Grüne: Für eine offene Gesellschaft, gegen antidemokratische Kräfte

Sie kandidieren für die Grünen

Franz Lindenberg

Franz Lindenberg

Mit sieben Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung stellen die Grünen aktuell nach der CDU mit 16 Sitzen die größte Fraktion und bilden als Kooperationspartner mit der CDU eine recht komfortable Mehrheit im obersten Organ der Stadt.

Diese habe man genutzt, um wichtige Forderungen durchzusetzen, betont Spitzenkandidatin und Stadträtin Malke Lütgens. Dazu zählen die Grünen die neu geschaffene Stelle für Klimaschutzmanagement – eine ihrer Hauptforderungen bei der vorigen Kommunalwahl. Aus ihrer Sicht ist das Klimaschutzmanagement eine wichtige Schaltstelle, um künftige Maßnahmen zu koordinieren, stellt Lütgens klar. Dafür habe die Fraktion gerne einige ihrer Forderungen wie Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dachflächen, beispielsweise auf den Trinkwasserreservoirs, oder als Bedachung auf öffentlichen Parkflächen zurückgestellt. Denn mit dem gerade beschlossenen Klimaschutzkonzept gebe es nun neue Fördermöglichkeiten.

Auch die Gründung von Bürgergenossenschaften sei mit Hilfe des Klimaschutzmanagements leichter umzusetzen. Die Stadt stelle die Fläche zur Verfügung, Bürger die Mittel für den Bau und generieren über Windkraft oder Photovoltaik Einnahmen. Das steigere in der Bevölkerung die Akzeptanz für solche Anlagen, sind die Grünen überzeugt.

Das Klimaschutzkonzept biete einen Handlungskatalog für die nächste Wahlperiode, sagt Lütgens und macht klar, dass die Grünen auch bei der Umsetzung mitarbeiten wollen. Sie ist überzeugt: „Wenn wir jetzt nichts für die Energiewende machen, kostet uns das künftig noch viel mehr.“ Beim Klimaschutz gehe es auch um Gerechtigkeit für die nachfolgenden Generationen. Um dafür Mittel zu gewinnen, fordern die Grünen, ein Fördermittelmanagement einzurichten, das gezielt nach Förderprogrammen für Klimaschutz, Digitalisierung, Energieeffizienz und soziale Infrastruktur sucht.

Auch mit der Forcierung des Radwegebaus in den vergangenen fünf Jahren sind die Grünen zufrieden: „Dafür braucht es keine Demos, sondern vor allem einen langen Atem“, stellt Parteikollege Steffen Dittmar mit Blick auf die SPD fest, die die nun geplanten Radwege zwischen Bremthal und Eppstein und in Richtung Wildsachsen gern als ihr Verdienst darstellen würden.

Wie bei allen Parteien, die für die Kommunalwahl am 15. März um Stimmen werben, stehen auch bei den Grünen Wirtschaft und Finanzen weit oben im Wahlprogramm. Sie erhoffen sich Synergien durch weitergehende interkommunale Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen: IT-Infrastruktur, Gebäudemanagement oder Beschaffungswesen könnten so kostengünstiger organisiert werden. Nachhaltigkeit solle zu einer festen Grundlage für Investitionsentscheidungen werden. Deshalb habe bei ihnen die Lückenbebauung Vorrang vor neuen Baugebieten.

In diesem Zusammenhang stellen sie auch die Grundsteuer C zur Diskussion, die für nicht bebaute, bebaubare Grundstücke erhoben werden kann. Aus ihrer Sicht solle die Stadt zumindest prüfen, ob sich die Einführung finanziell lohnt.

Der Erschließung einer neuen Gewerbefläche entlang der B455 zwischen Valterweg und Gewerbegebiet West stimmen die Grünen grundsätzlich zu, allerdings nur, so die stellvertretende Parteivorsitzende Gabriele Sutor, wenn keine allzu große Waldfläche dafür gerodet werden müsse.

Im Zusammenhang mit dem Klimaschutzkonzept bringen die Grünen auch das Stichwort „Schwammstadt“ in die Diskussion: Ziel sei es, so viel Niederschlagswasser wie möglich direkt zu binden – durch Entsiegelung von Grundstücksflächen, Dachbegrünung, Zisternennutzung oder Beseitigung von Schottergärten: „Das wirkt den Folgen von Starkregenereignissen entgegen“, ist Lütgens überzeugt. Darüber hinaus müsse beim Abwasserverband auf den Bau der geplanten Rückhaltebecken gedrängt werden.

Auf der Themenliste ganz oben steht bei den Grünen der Einsatz für eine vielfältige und offene Gesellschaft und der Einsatz gegen antidemokratische Kräfte.

In diesem Zusammenhang weisen die Grünen auf die Zerstörung ihrer, aber auch Wahlplakate anderer demokratischer Parteien hin – und das in einem ganz neuen Ausmaß: „Wir spüren Hass gegen uns“, wertet Sutor die Vorkommnisse und nennt sie einen „Angriff auf uns, aber auch auf die Demokratie und die Meinungsfreiheit“.

„Wir wollen weiterhin die Willkommenskultur in Eppstein fördern“, hält Lütgens dem entgegen. Als berufenes Mitglied in der Integrationskommission bedauere sie, dass auch bei dieser Kommunalwahl kein Ausländerrat zustande komme. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit dem Asylkreis und mit den Schulen. So gebe es aktuell ein Projekt zum Thema „Schule gegen Rassismus“ an der Freiherr-vom-Stein-Schule, das weiter gefördert werden solle.

Auf der Liste der Grünen stehen neben Lütgens weitere erfahrene Kommunalpolitiker wie die Stadtverordneten Josef Retagne, Kathrin Belten, Andreas Naujoks und Stadträtin Gabriele Sutor und auch einige neue Namen: Franz Lindenberg, Stefanie Linicus und Stefan Krüger beispielsweise stehen auf den hinteren Listenplätzen fürs Stadtparlament, aber weit vorn für den Ortsbeirat: Die 64-jährige Physiotherapeutin Stefanie Linicus führt die Liste für Bremthal an und nennt als Motivation für ihr neues kommunalpolitisches Engagement: Sie habe sich über die unsachliche Kritik an der grünen Politik in der vorigen Bundesregierung so geärgert, dass sie beschloss, sich selbst für nachhaltige Politik einzusetzen. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern engagiert sich in der TSG Eppstein und in der Fairtrade-Gruppe. Gerade habe sie eine Aktion in Kindergärten für gesunde Ernährung gestartet.

Franz Lindenberg, seit kurzem Arzt im Ruhestand, lebt seit 40 Jahren mit seiner Frau in Bremthal, hat drei erwachsene Söhne und sieben Enkel und wolle jetzt seiner Heimatstadt etwas zurückgeben. Seine Themen: Gesundheitsvorsorge vor Ort, Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Familien und Senioren und der Ausbau Erneuerbarer Energien.

Neu dabei ist auch der 45-jährige Stefan Krüger, der wie Gordon L‘Habitant und Friederike Oppong für den Ortsbeirat Eppstein noch vor den beiden bekannten Grünen Renate und Martin Alberts kandidiert. Krüger arbeitet im Datenschutz-Team eines globalen Software-Unternehmens. Der Vater von drei Kindern im Alter von 5, 7 und 10 Jahren sagt ganz klar: „Die Kinder sind mein Antrieb“.

Um die Demokratie zu erhalten, „muss ich nicht nur meckern, sondern aktiv werden und versuchen, Dinge zu gestalten“. Nachhaltiges Wirtschaften sei nur auf der Basis von starken Sozial- und Umweltstandards möglichbpa

18 Eppsteiner und Eppsteinerinnen stellen sich für die Grünen zur Wahl in die Stadtverordnetenversammlung. Spitzenkandidatin Malke Lütgens lebt seit 20 Jahren in Brem­thal und ist seit über 40 Jahren Mitglied der Grünen. Die 73-jährige promovierte Mikrobiologin arbeitete bis 2018 an Pharma- und Biotech-Projekten. Sie ist als ehrenamtliche Stadträtin im Magistrat aktiv, engagiert sich bei der Integration von Geflüchteten und im Kreisbehindertenbeirat. Schwerpunkte in der Kommunalpolitik legt sie auf den Erhalt naturnaher Lebensräume, den Ausbau Erneuerbarer Energien mit Bürgerbeteiligung und den Kampf gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Der 64-jährige Josef Retagne lebt seit 1998 mit seiner Familie in Bremthal, war bis vor einem Jahr im IT-Bereich einer Frankfurter Bank tätig. Seit über 15 Jahren vertritt er grüne Politik in den städtischen Gremien, aktuell ist er Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenfraktion und Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss. Sein Thema ist die Sanierung des städtischen Haushalts und die Prüfung sämtlicher Ausgaben. Er fordert eine bessere finanzielle Ausstattung der Stadt durch Bund und Land, damit die Stadt lebenswert bleibt.

Kathrin Belten, Jahrgang 1979, lebt mit ihrer Familie seit gut zehn Jahren in Eppstein, engagiert sich seitdem bei den Grünen und ist seit 2022 Stadtverordnete. Ihre Themen sind neben den grünen Kernthemen Fragen der Sozial- und Familienpolitik.

Andreas Naujoks, Mitte 50 und Diplom-Agraringenieur, lebt seit 2005 mit seiner Frau und drei Kindern in Bremthal und sagt, er sei „Umweltexperte aus Überzeugung“. Er arbeitete 20 Jahre für die US-Umweltbehörde EPA. Heute ist er bei Fraport Vermarktungsleiter des Terminal 3. In der Kommunalpolitik ist er seit 2021 und stehe für den Wettbewerb der Ideen. Er setze auf Dialog und nachhaltige Lösungen statt auf Populismus.

Die 76-jährige Gabriele Sutor ist Mutter einer erwachsenen Tochter und Informatikerin im Ruhestand. Seit 2009 wohnt sie in Eppstein. Als ehrenamtliches Mitglied im Magistrat ist sie auch Gleichstellungsbeauftragte. Sie setzt sich ein für gute Radwege, öffentlichen Nahverkehr, kulturelle Angebote für Kinder und Jugendliche und fairen Handel.

Steffen Dittmar, seit 2021 Stadtverordneter, will sich künftig nur noch um grüne Themen im Ortsbeirat Niederjosbach kümmern. Der 47-Jährige lebt mit Ehefrau und zwei Kindern seit 2008 in Niederjosbach, engagiert sich im TuS als Übungsleiter und pflegt eine Streuobstwiese des BUND. bpa

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