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Nadja Gneupel macht klassischen Wahlkampf mit Hausbesuchen

Nadja Gneupel und Marcel Wölfle begrüßen die Sozialdemokraten Anup Mundethu und Jürgen Baesler (v.li.) an ihrem Info-Stand auf dem Wochenmarkt.Foto: bpa

Der Tagesablauf ist für die FDP-Kandidatin Nadja Gneupel derzeit besonders dicht getaktet.

Seit Ostern ist sie im Wahlkampfmodus und absolviert mindestens drei bis vier Termine pro Woche und macht jetzt, in den letzten Wochen vor der Bürgermeisterwahl am 26. Mai Hausbesuche in den einzelnen Stadtteilen. Vergangenen Sonntag war sie in Ehlhalten unterwegs, kommendes Wochenende will sie an Türen in Niederjosbach, Vockenhausen und Bremthal klingeln. In ihrem Heimatstadtteil Eppstein war sie schon.

Am Sonntagmorgen stand sie schon um 8 Uhr vor der Bäckerei Heck in Bremthal und verteilte kleine Portionsmarmeladengläser, Äpfel und die Flyer mit ihrem Wahlprogramm. Über 70 Gläser verschenkte sie allein in Bremthal. „Die Bremthaler sind Frühaufsteher, stellte sie gut eine Stunde später fest, denn gegen 9.30 Uhr war der Ansturm, anders als eine Woche zuvor bei der Bäckerei Schäfer in Vockenhausen, schon vorbei. Dort standen die Menschen noch zwischen 9 und 10 Uhr Schlange.

Viele nutzten dort die Wartezeit, um einen Blick in den Flyer zu werfen und die FDP-Kandidatin beim Hinausgehen zu fragen. Es sind die Themen unmittelbar vor der Haustür, die die Menschen am meisten beschäftigten: Wie der Schulweg sicherer gemacht werden kann, war in Vockenhausen Thema, wann der Fußweg entlang der Wildsächser Straße endlich umgesetzt wird, in Bremthal.

Ob sie sich für die Schaffung eines Seniorenbeirats einsetzen wolle, lautete eine Frage, sie habe bisher eher daran gedacht, den Ausländerbeirat wieder zu aktivieren, antwortete Gneupel, sie sei aber für Vorschläge offen.

Vor allem ältere Wählerinnen und Wähler reagieren eher ungläubig, dass sie sich als werdende Mutter um den Posten der Rathauschefin bewirbt. Einige ließen es sich von ihrem Lebensgefährten bestätigen, dass er tatsächlich zunächst ganz zu Hause bleiben will. „Von jungen Familien bekomme ich dagegen meistens Zuspruch“, sagt sie. Verwunderung löse bei vielen die Parteienkombination ihres Wahlkampfes aus: Die FDP-Stadtverordnete ist auch erklärte Kandidatin der SPD.

Sie erklärt darauf hin geduldig, dass auf kommunaler Ebene die Gemeinsamkeiten viel größer seien als auf Landes- oder Bundesebene. „Aber es gibt auch Wähler, die deutlich sagen, dass gehe für sie gar nicht“, räumt sie ehrlich ein.

Einig sei sie sich mit der SPD, dass in den kommenden Jahren mehr und vor allem bezahlbarer Wohnraum gebaut werden müsse. Sie könne sich einen Teil der Häuser als sozalgebundene Projekte, beispielsweise in dem Gebiet unterhalb des Bremthaler Friedhofes Richtung Bundesstraße und Wiesbadener Straße vorstellen oder in dem von der SPD geforderten Baugebiet oberhalb des Bahndamms Niederjosbach Richtung Bremthal.

Mit etwa zehn Helfern aus den eigenen Reihen stemmt sie das für die werdende Mutter recht anstrengende Veranstaltungspensum des Wahlkampfs.

„Viele, die wir ansprechen, glauben ja, dass wir einen riesigen Wahlkampffond zur Verfügung stehen haben und können sich nicht vorstellen, dass wir als Ortsverband wie jeder andere Verein auch, den Wahlkampf ganz aus eigenen Mitteln bestreiten“, sagt Gneupel. 5000 Euro stelle der Vorstand zur Verfügung. Davon müssen Plakate, Flyer, Anzeigen und Wahlgeschenke bezahlt werden. Deshalb stehen die Stadtverordneten und Ortsbeiräte beim Wochenmarkt selbst im Stand, zupfen Papierdeko zurecht und schmieren Schmalzbrote.

Nach gut einer Stunde Gesprächen im Stehen mit den Bäckereikunden muss sie erst einmal Platz nehmen, da der Nachwuchs kräftig strampelt: „Morgens nach dem Frühstückskaffee und abends, wenn ich zur Ruhe komme, ist sie sehr lebhaft“, sagt Gneupel. Beim Fußballspiel der Frankfurter Eintracht am vergangenen Donnerstag „dachte ich: das wird bestimmt mal eine Fußballerin“, sagt sie lachend. Ein Kunde, der gerade mit seinen Brötchen aus dem Laden geht, ruft ihr noch von der Tür aus ein „Toi, toi, toi“, zu und meint: „Das wird aber schwer für Sie in Eppstein“. Der nächste, den Gneupels Wahlhelfer Gernot Zorn und Oskar Behrendt ansprechen, hat schon gewählt. Eine Frau wehrt ab, sie sei bereits ausreichend informiert. FDP-Ortsbeiratsmitglied Gernot Zorn unterstützt Nadja Gneupel, „weil ich finde, dass eine Frau an der Spitze der Stadt gut täte“. Kollege Oskar Behrendt sieht es ähnlich: Er hofft, dass mit Nadja Gneupel ein fürsorglicher Geist ins Rathaus einzieht: „Die Verwaltung soll lieber steuern und führen als kontrollieren“, sagt er.

Wachsende Unzufriedenheit über den Stil des Amtsinhabers Alexander Simon will auch der SPD-Stadtrat Dieter Falk beobachtet haben. Das sei einer der Gründe, warum die SPD Nadja Gneupel unterstütze.

Prominente Hilfe aus den eigenen Reihen bekam sie am vergangenen Freitag. Da berichtete die FDP-Bundestagsabgeordnete Bettina Stark-Watzinger über die geplante Grundsteuerreform des Bundes. Am Tag darauf hatte Gneupel zum Handkäs-Essen in den Kastanienhof eingeladen. Am kommenden Freitag verkauft sie auf dem Wochenmarkt wieder Schmalzbrot zugunsten des neuen Naturkindergartens. Am Wahltag selbst, 26. Mai, ist sie beim Höfefest anzutreffen.

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen wohlwollend reagieren, wenn sie auf sie zugehe, sagt Nadja Gneupel. Am 1. Mai beispielsweise habe sie einige der zahlreichen Frühschoppen besucht und festgestellt, dass viele sie bereits kennen: „Viele grüßen schon von Weitem.“ Die meisten seien überrascht, „freuen sich dann aber, die Kandidatin persönlich zu treffen“, sagt Gneupel und meint, ihre blonde Lockenmähne schüttelnd: „Meine Haare sind so etwas wie mein Erkennungszeichen, die muss ich deshalb im Wahlkampf immer offen tragen.“

E-Mails beantwortet sie persönlich und komme deshalb meistens erst abends dazu: „Da kann es auch mal zwei Tage dauern, bis ich zurückschreibe“, sagt sie. So ganz nebenbei müsse sie auch ihre für Juni geplante Hochzeit vorbereiten. Sie bedaure, dass beide Eppsteiner Standesamtsstandorte ausgebucht sind. Aber es werde sowieso nur eine kleine Feier. Eine große Hochzeit mit einer freien Trauung will das Paar in zwei Jahren mit Kind feiern.bpa

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