Bahn, Baustelle, Brücke

Pendler brauchen Geduld – auch die Anzeigetafel am Bahnhof Eppstein gibt häufig keine aktuelle Auskunft.Foto: Jan Weller

Pendler brauchen Geduld – auch die Anzeigetafel am Bahnhof Eppstein gibt häufig keine aktuelle Auskunft.Foto: Jan Weller

Untätigkeit kann Eppsteins Kommunalvertretern in Sachen S-Bahn-Verkehr nicht vorgeworfen werden, allenfalls der Bahn mit ihren vielen Zuständigkeiten eine gewisse Dickfelligkeit.

Im vorigen Jahr beschäftigte das Thema S-Bahn-Ausfall und Unpünktlichkeit auch auf Antrag aus Eppstein den Kreisausschuss, der den Linienverkehr über MTV und RMV bei der Bahn in Auftrag gibt.

„Wir setzen auf Kooperation mit den anderen betroffenen Kommunen und können eigentlich nur immer wieder den Finger in die Wunde legen“, sagt Bürgermeister Alexander Simon dazu. Als neuesten Vorstoß hat die Eppsteiner FWG-Fraktion nun in der vorigen Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen, der Magistrat solle den Vorsitzenden der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Professor Knut Ringat, zu einem Gespräch über die Probleme mit der S2 zur nächsten Sitzung des neuen Stadtentwicklungsausschusses einladen.

Dem Vorschlag stimmten die Stadtverordneten einvernehmlich zu. Simon berichtete als Vorsitzender des Magistrats, dass die Einladung bereits verschickt sei.

Das Thema S-Bahn und Schienenersatzverkehr gewinnt im Sommer zusätzlich an Brisanz: Ab Mitte Juni will Hessenmobil planmäßig mit der Erneuerung der B455 in Eppstein beginnen. Dazu wird für sechs Wochen die Umgehungsstraße komplett gesperrt und danach die Bauarbeiten mit halbseitiger Sperrung fortgesetzt. Eine Vorlage über Umleitungsstrecken und Verkehrsregelung für die nächste Sitzungsrunde der Stadtverordneten bereite die Stadt gerade vor – mit Vorbehalt.

Denn, obwohl die Planung seit über einem Jahr steht, hat Hessenmobil die Arbeiten gerade erst ausgeschrieben. Jetzt hängt alles davon ab, ob Hessenmobil bis zum Baustart eine Straßenbaufirma findet.

Die Fußgängerbrücke zwischen Altstadt und Bahnhof, die in diesem Zusammenhang auch abgerissen werden soll, sei angesichts der sich überschneidenden Baustellen von Hessenmobil und Bahn noch sein kleinstes Problem, ließ der Bürgermeister wissen.

Die Eppsteiner SPD hat, wie berichtet, eine Petition mit 1152 Unterschriften beim Petitionsausschuss im Landtag abgegeben. Sie fordert darin ein Ersatzkonzept für die Schnellbahnlinie 2, weil deren Züge seit rund zwei Jahren häufig nicht mehr bis Eppstein fahren, sondern schon in Hofheim wenden. Lorsbach und die drei Halte in Eppstein sind allzu oft abgekoppelt. Für Niedernhausen als letztem Halt der S2 gibt es mit der Regionalbahn aus Limburg zumindest eine Alternative.

Eine Alternative zur nicht fahrenden S-Bahn fordert die SPD jetzt vom Land zumindest für den Haupthalt der S-Bahn in Eppstein ein. Denn eigentlich soll sie zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends Viertelstündlich fahren. Doch kommt es regelmäßig zu Wartezeiten von einer Stunde und länger.

Wer alternativ auf den Bus umsteigt, muss eine Fahrzeit von bis zu 50 Minuten einrechnen – falls der Fahrer das richtige Ziel in das Navigationssystem eingegeben hat. Auch das kam schon vor, dass der Schienenersatzverkehrsbus von Eppstein aus statt planmäßig nach Höchst zuerst nach Idstein fuhr.

Wenn Bahn und Straßenbau sich in die Quere kommen

Die Sprecherin des Petitionsausschusses, die Landtagsabgeordnete Elke Barth, versicherte den Petenten, dass der Ausschuss durchaus die Möglichkeit habe, Akteure an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Eppstein, so die SPD in ihrer Petition, müsse, trotz planmäßiger Gleisbauarbeiten und nicht geplanter Störungen, mindestens alle halbe Stunde per Bahn erreichbar bleiben. Dazu müsse entweder eine zusätzliche S-Bahn in Hofheim bereitstehen, um die Weiterfahrt zu übernehmen, oder aber für die Regionalbahn ein zusätzlicher Halt in Eppstein eingeführt werden. Damit greift die SPD eine alte, seit Jahren regelmäßig wiederholt gestellte Forderung aus Eppstein auf.

Bisher lehnte die Bahn diese Forderung immer wieder ab, obwohl sie selbst davon ausgeht, dass die Bauarbeiten für neue S-Bahnstrecken, Gleis- und Weichenbau sowie die Modernisierung einiger veralteter Stellwerke mit elektronischer Steuerung frühestens Anfang der 2030er Jahre abgeschlossen sind.

Währenddessen leiden S-Bahn-Kunden mehr oder weniger leise weiter. Denn nicht nur die völlig planlos scheinenden, weder angekündigten, noch an der Anzeigetafel erklärten Verspätungen und häufigen Ausfälle zehren an den Nerven der S-Bahn-Kunden.

Hinzu kam Anfang des Jahres die Ankündigung von turnusmäßigen Reparaturen in 117 Nächten zwischen Januar und Dezember. An diesen Abenden fährt ab 21 Uhr bis morgens 5 Uhr gar keine S2 mehr zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und Niedernhausen. Im Schienenersatzverkehr, der deutlich länger fährt, ist dann auch die Mitnahme von Fahrrädern nicht erlaubt.

Mitte März kam eine kurzfristig gemeldete weitere Sperrung an zehn aufeinanderfolgenden Abenden zwischen Höchst und Niedernhausen hinzu: Wegen Oberleitungsarbeiten stellte die S-Bahn ihre Fahrten vom 17. bis 27. März schon ab 20 Uhr bis 1.30 Uhr ein.

Die Regionalbahn ist offensichtlich nicht von diesen Arbeiten betroffen, denn sie fährt auch in solchen Nächten unbehelligt. Zuständig für Arbeiten an der Infrastruktur, aber auch für die Gleisbelegung während Bauarbeiten ist allerdings die DB InfraGo. Eine Nachfrage, was genau in solchen Nächten repariert wird, ob es nach Abschluss spürbare Verbesserungen gibt und warum zwischen Frankfurt und Niedernhausen nur die S-Bahn davon betroffen ist, beantwortet die zuständige DB InfraGO eher oberflächlich: „Diese regelmäßigen Instandhaltungsarbeiten sind Betriebspausen, die vorsorglich geplant werden, um alle möglichen Arbeiten ausführen zu können. Was da jeweils konkret gebaut wird, steht vorher nicht fest. Inspektion, Wartung oder Mängelbeseitigung – alles ist möglich.“ Solche Pausen habe es auch 2024 schon gegeben, heißt es weiter. Das macht die Situation für Bahnkunden auch nicht tröstlicher.

Ein Sprecher des RMV versucht zumindest das Zuständigkeits-Wirrwarr zu erklären: Die Regionalbahn sei möglicherweise wegen der längeren Strecke bis Limburg von den aktuellen Streichungen für nächtliche Baustellen nicht betroffen. Zwischen Frankfurt-Höchst und Hauptbahnhof nutzen die Regionalzüge ohnehin eine oberirdische Strecke zur Bahnhofshalle. Baumaßnahmen im Frankfurter S-Bahn-Tunnel hätten deshalb keine Auswirkungen auf die Regionalbahn, wohl aber auf die S-Bahn.

Wegen der Bauarbeiten müsse anscheinend die Zahl der Züge reduziert werden, vermutet der Sprecher des RMV, der eigentlich nur für die Linienplanung zuständig ist und die Fahrten bei den Eisenbahnunternehmen bestellt. Diese eingeschränkte Nutzung der Gleise geht offensichtlich zu Lasten der S2, während die Regionalzüge durchfahren dürfen. Laut Augenzeugen halten sie hin und wieder sogar in Eppstein. Aber eben nicht planmäßig und schon gar nicht zuverlässig.

Ein Sprecher der Bahn versuchte zumindest, zu erläutern, warum die Bahn über ein ganzes Jahr hin nahezu in jeder dritten Nacht die S2 ausfallen lasse und warum dies für Außenstehende zu keinen ersichtlichen Ergebnissen führe: Die für das Schienennetz verantwortliche DB InfraGO richte diese Sperrpausen ein, um routinemäßig die Gleise und den Fahrweg in einem guten Zustand zu halten. Vergleichbar sei das mit Reparaturen an Haus oder Auto, an denen immer etwas gepflegt, repariert oder ausgetauscht werden müsse, damit es weiter funktionsfähig bleibt.

Die Sperr-Termine werden jedenfalls wahrgenommen, das hat der Eppsteiner Holger Küst, Pendler und Sprecher des ADFC Main-Taunus, selbst beobachtet. Allerdings komme es vor, dass an solchen eigentlich gesperrten Abenden hin und wieder leere, unbeleuchtete S-Bahnen wie Geisterzüge durch den Bahnhof rauschen. Küsts Kommentar: „Da weiß anscheinend keiner so wirklich, ob an den betreffenden Abenden tatsächlich gebaut wird oder nicht.“bpa

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