Eskalation im Bus: Fahrer wegen „Backpfeife“ angezeigt

Immer wieder gibt es Klagen von Kunden der Linienbusse, insbesondere über die Fahrer des Busanbieters Transdev.

Fast wöchentlich komme es zu unangenehmen Vorfällen zwischen Busfahrern und Kindern auf den Eppsteiner Buslinien, insbesondere in den Schulbussen der Linie 816. Am Dienstag vor einer Woche erreichten die Vorfälle „einen traurigen Höhepunkt“, schreibt uns Kai Burkart, Vater eines Siebenjährigen, der die zweite Klasse der Burg-Schule besucht und jeden Morgen mit dem Bus von Ehlhalten zum Schulberg in Vockenhausen fährt.

Der Junge war zusammen mit einem Schulfreund in den Bus um 8.16 Uhr gestiegen und wurde an der Bushaltestelle in Vockenhausen vom Busfahrer aufgefordert, sich zu setzen. Als die beiden Jungen gerade dabei waren, der Aufforderung zu folgen, sei der Fahrer auf sie zugekommen und habe seinem Sohn, so Burkart, eine „Backpfeife“ gegeben. Der Junge habe angefangen zu weinen und wurde von der Klassenlehrerin angesprochen, was denn vorgefallen sei. Die Lehrerin informierte sofort die Eltern und den Schulleiter der Burg-Schule. Die Eltern stellten Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei und beschwerten sich bei der Verkehrsgesellschaft MTV.

Denn die Backpfeife sei nicht der erste unangenehme Vorfall, sagt Burkart. In den vergangenen Monaten seien nahezu wöchentlich Zwischenfälle geschehen, die nicht nachvollziehbar seien. Burkart zählt einige auf: „Kinder wurden wegen defekter Busse über vier Kilometer vor dem Ziel ,ausgesetzt’“, Kinder wurden wegen der Corona-Regeln an der Schule nicht mitgenommen – „Ohne, dass ein weiterer Bus zur Verfügung stand“. Busfahrer steuerten direkt den Bahnhof an und ließen die Schulhaltestelle aus, „sei es wegen fehlender Einweisung oder Sprachkenntnisse“, so Burkart.

Die Zeit der Gespräche müsse nun in die Zeit nachhaltiger Maßnahmen übergehen, fordert der Vater aus Ehlhalten. Aus seiner Sicht sei das generelle Geschäftsmodell der Transdev keineswegs passend für den Schulbusbetrieb.

Tatsächlich gibt es immer wieder Klagen, insbesondere über den Busanbieter Transdev, der auch die Linienbusse in Eppstein betreibt, bei den Main-Taunus-Verkehrsbetrieben (MTV). Das räumte auch Prokuristin Birgit Hartmann ein. Wegen der Beschwerden sei die MTV regelmäßig in Kontakt mit Transdev und kontrolliere inzwischen regelmäßig auf den Fahrten. Zuletzt setzten die MTV sogar Schülerlotsen an der Schulbushaltestelle in Vockenhausen ein, weil es dort am häufigsten zu Problemen beim Bus-Einstieg komme.

Mit Handgreiflichkeiten gegen einen Schüler sei allerdings eine neue Stufe erreicht, sagte Hartmann am vorigen Freitag. Auch Geschäftsführer Roland Schmidt äußerte Verständnis für die Eltern. Dass ein Busfahrer Fahrgäste angreift sei sehr ungewöhnlich. Die Transdev habe zu dem Vorfall bislang nur ein kurzes Statement abgegeben, sagte Schmidt. Zu den Details habe sich Transdev mit Hinweis auf das laufende Verfahren gegen den Fahrer nicht geäußert, so Schmidt. Lediglich, dass der Fahrer die Situation anders darstelle.

Die MTV behalte sich aber ihrerseits rechtliche Schritte vor. Wegen der zahlreichen anderen Vorfälle habe die MTV bereits Vertragsstrafen gegen Transdev angekündigt und denke über weitere Maßnahmen von Abmahnung bis hin zur vorzeitigen Vertragsaufkündigung nach.

Offiziell läuft der für acht Jahre geschlossene Vertrag mit dem Verkehrsunternehmen Transdev noch bis Ende 2024. bpa

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
6 + 7 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X