„Das wär’ der Hammer“ – Der große Traum des Europameisters Tim Steinfurth

Tim Steinfurth mit dem Hammer, der eigentlich eine Kugel ist. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Tim Steinfurth mit dem Hammer, der eigentlich eine Kugel ist. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Mit 17 hat man noch Träume – und mit 21 natürlich auch. Tim Steinfurth, 21 Jahre jung, hat schon eine Vorstellung davon, was in den nächsten Jahren bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sportlich mit ihm passieren soll.

„Ich möchte gern an die 80 Meter werfen können“, sagt der Eppsteiner Hammerwerfer. „Das ist ein sehr langer Weg, aber ich finde, es ist nicht unmöglich.“ Und wenn es nun wirklich gelingen sollte, das 7,26 Kilogramm schwere Gerät in Richtung 80 Meter zu werfen? „Das wär‘ der Hammer!“

Ortstermin bei der TSG. Hier oben, auf dem Bienroth, wo der größte Verein der Burgstadt seine Heimat hat, ist Tim Steinfurth fast täglich. Ausgestattet und wirtschaftlich ein Stück weit abgesichert durch einen Minijob, ist der Zweimetermann rund um den Sportplatz und die Geschäftsstelle mächtig am Wirbeln. Sein großes Plus: Er kann neben dem Engagement als Trainer, Betreuer und Helfer des Leichtathletiknachwuchses sowie dreier Handballmannschaften für sich individuell trainieren und jederzeit Würfe machen. Er kann seinen Körper im Kraftraum der benachbarten Freiherr-vom-Stein-Schule regelmäßig und weiter stählen. Und er kann ihn leben – den Traum eines aufstrebenden Hammerwerfers, der jüngst erst den bislang größten Coup seiner Karriere gelandet hat. Fern der Heimat, auf der Insel der Aphrodite, auf Zypern, hat er gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen den Europameistertitel gewonnen. Ein starkes Stück. Die 68,12 Meter, die er mit dem Hammer geworfen hat, sind eine ordentliche Leistung gewesen. Doch Tim Steinfurth kann mehr – und will mehr.

Seine Bestmarke schmückt die Chronik der TSG. Nicht irgendwo fern von Hessen, sondern eben genau in Eppstein, dort, wo sich Tim Steinfurth so pudelwohl fühlt, hat er den Hammer so weit wie noch nie geschleudert. Erst bei 70,66 Meter schlug die Kugel auf dem Sportplatz am Bienroth ein. Der Tag ist rot markiert: 25. Juni 2025. Bei der TSG Eppstein ist man stolz, einen wie Tim in seinen Reihen zu haben. „Er ist ein absolutes Eppsteiner Urgestein“, sagt der Vereinsvorsitzende Manfred Helbig. „Stets zuverlässig, engagiert und hilfsbereit.“ Claus Hilles, der Initiator des Burg-Laufs, ergänzt: „Tim ist ein Bär von Mann. Ein überaus selbstloser, angenehmer Zeitgenosse, der stets auch bei den Aufbauarbeiten des Burg-Laufs mithilft und anpackt.“

Bis zu den Olympischen Spielen an der amerikanischen Westküste sind es noch mehr als zwei Jahre. Zeit, die Tim Steinfurth auch dazu nutzen will, um sein Studium an der IU Fernuniversität voranzutreiben. „Ich bin jetzt im ersten Semester Sportmanagement“, sagt er. Die monatliche Gebühr zahlen seine Eltern, wie er überhaupt seinen sportlichen Eltern Yvonne und Ralf zu großem Dank verpflichtet ist. „Ohne die beiden geht das alles nicht“, sagt Tim Steinfurth – und erzählt von dem Joker, den er als Leistungssportler bei seinem Studium ziehen kann. „Ein Jahr lang kann ich es strecken“, sagt er. „Normal sind drei Jahre Studium. Für mich gilt das Modell Teilzeit 1, sodass ich vier Jahre Zeit habe.“ Mehr noch: Sogar bis auf fünf Jahre, sagt der Europameister, dürften sich in seinem Fall die Studien ausdehnen.

Finanziell unterstützt ihn der Förderverein der TSG „Pro Leichtathletik“. Dennoch freut sich der junge Mann über weitere Sponsoren, damit sich sein Traum von Olympia erfüllen kann. Ansprechpartner dafür ist der Vereinsvorsitzende Manfred Helbig.

Der Name Steinfurth hat in Eppstein einen guten Klang. Man weiß, dass in der sportlichen Familie vorzügliche meisterliche Rasenkraftsportler am Werk sind. Mutter Yvonne ist selbst mehrfache deutsche Meisterin ihrer Altersklasse bei den Wurfdisziplinen der Leichtathletik und im Rasenkraftsport. Auch Großvater Wolfgang hat etliche Titel gesammelt. Großonkel Klaus Steinfurth, Vater der ebenfalls erfolgreichen Werfer Konstantin und Karsten, hat eine besonders enge Bindung an Tim. Er ist seit Jahren der Trainer des Europameisters. „Klaus schreibt mir die Trainingspläne jeweils für ein Jahr“, sagt Tim – und fügt an, dass mit Martin Zawieja ein weiterer Fachmann zu seinem Trainerteam gehört. Der in Münster (Westfalen) lebende Zawieja kümmert sich um den wichtigen Komplex Krafttraining. „Einmal in der Woche gebe ich ihm auf einer Skala von eins bis zehn eine Rückmeldung, wie es mit den Übungen gelaufen ist, wie anstrengend es gewesen ist und wie ich mich fühle“, sagt Tim Steinfurth, der froh ist, dass zu seinem sportlichen Kompetenzteam auch Physiotherapeut Michael Becker gehört. „Auch er unterstützt mich sehr gut. Zweimal wöchentlich bin ich bei ihm“, sagt der rund 120 Kilogramm schwere Modellathlet.

Während Berufstätige üblicherweise auf das Wochenende hinarbeiten und sich auf einen freien Sonntag freuen, ist im Leben des jungen Leistungssportlers Tim Steinfurth der Donnerstag der Tag des Müßiggangs. „Da habe ich trainingsfrei“, sagt er. Aber das bedeutet nicht, dass Tim Steinfurth nicht doch nachmittags bei der TSG anzutreffen ist.

Was nur Insider wissen: Tim Steinfurth hat neben dem Hammerwurfring noch eine zweite Spielwiese für sich entdeckt. Seine heimliche Leidenschaft gilt der Aufzucht, Hege und Pflege von Gemüse. Zu Hause in der Müllerwies kümmert er sich um drei Hochbeete. „Da kann ich prima abschalten.“ Was dort angepflanzt wird? „Kohl und Erbsen beispielsweise. Ich finde es großartig, wenn ich meinen eigenen Rosenkohl zu Weihnachten essen kann“, sagt Hobbygärtner Tim Steinfurth.

Sportlicher Höhepunkt in naher Zukunft sind die deutschen Meisterschaften in Wattenscheid. „Für mich ist es das letzte Jahr in der U23.“ Die Ausgangslage für Tim Steinfurth ist klar und fest umrissen: „Ich will meinen Titel verteidigen.“ Auf den Wettkampf im Westen freut er sich schon jetzt. „Das ist große Bühne. Wir sind im Fernsehen, und mehr Zuschauer im Stadion gibt es auch.“

Auf dem Weg zur avisierten 80-Meter-Marke hat sich Tim Steinfurth für das laufende Jahr 2026 vorgenommen, „dass ich vielleicht 75 Meter werfe. Bis 2028 sollen es dann zwischen 77 und 79 Meter sein. Und vielleicht klappt es dann ja auch bis an die 80 Meter.“

Zuzutrauen ist es ihm. Tim Steinfurth, erst 21 und voller Träume, hat schon länger den Dreh mit dem Hammer raus.raw

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