

Sie wird auch nach einem Polizeieinsatz oft als erste Anlaufstelle für Opfer von Gewalt in der Familie eingeschaltet. Durch die intensive Öffentlichkeitsarbeit sei das Thema in der Gesellschaft viel präsenter als noch vor 30 Jahren, sagt Pieper. Viele Frauen suchen inzwischen von sich aus Hilfe, wenn sie vom Partner misshandelt werden.

Dabei sei die Prävention sehr wichtig, also das Verhindern von Gewaltausübung. „Denn nicht jede Frau will sich trennen“, sagt Pieper. „die meisten wollen einfach, dass die Gewalt aufhört.“ Dann sei es wichtig, mit den betroffenen Frauen Hilfsmechanismen zu erarbeiten, zum Beispiel, wo sie für sich und möglicherweise für ihre Kinder einen sicheren Zufluchtsort finden.

Nach dem ereignisreichen letzten Berufsjahr habe sie ihren Ruhestand bewusst ohne Zukunftspläne begonnen. „Ich habe viele Interessen, will mich aber nicht sofort in ein Ehrenamt stürzen. Eine Reise in den Süden habe sie sich fürs erste vorgenommen, sagt sie und fügt hinzu: „Danach läuft mir bestimmt eine neue Aufgabe über den Weg.“ bpa

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