Die Kreistags-Fraktion von Bündnis 90 und Volt spricht von einem „Experiment auf dem Rücken von Grundschulkindern“ und fordert kategorisch eine Lüftungsanlage für den gesamten Neubau. Bislang ist eine Lüftung nur für das Untergeschoss mit der geplanten Mensa vorgesehen. Die beiden oberen Etagen für die Betreuung und die Fachräume sollen konventionell gelüftet werden.
Die Eppsteiner SPD sieht deshalb zumindest Klärungsbedarf beim Lüftungskonzept.Der Vorsitzende der Stadtverordnetenfraktion, Klaus Christian Stöckel, räumt ein: „Weniger Technik kann durchaus Vorteile bei Investitions- und Wartungskosten haben.“
„Aus Sicht der Stadt ist der Erweiterungsbau ausdrücklich zu begrüßen“, ist Bürgermeister Alexander Simon überzeugt. In der nächsten Ortsbeiratssitzung in Vockenhausen am kommenden Montag, 19.30 Uhr, im Rathaus I, stellt die Stadt erstmals die Baupläne des Kreises vor.
Neubau für die Burg-Schule – Mit oder ohne Lüftung
Laut SPD-Mann Stöckel seien Kühlung und Lüftung unterschiedliche Aufgaben: Während die geplante Fußbodentemperierung helfen könne, die Raumtemperaturen zu begrenzen, müsse zugleich bei voller Belegung ein ausreichender Luftaustausch gewährleistet werden.
Entscheidend seien dabei die CO2-Werte und Luftmengen, die der Planung zugrunde liegen. Stöckel fordert deshalb vom Kreis die Vorlage des Lüftungskonzepts, einschließlich der Berechnungen und Nachweise.
Der Main-Taunus-Kreis weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass bei der Planung stets die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt würden. Wie berichtet, setzt der Kreis bei der Planung auf klimagerechte Bauweise, zum Beispiel auf eine gut gedämmte Bauhülle. Eine reversible Wärmepumpe kann zudem im Sommer den Estrich über eine Fußbodenheizung kühlen. Zusätzlich verschatten auskragende Dächer und Balkone die zur Sonnenseite ausgerichteten Fassadenteile. Fassadenbegrünung und nächtliche Auskühlung durch kippbare Oberlichter ergänzen das Konzept, so der Main-Taunus-Kreis.
Die baulichen Mehrkosten für eine Lüftungsanlage für den gesamten Neubau beziffert Pressesprecher Johannes Latsch mit 750 000 Euro. Außerdem führt er weitere sachliche Gründe an: So müsse der Erweiterungsbau, der am unteren Gründstücksende des Schulkomplexes errichtet wird, möglichst niedrig gehalten werden, damit er die Klassenräume im Altbau nicht zu stark verschattet.
Schulleiter Clemens Remsperger ist mit den Plänen „sehr zufrieden“, sagte er im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung. Ihn habe das Konzept überzeugt. Er vertraue darauf, dass die Kombination aus guter Dämmung, Verschattung, Nachtlüftung und Fußbodenkühlung den gewünschten Effekt auch bei Hitzeperioden wie in diesem Sommer hat. Trotz knapper Kassen wolle der Kreis den Erweiterungsbau samt neuer Mensa bauen: „Das ist eine tolle Perspektive“, so Remsperger. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit der benachbarten Freiherr-vom-Stein-Schule, deren Mensa jedoch an ihre Grenzen stoße. Deshalb freue er sich darauf, wenn später an der Burg-Schule sämtliche Funktionen für Ganztagsschule unter einem Dach seien.
Schon jetzt sei das Schulkonzept des Landes, der sogenannte „Pakt für den Ganztag“ an der Burg-Schule für alle Klassenstufen umgesetzt. Angesichts steigender Schülerzahlen stellte die Stadt einige Jahre lang einen Holzpavillon, den früheren Jugendclub, für die Betreuung zur Verfügung. Inzwischen ist sie in den früheren Container-Kindergarten am Eppenhainer Weg umgezogen. Anstelle des Pavillons entsteht dort der neue Erweiterungsbau.
Die Ganztagsbetreuung sei mit der Schule gut verzahnt. Über die gemeinsame Nutzung der neuen Fachräume für Musik, Kunst oder Computer im Neubau werde die Zusammenarbeit in Zukunft noch intensiver, ist Remsperger überzeugt. Aktuell ist die Burg-Schule 3,5-zügig. Mit Klassenräumen für 16 Klassen und einigen zusätzlichen Funktions- und Personalräumen im Altbau sei sie künftig für vier Klassen pro Jahrgang und zwei Intensivklassen ausgelegt.
Im Neubau werden im Untergeschoss eine Mensa mit einem großen Speisesaal mit Bühne errichtet, darüber eine Etage für die Betreuung samt Nebenräumen und im Obergeschoss gemeinsam nutzbare Fachräume für Musik, Kreatives und PC. Eine Photovoltaik-Anlage ergänzt die jetzt schon errichteten Anlagen auf bestehenden Dächern des Schulkomplexes.
Auch Vockenhausens Ortsbeirat (siehe Einladung auf Seite 2) und die Stadtverordnetenversammlung beschäftigen sich in der nächsten Sitzungsrunde mit der Erweiterung der Burg-Schule. Der Main-Taunus-Kreis hat eine Präsentation zum Entwurf des Ergänzungsbaus auf einer knapp 1000 Quadratmeter großen Grundfläche erstellt. Sie zeigt Grundrisse, Querschnitte und Ansichten des geplanten Neubaus, den Bauzeitenplan, das Energiekonzept und wie sich der Neubau in den bestehenden Gebäudekomplex mit Burg-Schule und Freiherr-vom-Stein-Schule einfügt.
Bürgermeister Alexander Simon betont: „Aus Sicht der Stadt Eppstein ist der Erweiterungsbau ausdrücklich zu begrüßen.“ Mit der geplanten Erweiterung werde die Burg-Schule an die tatsächliche und absehbare Entwicklung der Schülerzahlen angepasst. Die Investition sei auch unter dem Gesichtspunkt der Stadtentwicklung von besonderer Bedeutung. Rund 17,5 Millionen Euro will der Kreis bis 2030 in die Burg-Schule investieren. Der Kreistag habe die Haushaltsmittel für die Planung bereitgestellt und die Finanzierung in den kommenden Jahren vorgesehen.
Die Stadt habe ein Grundstück für den Neubau zur Verfügung gestellt. Die Erweiterung sei nicht nur als Schaffung zusätzlicher Klassenräume zu verstehen, so Simon. Vielmehr handele es sich um eine umfassende Weiterentwicklung des Schulstandortes, bei der Unterricht, Betreuung, Verwaltung und weitere schulische Funktionen miteinander betrachtet würden. Die vorgesehene Kombination aus Küche, Speisesaal, Fachräumen und Betreuungsräumen ermögliche ein ganzheitliches Angebot, so Simon. Damit werde auch die Familienfreundlichkeit der Burgstadt gestärkt.bpa

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