Rhein-Main-Link: „Kreis massiv negativ betroffen“

Der Trassenverlauf führt von Niedernhausen über Bremthaler Gemarkung bis Hochheim. Quelle: https://rhein-main-link.amprion.net/Rhein-Main-Link/Verlauf/

Ob in Ortsbeiräten und Stadtverordnetenversammlung oder wie jüngst bei der jährlichen Pressekonferenz zum Auftakt der Erdbeer-Saison in Kriftel – überall im westlichen Main-Taunus-Kreis äußern sich Menschen besorgt über die geplante Stromtrasse Rhein-Main-Link.

Wie berichtet will Netzbetreiber Amprion die vier in einer Trasse gebündelten Stränge einer Erdkabel-Versorgung von der Nordsee ins Rhein-Main-Gebiet quer durch den Taunus verlegen. Die geplante Trasse verläuft dabei von Nordosten kommend bei Niederjosbach und Bremthal über Eppsteiner Gemarkung Richtung Hofheim und weiter zu geplanten Netzverknüpfungspunkten bei Marxheim und Kriftel.

Landrat Michael Cyriax hat jetzt zusammen mit Bürgermeistern, Bundes- und Landtagsabgeordneten einen Brandbrief an Klaus Müller, den Präsidenten der Bundesnetzagentur, geschickt und fordert darin eine Änderung der Pläne zur Stromtrasse „Rhein-Main-Link“. Der Kreis wäre durch den geplanten Verlauf der Trasse „massiv negativ betroffen“, heißt es in dem Brief. Ohnehin stünden im kleinsten Landkreis Deutschlands freie Flächen kaum noch zur Verfügung, durch die Trasse werde die Nutzung dieser Flächen weiter eingeschränkt. Natur- und Landschaftsräume sowie wertvolle landwirtschaftliche Flächen seien bedroht.

Cyriax kritisiert, dass der Präferenzraum so eingeengt sei, dass kaum Verschwenkungen, geschweige denn Alternativen zur jetzt vorgeschlagenen Trasse möglich seien. Dabei sei es nicht nachvollziehbar, warum der Rhein-Main-Link nicht entlang vorhandener Verkehrswege geführt werde, etwa entlang der A3 bis zum Mönchhofdreieck und darüber hinaus Richtung Süden entlang der A67.

Stattdessen würde die neue Verbindung wertvolle Wald- und Wasserschutzgebiete, Weinberge und Ackerland zerschneiden und beeinträchtige massiv die Siedlungsentwicklung der betroffenen Kommunen. Wie berichtet ist die fertige Leitungstrasse 40 Meter breit und darf nicht bebaut oder mit tief wurzelnden Pflanzen bestellt werden.

So bangten Landwirte und Winzer zu Recht um wertvolle Böden, betonte Cyriax. Insbesondere die Landwirte und Winzer seien auch in wirtschaftlicher Hinsicht erheblich betroffen.

Wein- und Obstanbau diene auch zur Versorgung mit lokalen Lebensmitteln. Wertvolle landwirtschaftliche Flächen sollten deshalb möglichst nicht zerschnitten werden. Besonders schwer würde es das Tor zum Rheingau mit seinen wertvollen Lössböden treffen: Nach jetziger Planung dürften die Hochheimer Winzer einige ihrer besten Lagen nach den Bauarbeiten nicht wieder mit tiefwurzelnden Weinstöcken bepflanzen. Auch einige der für die Region so typischen Streuobstwiesen wären betroffen, weil Obstbäume auch unter das sogenannte „Aufwuchsverbot“ fielen.

Die Unterzeichner des Brandbriefes fordern, dass „dringend erwogen werde“, die Erdkabel, Umspannungswerke und Konverter entlang von Routen zu planen, die ohnehin nicht für andere Zwecke zur Verfügung stünden. Sie schlagen vor, einen Teil der Leitungen im sogenannten Spülverfahren in Tiefen von mindestens 8 Metern zu verlegen, um Bäume oder Weinstöcke zu verschonen. Außerdem sei es sinnvoll, die Konverter auf bereits bestehenden Industriebrachen zu errichten und führen als Beispiel die ehemalige Caltex-Raffinerie bei Raunheim dafür an oder die Brachfläche des früheren Ticona-Werks bei Kelsterbach.

Mit dem jüngsten Schreiben werde die Kritik bekräftigt, so Cyriax, die der Kreis bereits zu Anfang des Jahres in einer Stellungnahme im sogenannten Konsultationsverfahren der Bundesnetzagentur geäußert hatte. Unterzeichnet ist das Schreiben von der Kreisspitze und den Bürgermeistern sowie dem Bundestagsabgeordneten Norbert Altenkamp und dem Landtagsabgeordneten Axel Wintermeyer.bpa

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