Clara Schumann (1819 - 1896), die Frau des berühmten Romantikers Robert Schumann (1810 - 1849), ist mittlerweile unter Klassik-Hörern keine Unbekannte mehr: als außergewöhnliche Pianistin ihrer Zeit, die berühmte Werke ihres Mannes aus der Taufe gehoben hat, aber auch als Komponistin eigener Werke, die allerdings bis weit ins letzte Jahrhundert ziemlich ungehört blieben.
Spätestens beim Namen Elfrida Andrée (1841 - 1929) dürften jedoch selbst dem besessensten Kammermusik-Liebhaber weder Telefon- noch Publikums-Joker eine Hilfe sein. Wer ist diese Frau? Die Schwedin kämpfte zeitlebens für die Rechte der Frauen – und das mithilfe ihrer Musik. Hören Sie Andrées Klavier-Trio (mit Geige und Cello) sowie die Trios von Clara Schumann und Alba Rosa Vietor (1889 - 1979) am Samstag, 23. Mai, um 18 Uhr, dargeboten vom Aura Trio.
Danach tasten sich die von Anna Tyshayeva engagierten Künstler in hierzulande unbekannteres Terrain vor: ein Abend mit armenischer Musik aus zwei Jahrhunderten mit dem Calliope-Duo (Violine und Klavier) lässt Kultur, Geschichte und Natur eines Landes anklingen, das die allermeisten nicht einmal bei einer Weltreise streifen würden (Sonntag, 24. Mai, 18 Uhr).
Gehen Sie also auf Entdeckungstour in der Talkirche. Was nicht bedeutet, dass der Kanon abendländischer Klavierkunst von Bach bis Beethoven und von Chopin bis Liszt und Rachmaninoff nach 15 Jahren Klavierfest in Eppstein bereits zu Ende erzählt sei! Auf die ganz große Kunst muss auch dieses Jahr niemand verzichten; wenn Pierre-Laurent Boucharlat am Pfingsmontag, 25. Mai, Ludwig van Beethovens grandiose Hammerklavier-Sonate in die Talkirche hämmert, eingeleitet von den 32 Variationen in c-Moll des Bonner Meisters, dessen 32 Klaviersonaten gern als „Bibel der Pianisten“ bezeichnet wird.
Zum Abschied von Pfarrerin Heike Schuffenhauer, für die es das letzte Festival während ihrer Amtszeit in der Talkirche wird, setzt Anna Tyshayeva also auf Entdeckerlust ihrer Zuhörer!
Und Neugierige werden nicht enttäuscht: Musik aus Dänemark, Norwegen und der Ukraine, gespielt von Elisabeth Nielsen (Freitag, 22. Mai, 18 Uhr). Aber auch beschwingte vierhändige Klaviermusik, zart gehauchte Duos für Flöte und Klavier und virtuose Schmankerl von Wundergeiger Fritz Kreisler (?? 1962).
Anna Victoria Tyshayeva behält sich – mit ihrem Musizierpartner Michel Gershwin an der Violine – den Abschluss des Festivals in Eppstein vor. Am Sonntag, 31. Mai, um 18 Uhr, stehen Werke von Bach, Mendelssohn, Joachim, Brahms und Schumann auf dem Programm. Und beide Musiker sind dann mit dem Franck Piano Quintett sowie befreundeten Mitspielern am Samstag, 13. Juni, um 19 Uhr im Plenarsaal des Landratsamtes in Hofheim noch einmal zu genießen. Dabei steht unter anderem das Klavier-Quintett in Es-Dur von Robert Schumann auf dem Programm.
Der Eintritt zu den Konzerten in der Talkirche ist frei, die Veranstalter bitten um eine angemessene Spende.
Bei aller Spiellaune vergisst Anna Tyshayeva aber nie das schwere Los ihrer Heimat. Noch immer führt Russland in der Ukraine einen zermürbenden Krieg, der nur Leid für die Betroffenen mit sich bringt. Bei ihrem mittlerweile (man mag es kaum glauben!) fünften Benefizkonzert am Sonntag, 9. August, (18 Uhr) versuchen Anna Victoria Tyshayeva und ihre Freunde erneut, Geld für Medikamente und medizinische Hilfe einzuspielen. Das Programm wird noch bekanntgegeben. Wer möchte, kann aber jederzeit für die Hilfsorganisation „M Corporation“ in Odessa spenden: Ev. Talkirchengemeinde Eppstein, IBAN: DE81 5105 0015 0225 0222 24, Stichwort: Odessa.
Das Programm zum 16. Klavierfest kann auf unserer Webseite www.eppsteiner-zeitung.de heruntergeladen werden. rp


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