Wahlergebnis mit zwei Gewinnern

Die Wahlhelfer Dirk Eicke, Yanka Schütz, Anneliese de Groot, Wahlvorsteher Uwe Scholze und Helfer Jan Herrmann (v.li.), leeren eine Urne, bevor ab 18 Uhr die einzelnen Stimmzettelumschläge für Kreistagswahl, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte geöffnet werden. Bis kurz vor der Wahl suchte die Stadt noch Ehrenamtliche für die Auszählung der Listenstimmen am Sonntag. Am Ende sortierten und zählten knapp 150 Wahlhelfer bis zum späten Abend tausende von Stimmzetteln und notierten Listenkreuze. Darunter waren erfahrene Helfer wie Uwe Scholze aus Vockenhausen, der schon seit vielen Jahren dabei ist, und Neulinge wie der 17-jährige Jan Herrmann, der „zum Zeitvertreib“ bei der Auszählung assistierte. Die Einzelstimmenauszählung übernahmen am Montag und Dienstag 30 städtische Mitarbeiter. 
            Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die Wahlhelfer Dirk Eicke, Yanka Schütz, Anneliese de Groot, Wahlvorsteher Uwe Scholze und Helfer Jan Herrmann (v.li.), leeren eine Urne, bevor ab 18 Uhr die einzelnen Stimmzettelumschläge für Kreistagswahl, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeiräte geöffnet werden. Bis kurz vor der Wahl suchte die Stadt noch Ehrenamtliche für die Auszählung der Listenstimmen am Sonntag. Am Ende sortierten und zählten knapp 150 Wahlhelfer bis zum späten Abend tausende von Stimmzetteln und notierten Listenkreuze. Darunter waren erfahrene Helfer wie Uwe Scholze aus Vockenhausen, der schon seit vielen Jahren dabei ist, und Neulinge wie der 17-jährige Jan Herrmann, der „zum Zeitvertreib“ bei der Auszählung assistierte. Die Einzelstimmenauszählung übernahmen am Montag und Dienstag 30 städtische Mitarbeiter.

Foto: Beate Schuchard-Palmert

Am Sonntagabend sah die Welt nach der ersten Listenauszählung für die Eppsteiner CDU noch ziemlich düster aus: Mit 37,7 Prozent das niedrigste Ergebnis aller Zeiten in Eppstein.

Nach Auszählung sämtlicher Einzelstimmen verbesserte sich das Ergebnis um knapp zwei auf 39,6 Prozent, so dass Spitzenkandidat Christian Heinz am Dienstagnachmittag erleichtert verkündete: „Wir haben die Wahl gewonnen!“.

Dennoch verlor die CDU mit 2,9 Prozent im Stadtvergleich am deutlichsten. Heinz führt das auf aktuelle, strittige Themen zurück: Die Grundsteuererhöhung just vor der Kommunalwahl, die nicht absehbare Zukunft der Sparkassenakademie oder der geplante Fußweg in Ehlhalten wurden in Wahlveranstaltungen von den Bürgern angesprochen und wirkten sich zum Teil ganz konkret auf Einzelergebnisse in den jeweiligen Wahlbezirken aus. „Dennoch verzeichnen die Parteien in Eppstein insgesamt keine Erdrutsche, allenfalls Verschiebungen“, sagte Heinz.

Auswirkungen haben diese Verschiebungen vor allem auf die kleinste Fraktion, die FDP. Nach Verlusten von 1,4 Prozentpunkten und nur noch 6,9 Prozent der Stimmen, hat die Fraktion nur noch zwei Sitze, verliert damit ihren Platz im ehrenamtlichen Magistrat und in den Ausschüssen. Der Verlust eines Sitzes, auch im Magistrat sei herb, aber angesichts der allgemeinen Situation der FDP im Land „sind wir nicht unzufrieden“, fasste Fraktionsvorsitzender Thomas Uber am Dienstag die Stimmung bei der FDP zusammen.

Die SPD feierte schon am Sonntagabend ihr „tolles Wahlergebnis“, so Thomas Schäfer, und sieht sich ebenfalls als „klarer Wahlsieger“: Zum ersten Mal seit rund 20 Jahren habe die SPD in Eppstein wieder einen Stimmenzuwachs verzeichnet. Das sei ein starkes Mandat der Eppsteinerinnen und Eppsteiner.

Nach der Auszählung aller Stimmen bestätigte sich der Trend vom Sonntagabend: Mit 18,82 Prozent der Stimmen legten die Sozialdemokraten um 5,4 Prozentpunkte zu im Vergleich zur Wahl 2021 und ziehen nahezu gleich mit den Grünen. Den deutlichen Zugewinn so ganz gegen den bundesweiten Trend führte Schäfer auf den intensiven und lange vorbereiteten Wahlkampf zurück: „Wir haben einen inhaltlichen Wahlkampf geführt und viele Themen aufgegriffen“, sagte er.

Die Grünen verzeichnen in der Stadtverordnetenversammlung leichte Verluste (-0,6 Prozent), behalten aber mit 18,9 Prozent der Stimmen ihre sieben Sitze. Spitzenkandidatin Malke Lütgens war am Dienstag „überwältigt von dem guten Ergebnis“: Mit 2968 Stimmen erreichte sie das viertbeste Einzelergebnis unter den 37 Stadtverordneten. Besser schnitten nur Christian Heinz (3851), Guido Ernst (3450) und Franziska Sehr (3135) von der CDU ab.

Erfreulich seien die Ergebnisse für die Ortsbeiräte, stellte der bisherige Fraktionschef Josef Retagne fest: In zwei von den vier Ortsbeiräten, in denen die Grünen vertreten sind, gab es einen Zuwachs um eine Stimme. Sowohl Retagne als auch Lütgens, die bisher für die Grünen im Magistrat saß, waren sich einig, dass die Grünen mit allen Fraktionen sprechen werden, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Es gebe keinen Automatismus bei den Kooperationen. Allerdings machte Retagne auch deutlich, dass nicht alles, „was rechnerisch möglich ist, auch politisch sinnvoll ist“. Wichtig sei es, die gemeinsamen Schnittmengen zu finden.

Ähnlich sieht das die FWG, die mit 15,7 Prozent leichte Verluste verzeichnet, aber weiterhin in der Stadtverordnetenversammlung mit sechs Sitzen vertreten ist. „Ein gutes Ergebnis, das verschiedene Optionen zur Zusammenarbeit eröffnet“, sagte Spitzenkandidat Magnus Fischer. Seine Fraktion sei zu Gesprächen mit allen drei größeren Fraktionen bereit. „Am Ende kommt es auf die einzelnen Themen an“, sagte Fischer, machte aber kein Hehl daraus, dass er die FWG inhaltlich näher an der CDU sieht als an den Grünen.

Die neue Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung mit der CDU als stärkster Kraft und drei nahezu gleichstarken Fraktionen eröffnet unterschiedliche Koalitionsmöglichkeiten. Christian Heinz machte als Spitzenkandidat der mit Abstand größten Fraktion kein Hehl daraus, dass seine Partei zusammen mit einem Partner die Kommunalpolitik in Eppstein mitgestalten wolle. Dazu wolle man in den kommenden Tagen Gespräche mit allen Fraktionen suchen.

Auch Grüne und SPD signalisierten Gesprächsbereitschaft mit allen Fraktionen. Das sei demokratische Pflicht, sagte Schäfer. Wichtig sei, dass am Ende der Gespräche die neue Koalition so gestaltet sei, dass sie für die nächsten fünf Jahre hält.bpa

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