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Sonnenwinde und japanische Gärten

Die Eppsteiner Fotogruppe stellte Arbeiten der vergangenen zwei Jahre aus. Foto : Rainer Grett

Schauen, Staunen, Rätseln und Fachsimpeln – dazu war auf den 16. Fototagen am vergangenen Wochenende reichlich Gelegenheit. Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz eröffnete die Ausstellung im Blauen Saal im Rathaus Vockenhausen.

Die alle zwei Jahre stattfindenden Fototage sind Höhepunkt des Schaffens der Fotogruppe Eppstein.

Zwölf passionierte Fotografinnen und Fotografen präsentierten rund 60 Motive, die sie rund um Eppstein oder auf Reisen aufgenommen haben. Neben den von den Mitgliedern selbst ausgewählten Bildern waren auch die intern prämierten Fotografien der Gruppe zu unterschiedlichen Themen zu bewundern.

Einen besonderen Anreiz boten die Bildershows mit Impressionen aus fernen Ländern. So nahmen Heidi und Dietrich Milde das Publikum mit auf ihre Exkursion nach Japan. Ihre Begeisterung für die historischen Stätten im Land der aufgehenden Sonne übertrug sich schnell auf ihre Zuhörerschaft. Mit solider Fotokunst dokumentierten sie Gärten und Tempel, darunter einen nach 1945 rekonstruierten Wandelgarten aus der Samurai-Zeit, so wie er im 16. Jahrhundert ausgesehen haben mochte. In der Ausstellung selbst war das bezaubernde Bild einer „Japanerin im Kimono“ zu sehen oder „Der Goldene Pavillon“, ein buddhistischer Tempel, für den sie Kyoto besuchten.

Auch der Naturfotograf Lothar Besier war in den vergangenen beiden Jahren wieder auf Reise und nahm teils abenteuerliche Wege auf sich, um technisch anspruchsvolle Eis- und Schneelandschaften zu fotografieren.

In den Lofoten entstanden die Stativ-Aufnahmen von Polarlichtern mit lichtstarkem Weitwinkel-Objektiv: „Bei den Aufnahmen durften rundherum keine Lichtquellen sein. Man musste seine Kamera blind bedienen können“, erklärte Besier, die Automatik funktioniere bei diesen Bedingungen nicht. Er präsentierte einzigartige Bilder, die vermuten lassen, dass Zeit und Ort perfekt gewählt waren: Klarer Himmel und starke Sonnenwinde ergaben auf den Bildern einen farbintensiven grünlichen Schweif am Himmelszelt.

Auch die abenteuerliche Fahrt mit dem Geländewagen zum Gletschersee in Südisland, dem größten See Islands, hat sich für Besier gelohnt: Auf dem Weg zum Meer trieben riesige Eisbrocken und stauten sich in bizarren Formen und intensivem Blau.

Auf Auge und Kreativität kommt es an

Detlef Bömelburg zeigte in der Ausstellung Bilder aus der Region, darunter den Ausschnitt eines Panoramas, der auf dem Staufen entstand. Am schwülen Aufnahmetag ballten sich dunkle Wolken in der Ferne zusammen, erzählte er. Die Sonne – noch nicht ganz besiegt – erzeugte ein diffuses Licht. Bei diesen Bedingungen wählte er den HDR-Modus, um auch den Vordergrund optimal zu belichten. An die 100 Bilder werden dabei erzeugt und im Bildbearbeitungsprogramm zur optimalen Version generiert.

Frank Ickstadt zeigte seine gestochen scharfen Paprika-Bilder aus dem Studio neben einer abstrakten Aufnahme, einem lang belichteten Motiv mit dem Titel „Catwalk“. Auf der Bahnhofsbrücke in Eppstein sei das Bild aus der „Voyeurs-Perspektive“ entstanden, verriet Ickstadt und dass es sich dabei um zwei „luftige“ Frauenbeine im Winter handele. „Ich staune immer wieder, wenn Frauen bei kalten Temperaturen etwas Leichtes anhaben,“ erzählte er schmunzelnd.

Auch Hartmut Amberger zeigte ganz unterschiedliche Motive: Zum einen die stark mit Bildbearbeitungsprogramm Photoshop veränderten „Love Dreams“, ein verfremdetes Gemälde, das auf einer Ausstellung in Davos zu sehen war, zum anderen seine Klatschmohnbilder. Die verwischten roten Blüten wurden „gerissen“: Mit großer Blende und langer Belichtungszeit „riss“ Amberger seine Aufnahme, indem er die Kamera vor dem Objekt bewegte. Das Titelmotiv der Ausstellung geht zurück auf Arnd Rödiger. Die geometrischen Formen sind Balkone eines Hotels auf Malta, die schon durch ihre Farben einen „Eyecatcher“ darstellen. Als Kontrast zur Schönheit der übrigen Aufnahmen auf den Fototagen entschied sich Rödiger, seine „Müllbilder“ auszustellen, die jedoch keineswegs an Ästhetik mangeln lassen: „Die Profiteure“ beispielsweise, stellen Krähen als Silhouette auf einem Müllberg dar.

Winfried Schwolgin experimentierte mit seinem Fischaugenobjektiv, um den Kalksteinbruch bei Limburg abzulichten. Die leuchtend gelben LKW auf den stark abschüssigen Transportwegen wirken wie Matchbox-Autos.

Die Fotogruppe trifft sich montags um 19.30 Uhr im Backhaus in Bremthal. Dort werden Themen festgelegt. Gemeinsam wählen die Mitglieder die drei besten Bilder des jeweiligen Wettbewerbs aus, die in der Ausstellung zum Zuge kommen. „Entscheidend ist nicht die Fotoausrüstung“, verspricht der Vereinsflyer, „sondern das gute Auge und Kreativität“. mi

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