Moderiert wurde der Abend – wie schon in den vergangenen Jahren – von Jan Cönig. Der mehrfach ausgezeichnete Poetry Slammer aus Frankfurt führte mit viel Charme und Selbstironie durch das Programm und eröffnete die Veranstaltung mit einem eigenen Feature-Text. Unter dem Titel „Das geht besser“, setzte er sich mit alltäglichen Leistungs- und Erwartungszwängen auseinander und führte damit bereits in die inhaltliche Richtung des Abends: humorvoll und ernsthaft im dauerhaften Wechsel.
In jeweils rund sieben Minuten präsentierten die Teilnehmenden selbst geschriebene Texte. Bewertet wurde an zwölf Tischen mit bis zu zehn Punkten pro Beitrag. Trotz des Wettbewerbscharakters stand jedoch klar die gemeinsame Begeisterung für Sprache und Ausdruck im Mittelpunkt.
Die thematische Spannbreite war groß – und zugleich auffällig geschlossen: Rassismus, Liebe, Identität und psychische Belastungen bildeten den emotionalen Kern des Abends.
Sinah Alina Clos eröffnete den Wettbewerb mit einem philosophischen Text über Vorurteile, Rassismus und Ausgrenzung.
Luan aus Mainz überzeugte mit einer poetischen Metapher über Beziehungen, Selbstaufgabe und Selbstfindung.
Nektarios Vlachopoulos, einziger männlicher Starter des Abends, verband scharfe Gesellschaftsbeobachtung und den Wandel des „eigenen Ichs“ im Laufe der Zeit mit Humor.
Verena Hülsbömer wiederum zeigte anhand des „Hormoncocktails“ die verschiedenen Stufen einer Beziehung auf – teils humorvoll, teils nahezu wissenschaftlich – aber immer nachvollziehbar und gut verständlich. Für diesen Text wurde sie vom Publikum direkt ins Finale gewählt.
Äußerst eindrücklich war zudem das Halbfinale, in dem Sinah Alina Clos mit einem sehr persönlichen Text über Suizid und Depressionen für einen stillen, bewegten Moment im Saal sorgte. Dem stand der humorvolle und sprachspielerische Beitrag von Nektarios gegenüber, der sich an eine „Vokaltragödie mit allen Vokalen“ wagte. Ein Text, dessen Sätze immer nur einen bestimmten Vokal enthalten dürfen. Ebenfalls im Halbfinale war Luan, die mit „Kein glücklicher Liebestext“ selbstbewusst und nahbar über Herzschmerz und tiefe Emotionen sprach. Das Publikum erwies erneut, dass es sowohl lauthals lachen, als auch still nachdenklichen Themen folgen konnte – ein Wechselspiel der Gefühle, das den Abend prägte.
Das Halbfinale gewann mit leichtem Vorsprung Nektarios. Im Finale traf schließlich ernste Gesellschaftskritik auf schwarzen Humor. Verena Hülsbömer setzte mit einem Text gegen Rassismus und rechte Ideologien ein klares Zeichen – nachträglich zum Holocaust Gedenktag –, während Nektarios Vlachopoulos mit einer satirischen Betrachtung globaler Machtspiele für tosendes Gelächter und zustimmendes Kopfnicken sorgte. Die Entscheidung fiel letztlich per Applaus – hauchdünn zugunsten von Nektarios.
Diese Entscheidung war nicht ganz unumstritten, so gab es im Publikum einige Stimmen, die sich sicher waren, dass Verena einen etwas lauteren Applaus bekommen hatte, andere stimmten der Entscheidung zu. Es war ohnehin ein knapper Sieg ohne Verlierer – denn jede der teilnehmenden Personen hatte gewonnen: Die Herzen und Ohren der Zuhörerschaft.
Der Kulturkreis Eppstein brachte die Stimmung des Abends treffend auf den Punkt: „Eine Achterbahnfahrt der Gefühle – nur mit Worten.“ Und genau das erlebte das Publikum: einen Abend, der unterhielt, berührte und zum Nachdenken anregte, einen Abend der zeigte, wie kraftvoll gesprochene Worte sein können.js

Kommentare