Irrwitziger Spagat zwischen Komik und Tragik

Die Burgschauspielertruppe vereint im „Hotel Mimosa“.
            Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die Burgschauspielertruppe vereint im „Hotel Mimosa“.

Foto: Beate Schuchard-Palmert

Schon bei den Proben wird deutlich: Ihr neues Stück „Hotel Mimosa“ verlangt von den Burgschauspielern höchste Konzentration und jede Menge komödiantisches Talent, um die Zuschauer zwei Stunden lang in Atem und bei Laune zu halten.

Erleben kann man das Spektakel zum Auftakt der Burgfestspiele: Zur Premiere laden Stadt und Burgschauspieler am Samstag, 27. Juni. Am Sonntag, 28. Juni, folgt die zweite Aufführung und am Samstag, 4. Juli, und Sonntag, 5. Juli, die weiteren Aufführungen, Sie beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Schon bei den Vorbereitungen nahm sich Regisseurin Juliane Rödl das Stück, das die Burgschauspieler 2017 schon einmal unter ihrer Regie aufgeführt haben, noch einmal vor und kürzte den Text von zweieinhalb Stunden Spieldauer auf zwei Stunden. „Das Stück gewinnt dadurch noch mehr Tempo“, sagt sie, „wir legen den Fokus ganz auf die Figuren und den Spielfluss“.

Für die Darsteller sei das eine enorme Herausforderung, denn ständig müssen sie sich auf neue Situationen einstellen – „und das in einem irrwitzigen Tempo“, fügt Hauptdarsteller Volker Steuernagel hinzu. Er spielt Filmregisseur Jean-François, der für seine schnulzigen Serien bekannt und angeblich auf Motivsuche für seinen neuen großen Film ist. Für ihn ein wunderbarer Anlass, um in der Villa seiner Geliebten Magali an der Côte d‘Azur abzusteigen.

Das glückliche Tête à Tête währt nicht lange. Jean-Francois hat seine Brieftasche zu Hause in Paris vergessen. Ehefrau Cécile, gespielt von Linda Kratz, beschließt, ihrem Mann die wichtigen Dokumente persönlich zu bringen – zu seinem Stammquartier im Hotel Mimosa – und steht schon bald vor der Tür. In Windeseile wandeln die beiden Magalis Villa in ein Hotel um. Prompt stehen weitere, unerwartete Gäste an der improvisierten Rezeption.

Hauptdarsteller Volker Steuernagel ist mit 30 Jahren Erfahrung auf der Burgbühne zugleich der dienstälteste Schauspieler. Aber auch ihm fordert die Rolle einiges ab. Vor allem die Doppelbödigkeit: Einerseits muss er den souveränen Regisseur spielen, der alles im Griff hat, „andererseits spiele ich einen Mann, der zusehends am Abgrund steht“, sagt Steuernagel, „und muss das auch dem Publikum vermitteln“. Das denkt ständig: „Jetzt fliegt der Schwindel auf“, um dann über eine neue, atemberaubende rettende Idee von Jean-François zu lachen. Ein schwieriger Spagat zwischen Komik und Tragik, auch für einen erfahrenen Schauspieler.

Ähnlich aufgebaut ist die Rolle seiner Geliebten Magali, gespielt von Judith Graf. Sie steht ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs, muss dabei ein Fünf-Gänge-Menü auf den Tisch zaubern und auf die Grillen ihrer vermeintlichen Hotelgäste eingehen. Da ist beispielsweise der geheimnisvolle Monsieur Legris, gespielt von Benjamin Peschke, oder Gabriele Wittich und Robin Sommer, die ein frisch verheiratetes Ehepaar spielen: Heidi und Hans kommen, wie ihr Dialekt verrät, aus Niederjosbach und sind zum ersten Mal auf einer großen Reise.

Während die beiden einander genug sind, fischt sich Edel-Prostituierte Paquerette, gespielt von Neuzugang Isabelle Reiter, den ein oder anderen Gast aus dem Publikum, um mit ihm hinter der Bühne zu verschwinden. Die Loverboys spielen in den insgesamt vier Aufführungen unter anderen Dirk Büttner, Claus Hilles, Ramon Olivella, Manfred Helbig, Knut Vollmuth und ein Überraschungsgast. Auch ein Zufallsgast ist dabei: Der Frankfurter Mario Libonati traf auf seiner Radtour durch den Taunus die Burgschauspieler auf der Burg – und wurde sofort als Loverboy für einen Kurzauftritt engagiert.

Wieder dabei sind Nicola Sasse als Nadine und Richard El-Duweik als ihr Liebhaber Gérard. Neben bekannten Gesichtern stehen bei den vier Aufführungen der Burgschauspieler auch einige neue Talente auf der Bühne: Isabelle Reiter aus Kelkheim spielte schon bei der Theatergruppe Krause, Niko Gauer, der Magalis Ehemann, den U-Boot-Kapitän Charles-Henri spielt, hat bereits Erfahrung in anderen Amateurtheatergruppen gesammelt. Nur Michael Thomas hat bis auf Schultheateraufführungen vor etlichen Jahren keine Theatererfahrung. Er lernte als Helfer im Repair-Café Helga Terzka vom Burgschauspieler-Team kennen und ließ sich sofort für die Rolle von Nadines Ehemann Marc anheuern.

Ursprünglich planten die Burgschauspieler für dieses Jahr ein neues Stück unter einem neuen Regisseur. Als dieser vor Probenbeginn absagte, entschied sich die Truppe für ein Stück, das sie schon einmal mit Juliane Rödl aus Regisseurin spielte – „und weil das Publikum damals restlos begeistert war“, erinnern sich Rödl und Steuernagel.

Für nächstes Jahr sind die Burgschauspieler weiterhin auf der Suche nach einem neuen Regisseur. Sie freue sich darauf, selbst wieder einmal auf der Bühne zu stehen, sagt Juliane Rödl dazu. Außerdem brächte ein neuer Regisseur oder eine Regisseurin frischen Wind und neue Ideen mit.bpa

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