Hochwasser-Konzept: Mix aus kleinen und großen Projekten

Im Januar staute sich das Wasser des Silberbachs an der Brücke Am Brühl.

Foto: privat

Einen Komplettschutz vor einer Hochwasserkatastrophe wie diesen Sommer an der Ahr könne es nicht geben. Darin waren sich Bürgermeister Alexander Simon und der für Hochwasserschutz zuständige ehrenamtliche Stadtrat Berthold Gruber im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung einig.

Wie berichtet stellte Gruber dort eine Präsentation über Hochwasser- und Starkregenmaßnahmen im Eppsteiner Stadtgebiet für die Jahre 2021 und 2022 vor und über die Wirkung natürlicher Regenrückhaltebecken, wie sie schon 2013 vom Schwarzbachverband für Eppstein vorgeschlagen, aber bislang noch nicht einmal geplant wurden.

Auch wenn es keinen vollständigen Schutz gebe, müsse so viel wie möglich zur Prävention getan werden, sagte Simon. Gefordert seien der Abwasserverband, aber auch Land und Bund.

Allein der Bund stellt jedes Jahr bis zu 100 Millionen Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung. Davon haben die Länder bislang nicht einmal die Hälfte der Mittel abgerufen, so das Bundesumweltministerium auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag. 2020 lag der abgerufene Betrag demnach bei 53 Millionen Euro. Zu erklären sei das, so Bürgermeister Alexander Simon im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung, mit den hohen bürokratischen Hürden für solche Mittel.

Mit Hilfe von Hochwasserkarten des Landes berechnete Berthold Gruber für seine Präsentation Hochwassergefahrengebiete in Eppstein. Schon im Falle eines häufig wiederkehrenden Hochwasser HQ 10 könnten über 200 Menschen in Eppstein betroffen werden. Bei einem 100-jährigen HQ100-Hochwasseer rechnet er mit über 560 geschädigten Menschen allein in Eppstein. Das Wasser könnte in den vier alten Ortskernen von Niederjosbach, Ehlhalten, Vockenhausen und Eppstein bei einem Jahrhundert-Hochwasser bis zu zwei Meter hoch in den Straßen stehen.

Die Stadt gehe bei ihren Maßnahmen systematisch vor, erklärte Gruber. Viele kleine Maßnahmen im gesamten Stadtgebiet schützen die Anwohner. So werden als eine der einfachsten Maßnahmen die Sinkkästen im Stadtgebiet regelmäßig und nach einem vorgeschriebenen Plan gereinigt. Auch die Beseitigung von Treibgut nach starken Regenfällen aus den Bächen gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen, ebenso das Reinigen von Schutzgitter und Geröllfängen vor unterirdischen Verrohrungen. Ein herausnehmbarer Laufsteg vor dem unterirdischen Zulauf des Wellbachs beispielsweise erleichtert den Bauhof-Mitarbeitern diese Arbeit.

Mit relativ geringem Aufwand terrassierte die Stadt die Spielfläche am Spielplatz Auf dem Hecken in Bremthal, um die Spielflächen vor Überschwemmung zu schützen oder erneuerte Regenrückhaltebecken in Bremthal.

Weitere Maßnahmen sind eine Wasserrinne am Sportplatz Niederjosbach, Erneuerung von Abwassergräben oder Anlegen neuer Mulden im Wald. Neue Querrinnen im Waldweg in Ehlhalten sollen oberhalb der abschüssigen Straße Zum Blauen Stein das Wasser in den Wald ableiten.

Die Reinigung der Steinbach-Unterführung vor Vockenhausen und die Wiederherstellung des Bachbetts stehen als nächste Arbeiten an, in Niederjosbach sollen Feld- und Spazierwege entwässert werden. In Bremthal will die Stadt in Absprache mit Anwohnern einen Wassernotweg über ein Privatgrundstück einrichten, um bei Hochwasser das Wasser schneller Richtung Tal abzuleiten.

Um weitere Maßnahmen zu planen, will die Stadt, wie berichtet, eine Starkregen-Risikokarte erstellen lassen und dazu die Förderung des Landes beantragen. Das Land übernimmt 90 Prozent der Kosten, Simon rechnet mit Restkosten von rund 15 000 Euro für die Stadt.

Der Abwasserverband hat bislang drei Standorte für Regenrückhaltebecken in Eppstein im Blick: Eines im Dattenbachtal oberhalb Ehlhaltens, eines im Daisbachtal nordwestlich der Bahnstraße Niederjosbach und eines für Daisbach und Schwarzbach vor dem Herrngarten in Alt-Eppstein.

Aufgrund der Hochwasser in den vergangenen Jahrzehnten hält Gruber zwei weitere Standorte für sinnvoll: Im Silberbachtal östlich von Ehlhalten staut sich das Wasser bei starken Regenfällen immer wieder an und überschwemmt Grundstücke zwischen Königsteiner Straße und Am Brühl. Der Silberbach vereinigt sich unterhalb Ehlhaltens mit dem Dattenbach zum Schwarzbach.

Ein weiteres natürliches Regenrückhaltebecken für den Josbach hält Gruber zum Schutz des alten Ortskerns von Niederjosbach für notwendig. Als Standort schlägt er das Josbachtal zwischen Ober- und Niederjosbach vor.bpa

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