Straßensperrung und Brückenabriss

Brückenabriss kommt gut voran

Carmela Schneider (Mitte) vom Ordnungsamt half am Montag Fußgängern wie verirrten Autofahrern gleichermaßen durch den dichten Verkehr.Foto: bpa

Carmela Schneider (Mitte) vom Ordnungsamt half am Montag Fußgängern wie verirrten Autofahrern gleichermaßen durch den dichten Verkehr.Foto: bpa

Aller Anfang ist schwer – das spürten auch etliche Autofahrer, die sich am Montag, teilweise ohne zu ahnen, dass die Bundesstraße 455 in Höhe der Durchfahrt Eppstein komplett gesperrt ist, nach Eppstein verirrten.

Denn einige Hinweisschilder, etwa an der Auffahrt zur A3 bei Idstein, standen erst am Dienstagmorgen. Wer auf Google-Maps-Navigation vertraute, wurde noch am Dienstag irregeleitet, denn laut dessen Routenplaner war die Durchfahrt Eppstein frei – eine Sperrung fälschlicherweise für die Zufahrt in die Lorsbacher Straße ausgewiesen.

„Alle Verkehrsdienste wurden benachrichtigt und andere setzen die Verkehrsführung richtig um“, sagte Bürgermeister Alexander Simon am Dienstag. Tatsächlich zeigte ein Versuch über Apple-Maps, dass dort Sperrung und Umleitungen frühzeitig korrekt ausgewiesen wurden. Das von vielen Handy-Nutzern verwendete Google-Maps reagierte erst am Dienstagnachmittag.

Im Laufe des Montags versuchten Autofahrer immer wieder Schleichwege zu finden, um doch noch von der westlichen Zufahrt nach Eppstein auf die östliche Seite zu gelangen. Immer wieder kamen vergeblich Suchende dabei auch über Bergstraße und Rossertstraße in die Altstadt. „Ein ortsunkundiger Fahrer drehte viermal seine Runde über Vockenhausen, weil er dort jedes Mal über die Bergstraße zurück in der Altstadt geleitet wurde, um nach Kelkheim zu gelangen“, berichtete Andrea Sehr am Abend über die Arbeit ihrer Verkehrshelfer. Er war nicht der einzige. Die Ortspolizei und Ordnungsamtsmitarbeiter erklärten nahezu ununterbrochen, leiteten um, schickten zurück, halfen Fußgängern über die Straße und fanden kaum Zeit für eine Pause.

Sabine und Hans-Jürgen Adler aus der Rossertstraße ließen an diesem Tag lieber ihr Auto stehen und erledigten ihre Einkäufe im Lebensmittelmarkt an der Staufenstraße zu Fuß. Als sie um die Mittagszeit auf dem Heimweg waren, betrachteten sie sich das immer wieder periodisch auftretende Verkehrschaos an der Ecke Burgstraße/Rossertstraße und prognostizierten: „Das wird noch mindestens eine Woche dauern, bis die Verkehrsführung bekannt ist.“ Sie seien zum Glück schon Rentner, aber trotzdem häufig in Kelkheim, um das Enkelkind zu betreuen. „Das wird in den nächsten Wochen schwieriger werden“, sagten beide.

Am Montagabend gegen 21.30 Uhr wendete eine Autofahrerin am Gottfriedplatz völlig verzweifelt ihr Auto mit Kölner Kennzeichen: „Wie komme ich denn nach Königstein? In meinem Navi gibt es keinen Hinweis auf diese Baustelle und am Ortseingang steht keine Umleitungsempfehlung.“ Deshalb fuhr sie weiter, bis sie vor dem Einbahnschild anhalten musste. Etliche andere fuhren, wenn sie sich unbeobachtet glaubten, einfach weiter durch Richtung Staufenstraße. Deshalb errichtete das Ordnungsamt am Dienstagmorgen eine Fahrbahnverengung in Höhe der Talkirche, um den Gegenverkehr zu stoppen.

Erste Stadträtin Andrea Sehr kam am Montagabend gerade aus einer Ausschusssitzung, als kurz hintereinander etliche Autos mit auswärtigen Kennzeichen vor der Talkirche strandeten. Schnell zog sie sich noch einmal ihre neongelbe Warnjacke an und erklärte der Frau aus Köln, wie sie über Vockenhausen, Ehlhalten und Schloßborn ohne allzu große Umwege nach Königstein gelangen könne.

Denn das offizielle Umleitungsschild von Hessen Mobil stand erst am nächsten Morgen vor dem Ortsschild. Auf der Autobahn gab es gar keinen Hinweis. Und auf der B 455 stand erst in Höhe der Bremthaler Zufahrt Richtung Wildsachsen, also nach der Wendemöglichkeit am Kreisel, ein Schild „Ortsdurchfahrt Eppstein gesperrt“, ohne Hinweis auf eine Umleitung Richtung Hofheim über die A3 oder die Landstraßen. Kein Wunder, dass viele Ortsfremde erst einmal weiter fuhren. Am Dienstagmorgen erwischte es einen Lkw-Fahrer, der sich an der Ecke Burgstraße/Rossertstraße verkeilte und nur nach vorn fahrend befreien ließ. Dazu musste die Einbahnstraße gesperrt und für dieses eine Fahrzeug die Durchfahrt Richtung Fischbach freigegeben werden – mitten im Berufsverkehr zwischen 7 und 8 Uhr.

Trotzdem war Bürgermeister Alexander Simon am Dienstagnachmittag optimistisch, dass sich das Chaos lichte. Er räumte ein, dass die fehlerhafte Meldung auf etlichen Navis ziemlich ärgerlich sei und viel zum Chaos in der Altstadt beitrage.

Wichtig sei es, den überörtlichen Verkehr herauszubekommen. Nur dann könne der Gegenverkehr in der westlichen Burgstraße funktionieren. Bislang fahren dort stoßweise bis zu acht oder neun Fahrzeuge Richtung Autobahn. Dann haben entgegenkommende Autos keine Chance. Deshalb wurden die aus Westen kommenden Fahrzeuge am Dienstag zunächst über Bergstraße und Rossertstraße umgeleitet – „keine dauerhafte Lösung“, betonte Simon.

An eine Sonderregelung für Fahrradfahrer, wie sie die SPD wünscht, sei wegen des hohen Verkehrsaufkommens nicht zu denken, sagte Simon, wies aber darauf hin, dass Radfahrer die Einbahnstrecke vermeiden, indem sie durch die Hintergasse fahren und das letzte Stück in Höhe des alten Stadttores schieben.

Währenddessen gingen ziemlich ungehindert die Arbeiten an der Fußgängerbrücke voran. Die Arbeiter entfernten bereits am Dienstag Schienen und Eisenteile vom Brückenbelag und begannen die Brücke in Einzelteile zu zersägen.

Seine wichtigste Erkenntnis, so Simon, aus der neu gewonnenen Innenansicht von der Konstruktion der Brücke: „Diese Brücke war in einem noch viel schlechteren Zustand als wir befürchtet haben!“. Die Eisenarmierung sei viel zu klein und dann auch noch verrostet. „Es war richtig, dass wir die Brücke damals gesperrt haben“, bestätigte Simon die oft kritisierte Entscheidung. bpa

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